Abwärts über Stock und Stein

Andreas Fluck gehört zu jener raren Spezies, die liebend gerne mit dem Einrad abwärts fahren – oder Hindernisse unterschiedlicher Art überwinden. Heute fährt er seltener und nur noch wenige verrückte Strecken.

Hanspeter Thurnherr
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Treppenstufen locken Einradfahrer wie Andreas Fluck heraus. Hier bereitet er sich auf einen Sprung vor. (Bild: Hanspeter Thurnherr)

Treppenstufen locken Einradfahrer wie Andreas Fluck heraus. Hier bereitet er sich auf einen Sprung vor. (Bild: Hanspeter Thurnherr)

RÄFIS. «Mit dem Einrad fährt nicht jedermann, obwohl die Begeisterung für dieses Freizeitgerät in den letzten Jahren stark zugenommen hat», sagt Andreas Fluck. Der jetzt in Räfis lebende Burgerauer war spätestens von jenem Moment an vom Einradfahren richtig angetan, als er sah, was man alles damit machen kann: Bergabfahren, in Städten und Dörfern Treppen hinunterspringen, Bänke überspringen, über Europaletten-Hindernisse fahren und anderes mehr. «Dass man mit dem Einrad üblicherweise ähnliche Figuren in der Gruppe fährt wie Kunstradfahrer, war nicht das, was ich suchte», sagt Andreas Fluck.

Jugendzirkus als Einstieg

Andreas Fluck besuchte ab der vierten Primarklasse bis in die dritte Oberstufe den Jugendzirkus des Kompetenzzentrums Jugend Werdenberg (KOJ). Hier bei dessen Leiter Markus Büchel lernte er verschiedenen Jonglagen, Akrobatik und Kunststücke am Trapez. «Ein Kollege hat mich seinerzeit dorthin mitgenommen. Es hat mich von Anfang an gepackt.» Genossen hat er auch die verschiedenen kleinen Auftritte, welche der Jugendzirkus in der Region machen durfte.

«Eines Tages hat Markus Büchel ein solches Einrad mit den speziellen dicken Reifen mitgebracht. Mit dem Gefährt hüpfen und ähnliche Kunststücke haben mich noch mehr gereizt», erzählt Fluck. Dann kam die Idee auf, mit den Einrädern Bergabfahrten auf Wander- und Bikewegen auszuprobieren. Erste Touren machte die Gruppe um Markus Büchel auf der einfachen Strecke am Buchserberg.

Es folgten weitere Strecken, unter anderem auf der Gaflei, wo gemäss Andreas Fluck viele Varianten zur Verfügung stehen, und in Heiligkreuz. Sogar am Bike Attack am Rothorn in Lenzerheide, dem ultimativen Bikerennen für Downhiller, nahm Andreas Fluck mit drei seiner Kameraden teil. «Wir starteten natürlich ausser Konkurrenz und ganz zuletzt, um niemanden zu behindern. Denn mit unseren Starrlaufrädern können wir niemals mit den Bikern mithalten.»

Immer verrücktere Ziele

Immer verrücktere Ziele nahm sich das halbe Dutzend Einradfahrer aus unserer Region vor. Zum Beispiel die Stauberen: «Hier kamen wir von der Steilheit des Geländes her an die Grenzen.» Auch am «124 Davos» nahmen drei seiner Kameraden teil – und ernteten von den vielen Zuschauern grosses Staunen. Denn während 24 Stunden einen Bergauf-und-Bergab-Parcours durch Wald und über Wiesen zu fahren, ist schon für Mountainbikefahrer eine extreme Herausforderung. Unvorstellbar schien dies bis zu jenem Wochenende für Einradfahrer.

Andreas Fluck entschied sich schliesslich, auszusteigen. Heute fährt er nur noch gelegentlich, auch weil der gelernte Schreiner in der Freizeit für sich an neuen Möbeln arbeitet. Zudem ist er im Turnverein Buchs aktiv. Doch ganz an den berühmten Nagel hat er sein Einrad nicht gehängt, «denn es reizt mich immer noch.»

Von «Elsbet» angetan

Nach den Höhepunkten gefragt, fällt sofort das Stichwort «Elsbet». Das «Einzigartige Liechtensteinisch-Schweizerische Berg-Einrad-Treffen». Einradfahrer aus verschiedenen Ländern trafen sich bei fünf Austragungen, um gemeinsam Trails in unserer Region zu befahren. In bester Erinnerung ist Andreas Fluck auch die Eröffnungsshow der Kleinstaaten-Olympiade in Liechtenstein, an der die Einradfahrer mitwirken durften. Seine Lieblingsstrecken sind nach wie vor der Buchserberg und die Gaflei. Beide sind mit dem Bus erreichbar, viele andere mit den Bahnen. Der Vorteil gegenüber den Bike-Downhillern: Das Einrad zählt gesetzlich als Spielzeug, nicht als Fahrzeug. «Wer aber einzigartige Strecken befahren will, muss halt manchmal das Einrad buckeln oder auf den Rucksack schnallen», schliesst Andreas Fluck.

Bild: HANSPETER THURNHERR

Bild: HANSPETER THURNHERR