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ÄRZTEMANGEL: Trübbacher Arzt wird mit 73 Jahren pensioniert

Am 1. Januar 1978 hat Werner Sulser die Arztpraxis von seinem Vater übernommen. Im Alter von 73 Jahren hat er zum Jahresende den Schlüssel zur Arztpraxis symbolisch abgegeben.
Heidy Beyeler
Werner Sulser hat die Schlüssel seiner Arztpraxis nach mehr als 40 Jahren abgegeben. (Bild: Heidy Beyeler)

Werner Sulser hat die Schlüssel seiner Arztpraxis nach mehr als 40 Jahren abgegeben. (Bild: Heidy Beyeler)

Heidy Beyeler

redaktion@wundo.ch

Während 40 Jahren stand Werner Sulser als Arzt seinen Patienten mit Rat und Tat zur bei. Am 1. Januar 1978 übernahm er im Alter von 33 Jahren die Praxis von seinem Vater an der Poststrasse in Trübbach. Nach 40 Jahren schliesst der Dorfdoktor, Hausarzt und Grundversorger seine Praxis.

Werner Sulser studierte Innere Medizin und eignete sich während seinen 40 Jahren Tätigkeit weiteres Wissen aus anderen Disziplinen an, sodass er sich über ein breites Spektrum medizinischer Kenntnissen in verschiedenen Bereichen verfügte, wie er im Gespräch mit der Zeitung betonte. «Ich habe Frauengrundversorgung gemacht, Kinder betreut sowie kleinchirurgische Eingriffe vorgenommen und mich dermatologischen Problemen angenommen», erinnert sich Werner Sulser.

Heute blickt er auf eine vielfältige Entwicklung in seinem Beruf zurück. «Natürlich kann man vieles über den Computer nachschlagen; und natürlich haben heutzutage einstige Erkenntnisse und Behandlungen nicht mehr dieselbe Bedeutung wie damals.» Dennoch sind ihm seine Sammlungen in Papierform – abgelegt in einem gut strukturierten Ablagesystem– wichtig. «Damit wird das Gedächtnis trainiert», sagt Werner Sulser. Er wisse genau wo er nachschlagen könne, erklärt der passionierte Hausarzt, der sich nun 73-jährig für den Ruhestand entschieden hat.

Trotz intensiver Suche keinen Nachfolger gefunden

Dass es – insbesondere auf dem Land – schwierig ist, eine bestehende Hausarztpraxis zu übernehmen, ist landauf landab bekannt. Werner Sulser zeigt einerseits Verständnis dafür, andererseits bedauert er es natürlich, dass er keinen Nachfolger gefunden hat. Als alteingesessener Hausarzt, Landarzt, Allgemeinmediziner hat Werner Sulser Verständnis für die jungen Ärzte, die wie andere Leute auch, einen zeitlich geregelten Berufsalltag möchten, damit sie auch Zeit haben für ihre Familie.

Das heisst: In Wartau steht der Bevölkerung nur noch eine Arztpraxis zur Verfügung – jene von Telemachos Hatziisaak. Ein grosser Teil der bisherigen Patienten von Werner Sulser werden künftig von der Gemeinschaftspraxis Telemachos Hatziisaak und Joachim Hofer (ab Februar) betreut. Andere werden sich ausserhalb der Gemeinde orientieren müssen – sei es im Sarganserland oder in der Region Werdenberg.

Die beiden Hausärzte bzw. Grundversorger der Gemeinde Wartau, Werner Sulser und Telemachos Hatziisaak, pflegten über all die Jahre hinweg eine kollegiale Zusammenarbeit, für die sich Telemachos Hatziisaak bei Werner Sulser persönlich bedankte. «Du hast die Ära der modernen Hausarztmedizin des ausgehenden 20. Jahrhunderts in unserer Gemeinde in hohem Masse mitgestaltet und geprägt.» «Doktor Sulser», gemeint sind Vater und Sohn Sulser, seien für Hatziisaak’s Vater (seinerzeit ebenfalls Hausarzt in Wartau) ein Synonym der Kollegialität gewesen. Diese Zeit der Hausarztmedizin sei nun endgültig passée, bedauert Kollege Telemachos Hatziisaak. «Die Gründe dafür sind bekannt: Langjähriges Stiefmütterchendasein der Hausarztmedizin in den Fakultäten, geringe Attraktivität der notfalldienstbefrachteten Grundversorgung, viel zu wenig Ausbildungsplätze in der Humanmedizin», sagt er im Gespräch mit dem W&O.

Weniger Hausärzte heisst weniger Patientenbezug

Was augenscheinlich vergessen werde, dass der Hausarzt seine Patienten mit allen Ecken und Kanten kennt. «Wenn ein bestimmter Patient zu mir kommt und sagt, er habe Rückenprobleme, weiss ich, dass die Ursache bei seinen Eheproblemen liegt.» Damit verdeutlichte Werner Sulser die Wichtigkeit einer langjährigen Beziehung mit seinen Patienten. Das zeige auch, dass «wir Hausärzte über eine vielfache, ausgedehnte Anamnesemöglichkeit verfügen, die einem Arzt in der Ambulanz schlichtweg fehlt.»

Im Gespräch berichtete Werner Sulser über bewegende Momente, die er in den letzten Tagen und Wochen erleben durfte. Es ist ihm bewusst, dass er nun einen neuen Lebensabschnitt beschreitet. Die Worte seines Kollegen Telemachos Hatziisaak hätten ihn sehr berührt. Insbesondere deswegen, weil Telemachos Hatziisaak ihm versicherte, im Gespräch mit den vielen «neuen» Patienten die erfahrene Kollegialität und den gegenseitigen Respekt widerzuspiegeln. Besonders gefreut hat ihn auch die wunderschöne Naturbank, die ihm zu Ehren von der Gemeinde Wartau und der Spitex an einem Wanderweg oberhalb von Azmoos mit schöner Aussicht aufgestellt wurde.

Viele seiner Patienten haben Werner Sulser in den letzten Tagen und Wochen als Dankeschön symbolische Geschenke überreicht, die ihn überwältigten. Besondere Anerkennung bekam er von den vielen Menschen ausländischer Herkunft – Menschen, die hier neue Wurzeln fanden und die medizinische Unterstützung wertschätzten.

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