Wer hustet, kann sich testen lassen: Ab Montag werden im Kanton St.Gallen mehr Coronatests durchgeführt

Dadurch sollen Ansteckungsketten rückverfolgt und unterbrochen werden können. St.Gallen hat sich ausserdem als Pilotkanton für eine Contact-Tracing-App des BAG angeboten.

Adrian Lemmenmeier
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Mitarbeiter von Polizei, Spitex oder Heimen können sich direkt in einem Konsultationszentrum auf das Coronavirus testen lassen.

Mitarbeiter von Polizei, Spitex oder Heimen können sich direkt in einem Konsultationszentrum auf das Coronavirus testen lassen.

Bild: Nik Roth

Wer Fieber oder Husten hatte, wurde bis anhin angehalten, zu Hause zu bleiben. Ob sie an Covid-19 erkrankt waren oder nur eine Erkältung hatten, darüber hatten gerade junge Leute bisher keine Gewissheit. Denn auf das Coronavirus getestet wurde in der Regel, wer einer Risikogruppe angehörte oder im Gesundheitswesen arbeitete. Das ändert sich jetzt. Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt unter anderem, dass sich neu alle Personen testen lassen, die folgende Symptome zeigen: Husten, Halsweh, Kurzatmigkeit, Fieber, Muskelschmerzen oder Verlust des Geruchs- oder Geschmacksinns. Wie wird die Strategie im Kanton St.Gallen umgesetzt? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wo werden die Tests durchgeführt?

Die Tests werden gemäss Gesundheitsdepartement wie bisher primär in den Arztpraxen durchgeführt. Die Ärztinnen und Ärzte können die Patienten aber auch den Corona-Konsultationszentren zuweisen. Zudem können sich Mitarbeitende der Polizei, der Spitex und Heime, die Symptome haben, über eine Anmeldung des Arbeitgebers auch in den Konsultationszentren testen lassen. So will der Kanton sicherstellen, dass die Arztpraxen immer genügend Kapazität haben und die Betroffenen schnell untersucht werden können. Das neue Testregime gilt ab Montag.

Weshalb wir mehr getestet?

Zum einen können positiv getestete Personen isoliert werden. Personen, mit denen sie Kontakt hatten, sollen identifiziert und unter Quarantäne gestellt werden. Dieses Vorgehen soll auch in Spitälern sowie Alters- und Pflegeheimen angewendet werden. So lässt sich die Ausbreitung des Virus in der Bevölkerung beobachten und die Ansteckungsketten lassen sich gezielt unterbrechen. Auch soll erreicht werden, dass nur jene Personen isoliert werden müssen, die tatsächlich eine Covid-19-Infektion haben.

Ein Drittel der Corona-Toten starb in einem Heim

Am Mittwoch wurden im Kanton St. Gallen sechs neue Coronafälle gezählt. Insgesamt sind 724 Personen im Kanton infiziert. 52 davon befinden sich im Spital, 6 davon auf der Intensivstation. 162 Personen konnten das Spital mittlerweile wieder verlassen.

Die Anzahl Hospitalisationen hat in den letzten Wochen im Kanton St. Gallen abgenommen, ist in den letzten drei Tagen aber wieder angestiegen. Um daraus einen Trend abzuleiten, sei es zu früh, schreibt das Gesundheitsdepartement. Schwankungen von Erkrankungs- und Hospitalisationszahlen seien bei einer Epidemie normal. Wichtig sei, dass ein exponentieller Anstieg vermieden werde. Deshalb müssten Abstandsregeln und Handhygiene weiterhin strikte eingehalten werden.

Im Kanton St. Gallen sind bis am Mittwoch Abend 30 Personen an Covid-19 gestorben. Über ein Drittel davon – 12 Personen – sind in einem Alters- oder in einem Pflegeheim der Krankheit erlegen. (al)

Ist der Einsatz einer Contact-Tracing-App geplant?

Das BAG evaluiert aktuell den Einsatz einer App. Der Kanton St.Gallen hat sich als Pilotkanton angeboten. Das Gesundheitsdepartement weist aber darauf hin, dass eine solche App ein von Personen durchgeführtes Contact-Tracing nicht ersetzen kann.

Wird neu in Heimen grossflächig getestet?

Gemäss BAG können in Spitälern oder Heimen auch Leute getestet werden, die keine Symp­tome zeigen, um eine Ausbreitung des Virus in einer Institution zu verhindern. Im Kanton St.Gallen wird gemäss Gesundheitsdepartement breiter getestet, wenn auf einer Abteilung mehrere Erkrankungen auftreten. Man könne Infizierte schnell auf eine separate Station verlegen und erkrankte Mitarbeitende in Isolation bringen.

Gibt es mehr Tests, steigen auch die Fallzahlen. Gibt es dazu eine Prognose?

Prognosen zu machen, sei schwierig, heisst es beim Gesundheitsdepartement. Es werde aber zu einem Anstieg kommen. Mit mehr Tests verschaffe man sich Klarheit über die Krankheit, was bei der Bekämpfung des Virus helfe.

Wie viele Tests können im Kanton St.Gallen pro Tag durchgeführt werden?

Die Testkapazität liegt im Kanton St.Gallen bei 3500 Virustests pro Tag. Derzeit wird diese Kapazität ungefähr zur Hälfte ausgeschöpft. Schweizweit hat die Anzahl durchgeführter Tests nach den Massnahmen des Bundesrates stets abgenommen. Vor dem Lockdown wurden täglich 50'000 Tests durchgeführt. Letzte Woche waren es weniger als 30'000.