Wer will die Melander-Farm?

Hans Raabs Melander-Fischfarm in Oberriet sorgte jahrelang für Streit. Ein Jahr nach dem Tod des Unternehmers wird sie nun verkauft. Und es gibt erste Interessenten.

Daniel Walt
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In der Melander-Farm wurden während rund dreier Jahre Fische gezüchtet. (Bild: Urs Jaudas)

In der Melander-Farm wurden während rund dreier Jahre Fische gezüchtet. (Bild: Urs Jaudas)

OBERRIET. 40 Millionen Franken nahm der deutsche Unternehmer Hans Raab in die Hand, um seine Melander-Fischfarm in Oberriet aus dem Boden zu stampfen. Nach der Eröffnung im Frühling 2008 sollte es nicht lange dauern, bis der Betrieb und sein Besitzer in die Schlagzeilen gerieten. So erachtete der Kanton die von Raab gewählte Fisch-Tötungsmethode als illegal. Zudem fehlte dem Deutschen die nötige Wildtier-Haltebewilligung. Nachdem Raab die Anlage im März 2011 auf Druck der Behörden schloss und eineinhalb Jahre später verstarb, wird die Farm inklusive aller Anlagen für die Aufzucht, die Verarbeitung und den Absatz der Fische nun verkauft.

«Die spezielle Vorgeschichte der Melander-Farm kann auf Interessenten abschreckend wirken», ist sich Patrick Kranz bewusst. Er ist Geschäftsführer der Axalo AG aus Vaduz, die mit dem Verkauf von Hans Raabs Fischfarm betraut ist. Eine weitere Herausforderung: Es handelt sich um eine für eine Fischzucht ungewöhnlich grosse Anlage. Die Gebäudefläche betrage über 11 000 Quadratmeter, was rund 40 Tennisplätzen entspreche, so Kranz. «Zudem war die Anlage nie vollständig in Betrieb, sie wurde immer nur teilweise genutzt.»

Fischzucht soll weitergehen

Trotz alledem ist es der Wunsch der bisherigen Eigentümer, dass in den Gebäuden weiterhin Fische gezüchtet werden. Ein neuer Besitzer soll die Möglichkeit erhalten, «an das von Hans Raab initiierte, zukunftweisende Projekt anzuknüpfen», wie sie mitteilen. Patrick Kranz betont, die Gebäude seien für den Betrieb einer Melander-Farm prädestiniert. Mit gewissen Anpassungen könnten dort aber auch andere Fische oder Schalentiere gezüchtet werden.

Umnutzung denkbar

«Die Zeit wird zeigen, ob es auf dem Markt ein genügend grosses Interesse gibt, in Oberriet weiter eine Fischfarm zu betreiben», sagt Patrick Kranz. Ist dem nicht so, sind auch andere Nutzungen denkbar. Mögliche Käufer gibt es bereits: Schon als die Wogen um Hans Raabs Betrieb im Frühling 2009 hochgingen, bekundeten mehrere Personen ihr Interesse an einem Kauf der Liegenschaft. Einige haben es laut Patrick Kranz bis heute nicht verloren – andere kamen dazu. «Es gibt sowohl Personen, welche die Fischfarm weiterbetreiben wollen als auch solche, die andere Ideen verfolgen», sagt Kranz, der keine weiteren Details verraten will. Kein Thema ist laut Kranz die Möglichkeit, aus der Melander-Fischfarm ein Thermalbad zu machen. Hans Raabs Berater hatte diese Idee vor drei Jahren ins Spiel gebracht, weil auf dem Areal 30 Grad warmes, qualitativ hochwertiges Wasser aus der Tiefe gefördert wurde, um die Fischbecken zu füllen. Patrick Kranz informiert nun aber: «Bisher gibt es keinen Interessenten, der so etwas realisieren möchte.»

Verkauf nächstes Jahr als Ziel

Rolf Huber, Gemeindepräsident von Oberriet, ist froh, dass nun Bewegung in die Situation rund um die Melander-Farm kommt. «Es ist immer schlecht, wenn Industrieland bebaut ist, die entsprechenden Gebäude aber nicht genutzt werden.» Er fände es sinnvoll, wenn dort weiterhin Fische gezüchtet würden: «Funktioniert ein entsprechender Betrieb reibungslos, wären die Negativschlagzeilen rasch vergessen», hält er fest. Dass sich bisher keine Interessenten gemeldet haben, die aus der Melander-Farm ein Thermalbad machen wollen, ist durchaus im Sinne Hubers: «Bei allen Bädern stellt sich die Finanzierungsfrage. Zudem wäre der Standort im Industriegebiet kaum ideal, und es gäbe möglicherweise eine Übersättigung in der Region», sagt er.

Wie viel jemand auf den Tisch legen muss, der die Melander-Farm von Hans Raab kaufen will, sagt Patrick Kranz nicht. «Der Preis ist Gegenstand der Gespräche mit den Interessenten», hält er fest. Klar ist so viel: Der Verkauf der seit langem brachliegenden Liegenschaft soll zügig über die Bühne gehen. «Wenn möglich wollen wir das Geschäft nächstes Jahr abschliessen können», sagt Kranz.