Wer übernimmt von Nicolo Paganini die Leitung der Olma-Messen? Diese Voraussetzungen muss er oder sie erfüllen

In Kürze steht fest, wer die Leitung der Olma-Messen übernimmt. Was er oder sie können muss, ist jetzt schon klar.

Andri Rostetter
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Zwischen Tradition und Moderne: Bundesrätin Doris Leuthard an der Olma 2010.

Zwischen Tradition und Moderne: Bundesrätin Doris Leuthard an der Olma 2010.

Bild: Coralie Wenger
Der abtretende Olma-Messen-Direktor Nicolo Paganini.

Der abtretende Olma-Messen-Direktor Nicolo Paganini.

Bild: Urs Bucher

Ab Juni stehen die Olma-Messen unter neuer Leitung. Direktor Nicolo Paganini verlässt das Unternehmen nach neun Jahren. Paganini hatte seinen Rücktritt im November bekanntgegeben, wenige Wochen nach seiner Wiederwahl als CVP-Nationalrat.

Dem Olma-Verwaltungsrat blieb damit ein halbes Jahr, um den Posten neu zu besetzen. Das Auswahlverfahren ist schon so weit fortgeschritten, dass der Name der Nachfolgerin oder des Nachfolgers bereits bis Ende März bekanntgegeben werden soll, wie Hansjörg Walter, Vizepräsident des Olma-Verwaltungsrats, auf Anfrage sagt. «Wir hatten sehr viele und sehr gute Bewerbungen.»

Hansjörg Walter, Vizepräsident des Olma-Verwaltungsrats.

Hansjörg Walter, Vizepräsident des Olma-Verwaltungsrats.

Bild: Gaetan Bally/Keystone

Eine ganze Liste von Anforderungen

Wer ist darunter? Namen aus der Politik, der Privatwirtschaft? Thomas Kirchhofer, Direktor von St.Gallen-Bodensee Tourismus?

Thomas Kirchhofer, Direktor von St.Gallen-Bodensee-Tourismus.

Thomas Kirchhofer, Direktor von St.Gallen-Bodensee-Tourismus.

Bild: Mareycke Frehner

Christine Bolt, ehemalige Toggenburger Tourismusdirektorin, Fast-Regierungsratskandidatin und Leiterin der Tagblatt-Medien?

Christine Bolt, Fast-Regierungsratskandidatin und Leiterin der Tagblatt-Medien.

Christine Bolt, Fast-Regierungsratskandidatin und Leiterin der Tagblatt-Medien.

Bild: Mareycke Frehner

Oder doch jemand aus der aktuellen Olma-Geschäftsleitung? Zum Beispiel die Abteilungsleiterin der Publikumsmessen, Katrin Meyerhans?

Katrin Meyerhans, Abteilungsleiterin der Publikumsmessen.

Katrin Meyerhans, Abteilungsleiterin der Publikumsmessen.

Bild: Thi My Lien Nguyen

Wer über mögliche Kandidaten oder Kandidatinnen spekulieren will, ist beim Verwaltungsratsvize erwartungsgemäss an der falschen Adresse. Walter zeigt aber auf, welche Fähigkeiten der Olma-Direktor (oder, was eine Premiere wäre, die Olma-Direktorin) mitbringen soll.

«Diese Person muss breit abgestützt und stark in der Kommunikation sein. Zudem soll sie zwischen Tradition und Moderne positioniert sein.» Das ist aber längst nicht alles. Wer sich in der Messebranche umhört, kommt auf eine ganze Liste von Anforderungen. Ein Olma-Direktor muss umfassendes ökonomisches Verständnis mitbringen, selbstverständlich Führungserfahrung, bestenfalls mit tiefgreifenden Kenntnissen des Messewesens. Und er muss politisch beschlagen sein, ein begnadeter Netzwerker und Brückenbauer, empathisch, ein durchsetzungs- und nervenstarker Verhandler und Krisenmanager.

Der erste Olma-Direktor war Architekt

Denn hier geht es um 80 Mitarbeitende, 140 Veranstaltungen mit insgesamt 740'000 Besuchern und 30 Millionen Franken Umsatz pro Jahr. Das war nicht immer so. Der erste Olma-Direktor Erwin Schenker war Architekt. Er führte die Renovation der St.Galler Kathedrale durch, wurde Stadtbaumeister. In dieser Funktion wirkte er ab 1941 an den beiden «Kriegswirtschaftlichen Ausstellungen» mit, aus denen später 1943 die Olma hervorging. Sein Nachfolger Bruno Meyer wurde 1964 direkt vom Direktorenposten der Publizitätsstelle der schweizerischen Baumwoll- und Stickereiindustrie ins Olma-Direktorium gewählt.

1969 folgte Robert Osterwalder, zuletzt Direktor der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft und Sekretär der Verkehrsvereine von Stadt und Kanton Schaffhausen. 1978 kam Kurt Leu, Direktor von Coop Lausanne, 1983 René Käppeli, Ausbildungsleiter der Globus-Warenhäuser. Ein Sonderfall war Käppelis Nachfolger Hanspeter Egli. Der gebürtige Luzerner, ein gelernter Landwirt und Agronom, war Direktor des Milchverbands St.Gallen-Appenzell, der die «Bauernstube» in der Tonhalle führte. 1993 wurde Egli in den Olma-Verwaltungsrat gewählt, 2001 wechselte er auf die Direktorenstelle. Egli sei «mehr hemdsärmeliger Viehhändler denn gewiefter Marketingfachmann» gewesen, schrieb diese Zeitung, als Egli in Pension ging.

Umwälzungen in der Messelandschaft

Mit Paganini kam eine neue Generation in die Olma-Führungsetage. Mit gerade einmal 45 Jahren war er bereits Thurgauer Alt-Kantonsrat, Ex-Geschäftsleitungsmitglied einer Weinkellerei, Ex-Kadermann der St.Galler Kantonalbank, Leiter Amt für Wirtschaft des Kantons St.Gallen und brachte zwei Studienabschlüsse mit – ein Hinweis darauf, wie anspruchsvoll der Olma-Direktorenjob schon vor Jahren geworden war.

Hinweise darauf, was der neue Direktor können muss, liefern auch die jüngsten Umwälzungen in der Schweizer Messelandschaft. Die Publikumsmessen geraten zunehmend unter Druck. Die Gründe dafür reichen vom veränderten Konsum- und Freizeitverhalten bis zur Digitalisierung. Die Mustermesse Basel (Muba) zählte in den besten Jahren mehr als eine Million Besucher, zuletzt waren es noch 124'000. 2019 fand die Muba nach 103 Jahren zum letzten Mal statt. Auch die Olma erlebte mehrere Besucherrückgänge in Folge – allerdings nie so drastisch wie andere Messen. Als Unternehmen sind die Olma-Messen ohnehin kerngesund, die Zahlen sind Jahr für Jahr im grünen Bereich. Ein Spaziergang wird es für den neuen Direktor, die neue Direktorin dennoch nicht. Ein Kenner sagt:

«Olma-Direktor, das bedeutet permanenter Krisenmodus.»
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