Alles unter einem Dach

Das Spiel auf dem satten Grün wird im Werdenberg zur Ganzjahressportart. Wer es erlernen möchte oder sich einfach verbessern, dem steht die ganze Trainingspalette in der warmen Halle zur Verfügung.

Robert Kucera
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Für das erfolgreiche Chippen holt sich Melanie Mätzler gerne Tips beim Fachmann. (Bild: Robert Kucera)

Für das erfolgreiche Chippen holt sich Melanie Mätzler gerne Tips beim Fachmann. (Bild: Robert Kucera)

Der Übertritt von seiner Tochter Melanie zu den Profis hat Guido Mätzler vor fünf Jahren auf eine Idee gebracht: Golf-Training in der Tennishalle. «Wenn sie im Winter da ist, hängt es zu sehr vom Wetter ab, ob sie trainieren kann oder nicht», so Mätzler, der zwei weitere golfbegeisterte Töchter hat und allen dreien eine Gelegenheit bieten wollte, im Winter unter optimalen Bedingungen zu trainieren und sich zu verbessern.

Der Besitzer der Tennishalle in Grabs hat zusammen mit Melanie mehrere Trainingshallen angeschaut, die Idee wurde anschliessend in die Tat umgesetzt. Seither trainieren Mätzlers in Grabs. Die gesamte Trainings-palette stand von Beginn an jedem Golfspieler zur Verfügung. Trotzdem bildete sich keine Stammkundschaft, die Nutzung blieb im überschaubaren Rahmen. Wie Guido Mätzler bemerkt, liegt das daran, dass man es nie gross publik gemacht habe.

Realistische Anlage samt Computerhilfe

Was sich nun geändert hat. Denn mit Paul Wesselingh, Golf-Profi bei den Senioren, hat man nun eine Koryphäe dieser Sportart, der in der Tennishalle Trainingseinheiten anbietet. «Jetzt haben wir einen Mann, der gewährleistet, dass man einen wichtigen Schritt als Golfer machen kann», so Mätzler. Aus der Trainingsgelegenheit für seine Töchter entstand schliesslich die Chance, etwas für die Region und den Golfsport zu tun. Diese liess sich Guido Mätzler nicht entgehen.

Dass man auf der Trainingsanlage in Grabs nun Golf unter fachkundiger Leitung anbieten kann, ist indes kein Zufall. Von Beginn weg haben Melanie und Guido Mätzler den Standard hoch angesetzt. Die Bedürfnisse einer Profi-Golfspielerin liess Melanie ins Projekt einfliessen. «Wir wollten eine Anlage, die realistisch ist, auf welcher man den Ball auch sieht und dieser nicht nach drei Metern ins Netz fliegt», erläutert Guido Mätzler. In der Tennishalle sieht man den Ball und welche Richtung er nach dem Schlag eingenommen hat. Dazu kommt ein Computer zum Einsatz, auf welchem man Distanz, Rotation und allerlei hilfreiche Werte ablesen kann. Besondere Aufmerksamkeit geniesst das Kurzspiel Chippen und Putten. Könner – und solche, die es noch werden wollen – haben die freie Auswahl bezüglich Unterlage und Distanz zur Fahne.

Der Rechtsanwalt aus Bad Ragaz betont, dass das Trainingsgelände keine Plauschanlage sei, bei der man zwischen zwei Schlägen einen Schwatz hält und einen Drink nimmt. «Wir sprechen jene an, die trainieren und einen Schritt vorwärts machen wollen.»

«Das Ziel ist: Effizient arbeiten»

Wie seine Tochter Melanie. «Ich bin sehr dankbar, dass wir die Halle haben und dass wir das gebaut haben. Ich konnte hier schon viele Stunden an meinem Spiel arbeiten.» Die in Sevelen aufgewachsene Profispielerin geniesst es, im Warmen ihr Schlagrepertoire zu trainieren. Doch sie weist darauf hin, dass sie nicht in die Halle käme, um nur stundenlang Bälle zu schlagen. «Man arbeitet an jenen Sachen, die man sich vorgenommen hat. Den Schwung, die Technik, Chippen, Putten oder viele verschiedene Schläge, die man auf verschiedenen Unterlagen trainieren kann. Das Ziel ist: effizient arbeiten.»

Besonders fürs Kurzspiel ist die Anlage ideal. Und mit Paul Wesselingh hat Mätzler nun in Grabs einen Meister seines Fachs an ihrer Seite. «Ich werde sicher Rat einholen. Von seiner Stärke im Kurzspiel kann ich bestimmt was lernen», ist sie überzeugt. Doch noch lieber wäre es ihr, wenn nicht der Winter, sondern der Sommer vor der Tür stehen würde. «Irgendwann will man raus auf den Platz. Golf spielt man draussen auf dem Gras. Aber die Halle ist eine super Abwechslung.» Sie verrät, dass sie die spezielle Atmosphäre, in welcher Tennislehrer ihre Lektionen durchführen und auch Musik läuft, geniesst.

Pause wegen linkem Handgelenk

Bis Melanie Mätzler ihr Spiel perfektionieren kann, dauert es aber noch eine Weile. Ihr linkes Handgelenk (Sehnenscheidenentzündung) zwingt sie zu einer Pause. Momentan nimmt die 28-Jährige keinen Schläger in die Hand, Physiotherapie steht auf dem Programm. «Danach kann ich schon wieder Golf trainieren. Aber in gemässigtem Rahmen.» Wenn ihr Handgelenk mitmacht, kann sie noch dieses Jahr putten. Für eine schmerzfreie nächste Saison sind ein guter Aufbau und viel Geduld notwendig.

Melanie Mätzler hofft, dass sie ab Mitte Februar wieder Vollgas geben kann. Schliesslich fangen im April die Wettkämpfe wieder an. Und ein erster Höhepunkt stellen schliesslich die Swiss Ladies Open auf dem Golfplatz Gams-Werdenberg dar, die im Frühling stattfinden. «Mein Wunschszenario ist, ab Mitte Februar irgendwo im Süden zu trainieren. Mitte März wäre ich dann wieder da.»