Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

WERDENBERG: Frau wollte Ehemann töten lassen

Eine 37-jährige Italienerin versuchte zwei Detektive dazu anzustiften, ihren untreuen Ehemann zu ermorden. Das Kreisgericht hat die Frau zu vier Jahren Gefängnis verurteilt und des Landes verwiesen.
Reinhold Meier

Reinhold Meier

ostschweiz@tagblatt.ch

Wut und Eifersucht liessen offenbar alle Hemmungen fallen. «Sie wollte ihren Ehemann tot sehen», so die Anklage vor Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland. Der Mann war zuvor ausgezogen, weil er eine neue Freundin hatte. So sei der Traum vom Glück mit Familie und Heim geplatzt, obschon die Täterin über Jahre als Putzkraft dafür gekrampft hatte. Ihre Liebe ging so weit, dass sie für den Gatten jeweils um drei Uhr aufstand, ihm alles parat machte und ihm beim Kochen ein besseres Fleisch zubereitete als sich selbst.

Das alles habe er kaputt gemacht. «Sie fühlte sich gedemütigt und konnte nicht ertragen, dass er sich mit einer anderen ein schönes Leben machte», sagte die Staatsanwältin. Darum habe sie zwei Detektive zur Ermordung ihrer enttäuschten Liebe anheuern wollen – aus Egoismus, Bestrafungssucht, Rache und Hilflosigkeit. «Ihre Welt brach zusammen.» Gleichwohl wiege das Delikt schwer, so die Staatsanwältin. Es zeuge von Heimtücke und hoher krimineller Energie. «Sie hat ihre Absicht hartnäckig verfolgt, und andere sollten die Drecksarbeit machen.»

Verteidigung will Freispruch

Die Anklage kritisierte ein Gutachten, das der Frau eine schwere Depression attestiert hatte. «Bedingte Steuerungsfähigkeit, eingeengtes Denken und Umwandlung der Suizidgefahr in Fremdaggression», hiess es da. «Diese Einschätzung stützt sich aber zu sehr auf die Aussagen der Frau», monierte die Anklage. Sie forderte fünf Jahre und neun Monate Haft, dazu einen Landesverweis von zehn Jahren. Die Verteidigung verlangte hingegen Freispruch, höchstens jedoch eine Verurteilung wegen versuchter Anstiftung zum Totschlag, dies bei einem Strafmass von zwei Jahren Haft. «Die Frau war Opfer der stets zelebrierten Macht des Mannes.» Als dann ihr Lebenstraum platzte, habe die Frau die Kontrolle verloren. «Sie konnte die Frustration nicht mehr abbauen», erklärte die Verteidigung. Unter Alkohol und Psychopharmaka sei ihr das Leben entglitten, bis sie die dilettantische Tötungsidee gefasst habe. «Ein absolut untauglicher Versuch, der gar nicht funktionieren konnte.»

Eine gewisse Rolle in dem so dramatisch wie tragisch eskalierten Ehezwist spielte auch Geld. So hatte der Mann nach einem Unfall 320000 Franken erhalten, die Summe aber mit Glücksspiel durchgebracht. Die Frau hatte nach Jahren 250000 Franken auf die Seite gelegt. Heute sind sie weg, und es blieb unklar, wer daran schuld ist. Der Mann forderte zudem eine Genugtuung von 15000 Franken für seine Unbill. «Ich habe Alpträume.» Nur schon die Vorstellung, dass seine Frau frei käme, bereite ihm Angst. Er hoffe auf eine lange Haft, meinte der Mann: «Ich kann nur in Ruhe gesunden.»

Die Frau hatte sich im Verfahren stets geständig, reuig und kooperativ gezeigt. «Es war alles ein grosser Fehler, für den ich um Entschuldigung bitte», betonte sie vor Gericht. Zuvor hatte sie, in Fussfesseln, zerbrechlich und erschöpft wirkend, oft den Tränen nahe, von ihrer damaligen Verzweiflung berichtet.

«Ausnahmesituation berücksichtigt»

Das Kreisgericht verurteilte die Frau schliesslich wegen mehrfacher versuchter Anstiftung zum Mord. Trennungen gebe es täglich, hiess es. «Wenn man aus diesem Grund Rache üben und jemanden töten will, ist das verwerflich, das geht einfach nicht.» Im Strafmass blieb die Kammer jedoch unter dem Antrag der Anklage. «Wir haben die Ausnahmesituation höher gewichtet.» Die Einsicht in die eigenen Handlungen sei eingeengt gewesen, hiess es sinngemäss.

Auch ein Landesverweis wurde ausgesprochen, weil die Frau zu wenig integriert und somit kein Härtefall sei. Die Dauer beträgt fünf Jahre. Die Genugtuungsforderung des Mannes wies das Gericht ab, weil von der Frau seit der Verhaftung keine Gefahr ausgehe. Für allfällige Schadensersatzforderungen wurde der Mann auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. Wegen des Schuldspruchs bleiben auch die Verfahrenskosten in Höhe von 68500 Franken bei der Verurteilten hängen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.