10 Jahre gemeinsamer Aufbau für eine nachhaltige Kinderbetreuung

REGION. «In Zürich gibt es seit über 100 Jahren Kindertagesstätten», sagt Jeanette Mösli, Präsidentin der Interessengemeinschaft Kinderbetreuung Werdenberg-Sarganserland-Liechtenstein.

Katharina Rutz
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Seit zehn Jahren engagiert sich eine Interessengruppe für die Kinderbetreuung in der Region. (Bild: pd)

Seit zehn Jahren engagiert sich eine Interessengruppe für die Kinderbetreuung in der Region. (Bild: pd)

REGION. «In Zürich gibt es seit über 100 Jahren Kindertagesstätten», sagt Jeanette Mösli, Präsidentin der Interessengemeinschaft Kinderbetreuung Werdenberg-Sarganserland-Liechtenstein. Laut einem Artikel des «Tages-Anzeigers» gründete beispielsweise der Gemeinnützige Frauenverein Zürich im Jahr 1906 die Kita 1, «weil um die Jahrhundertwende immer mehr Arbeiterfrauen mitverdienen mussten, und die Kinder in den Gassen zu verwahrlosen drohten».

Die älteste Kita im Werdenberg, das «Chinderhus Schatzchischta», entstand vor 22 Jahren in Buchs. Sie wurde durch den Tagesfamilienverein initiiert. Im Fürstentum Liechtenstein gab es sogar schon früher die erste Kita. Der erste das ganze Jahr über geöffnete Schülerhort mit einer Tagesbetreuung für schulpflichtige Kinder gründete im Jahr 2007 der Verein Kinderbetreuung Grabs-Gams-Sennwald in Zusammenarbeit mit der öffentlichen Hand.

Pionierarbeit geleistet

Vor zehn Jahren also war es noch Pionierarbeit, ein strukturiertes Betreuungsangebot für Kinder zu schaffen. «Wir hatten damals gemerkt, dass wir alle die gleichen Fragen hatten. Wir mussten von Grund auf Konzepte erstellen und die Zusammenarbeit mit den Gemeinden und der Wirtschaft suchen», erinnert sich Jeanette Mösli. Auch in der Öffentlichkeit musste zuerst ein Bewusstsein für das Thema der Vereinbarkeit von Familie und Beruf geschaffen werden. Deshalb beschlossen die damals bestehenden Trägerschaften, sich zur Interessengemeinschaft Kinderbetreuung zusammenzuschliessen und gemeinsam aufzutreten. So konnten Erfahrungen und Konzepte ausgetauscht werden, und man konnte gegenüber den anderen Anspruchsgruppen gemeinsam auftreten.

Vor zehn Jahren vereinte die IG Kinderbetreuung in der Region Werdenberg-Sarganserland noch insgesamt 48 Kinder im Vorschulalter, verteilt auf vier Gruppen. Seit damals kamen im Werdenberg und Sarganserland 108 Plätze für Kinder im Vorschulalter hinzu. Das Betreuungsangebot für Schulkinder wurde ebenfalls laufend ausgebaut.

Die Wirtschaft mit im Boot

Mit namhaften Firmen der Region konnten Leistungsvereinbarungen abgeschlossen werden. Diese Firmen reservierten Plätze bei einer bestimmten Tagesstätte, die Eltern konnten dann aber zwischen verschiedenen Kitas wählen. Die Beiträge wurden dann über die IG Kinderbetreuung unter den einzelnen Vereinen abgerechnet. Diese Lösung führte dann schliesslich beispielsweise zum Aufbau der firmeneigenen Tagesstätte bei Hilty. Auch die Raiffeisenbank Werdenberg oder Oerlikon Balzers haben heute Leistungsvereinbarungen mit den regionalen Kindertagesstätten.

Heute sind viele Aufgaben der IG noch die gleichen geblieben. «Hinzu kommt allerdings, den in den letzten Jahren stattgefunden enormen Aufbau zusammen mit der öffentlichen Hand und den Wirtschaftsvertretern nachhaltig zu sichern», sagt Jeanette Mösli. Dazu gehört beispielsweise auch eine nachhaltige Finanzierung. «Heute müssen wir mit den Gemeinden die Leistungsvereinbarungen immer wieder neu aushandeln. Es wäre schön, wenn wir hier eine langfristige Lösung finden könnten», so Mösli. Die Kindertagesstätten finanzieren sich zwar zum grössten Teil aus den Elternbeiträgen, jedoch tragen auch die Gemeinden und bestimmte Unternehmen massgeblich zur Finanzierung bei.

Zwar konnten die Wartelisten bei der Betreuung von Vorschulkindern grösstenteils abgebaut werden, und auch die Listen bei den Schülerhorten sind kürzer geworden, doch wird der Bedarf dennoch weiter steigen. Davon ist auch Jeanette Mösli überzeugt. «Gerade deshalb ist die nachhaltige Finanzierung auch so wichtig», sagt sie.

Wichtige Integrationsaufgabe

Denn in Zukunft werde es noch eine grössere Rolle in unserer Gesellschaft spielen, wie die Familie und der Beruf unter einen Hut zu bringen ist, ist Jeanette Mösli überzeugt. Die Frage sei einzig, ob es weiterhin mehr private Trägerschaften sind oder ob vermehrt die öffentliche Hand die Plätze für die Kinderbetreuung anbieten wird. «Die Kindertagesstätten werden aber auf jeden Fall wichtig bleiben. Wichtig für Unternehmen, die Fachleute finden müssen und auf gut ausgebildete Frauen angewiesen sein werden. Wichtig aber auch für die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund», sagt sie.