300 Jahre lang unter dem Verputz

Während Sanierungsarbeiten wurden im Schloss Werdenberg bedeutende Ornamente an Wänden entdeckt. Seit kurzem werden diese nun freigelegt. Die Ausmasse des Fundes können noch nicht abgeschätzt werden.

Armando Bianco
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Präzis und mit ruhiger Hand arbeitet die Restauratorin mit dem «Hummel» genannten Werkzeug an der Freilegung eines Ornaments im Schloss. (Bild: Armando Bianco)

Präzis und mit ruhiger Hand arbeitet die Restauratorin mit dem «Hummel» genannten Werkzeug an der Freilegung eines Ornaments im Schloss. (Bild: Armando Bianco)

GRABS. Es ist einem Zufall geschuldet, dass die lange Geschichte von Schloss Werdenberg jetzt um ein bedeutendes Kapitel reicher ist. Bei Sanierungsarbeiten im vergangenen Jahr wurden in der Landvogtstube Ornamente entdeckt, welche aus der Zeit um 1700 stammen dürften.

Während der Demontage einer Holzdecke löste ein Restaurator versehentlich (man könnte auch sagen zum Glück) ein kleines Stück Wandverputz ab – darunter schimmerten schwach die üppigen Malereien aus einer reichen und herrschaftlichen Zeit. Dass der Fund bedeutend ist, musste man den Verantwortlichen auf Schloss Werdenberg nicht sagen, sie schalteten umgehend das kantonale Amt für Denkmalpflege ein. «Abgesehen von der Bearbeitung einer Sondierungsfläche wurden vorerst jedoch keine weiteren Schritte unternommen», sagt Thomas Gnägi, Leiter der Museen Werdenberg, im Gespräch mit dem W&O. Ein Jahr später war ein Projekt ausgearbeitet. Die Ornamente, welche in mühseliger, ja schon fast liebevoller Kleinstarbeit nun seit wenigen Tagen von Fachpersonen freigelegt werden, bestehen aus vielen Schriftzügen und Wappen.

Die «Hummel» summt

Es ist ein einsamer Arbeitsplatz in den riesigen Gemäuern, und ein kalter dazu, den die Restauratoren auf dem Schloss derzeit haben. Die Stille in der Landvogtstube wird zuweilen vom Lärm eines Kompressors durchbrochen. Mit dem scharfen Skalpell und der summenden «Hummel» – eine Art Luftdruckstift – wird fein säuberlich die jahrhundertealte Verputzschicht von der Wand gelöst. Präzision, Ruhe und ein geschultes Auge sind dabei gefragt, denn was während Jahrhunderten standgehalten und grosse Bedeutung hat, soll keinesfalls in Sekunden zerstört werden. Was freigelegt ist, wird anschliessend gefestigt, allen voran die Farbe, punktuell werden auch Strukturen korrigiert. Hier kommt zum Vorschein, was eine halbe Ewigkeit im Verborgenen gelegen hat, von dem Generationen zuvor nichts wissen konnten, manchmal erst recht nicht wissen wollten.

Finanzierung als Knackpunkt

Der Teil der bisher freigelegten Ornamente dürfte nur ein bescheidener Ausschnitt von dem sein, was sich unter dem Verputz in diesem Raum (und vielleicht auch in anderen Räumen des Schlosses) allem Anschein nach noch verbergen könnte.

Ob und wann man das gesamte Werk zu Gesicht bekommen wird, hängt von der Finanzierung ab. Die Arbeiten können nur weitergeführt werden, solange Geld dazu vorhanden ist. «Wir hoffen hier natürlich auf Unterstützung von öffentlicher und privater Seite, um diesen bedeutenden Fund dereinst komplett freilegen zu können», so Thomas Gnägi weiter. Der Kanton will sich mit 15 000 Franken beteiligen, falls ein gleicher Betrag von anderer Seite zugesagt wird. Vorabklärungen haben ergeben, dass der Verein Freunde Schloss Werdenberg nicht abgeneigt wäre, hier mitzumachen. So könnte der Verputz in der Landvogtstube Stück für Stück weiter abbröckeln.

Preziosen werden gezeigt

Die durch den Fund ausgelöste Neuschreibung der Geschichte von Schloss Werdenberg ist für Museumsleiter Thomas Gnägi nur Teil eines langen Prozesses, der immer neue Überraschungen in sich bergen kann. «Es gibt hier noch viele weitere historische Dinge zu entdecken. Dadurch wird immer wieder bereits Bekanntes neu betrachtet». Im Ansatz beschäftigt sich damit auch das Hauptthema im Jahr 2016, das «Häutungen» heisst. Thomas Gnägi verspricht in der kommenden Sonderausstellung auf Schloss Werdenberg einige Preziosen, die man unlängst entdeckt und erforscht hat.

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