«Wer Gallus heisst, ist sympathisch»

Das Gallus-Jubiläums-Jahr ist auch das Jahr jener, die so heissen. Jeden Monat stellen wir einen vor. Heute: Gallus Niedermann, der sein Glück in Italien suchte, eine St. Galler Druckerei führt und seine Namensvettern grundsätzlich mag.

Kathrin Reimann
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Gallus Niedermann in seinem Druckereibetrieb in St. Gallen. (Bild: Benjamin Manser)

Gallus Niedermann in seinem Druckereibetrieb in St. Gallen. (Bild: Benjamin Manser)

ST. GALLEN. Die Maschinen rattern in der Niedermann Druck AG im Osten St. Gallens, Technologen in blauen Hosen spachteln Farbe in Maschinen, Polygraphen stecken die Köpfe über Entwürfen zusammen, am Boden stapeln sich bunte Broschüren. 30 Mitarbeiter und ein halbes Dutzend Lehrlinge arbeiten hier mit Herzblut für Akris und Greenpeace, Dior und Ikea oder für das Kulturmagazin Saiten. Geleitet werden sie von Gallus Niedermann, der den Betrieb in dritter Generation führt.

Ersehnter Firmen-Nachfolger

Sein Grossvater hatte die Grundsteine 1925 gelegt. Dass Niedermann den Familienbetrieb weiterführt, ist aber keine Selbstverständlichkeit. «Ich habe gehadert», sagt der 45-Jährige. Obwohl er bereits als Knirps an freien Nachmittagen mitgeholfen habe.

Nach einer Offsetdrucker-Lehre in Goldach begann er ein Studium an der Ingenieur-Schule in Lausanne und brach es nach sechs Monaten wieder ab. «Was ich nie bereut habe, das waren meine Revoluzzer-Jahre.» Als jüngstes Kind mit drei älteren Schwestern habe er den Druck «des ersehnten Nachfolgers» gespürt und wollte sich vom katholischen Elternhaus lösen. «Vor allem wollte ich die Welt sehen.» Seine Eltern liessen ihn – mehr oder weniger gern – ziehen, und Niedermann machte sich auf nach Italien. Dort arbeitete er bei einem Schweizer Bauern, mitten in der Toscana. Die Arbeit im Garten, mit Natur und Tieren und den gastfreundlichen, lebensfreudigen und warmherzigen Dorfbewohnern sagte ihm zu. So sehr, dass er über drei Jahre hinweg in den warmen Monaten immer wieder nach Italien zog und dort anpackte, wo gerade Arbeit anfiel. «Ob als Käser, Bauer, Maurer oder Schreiner – ich habe mir alles selber beigebracht.» Im Winter kehrte er jeweils nach St. Gallen zurück und arbeitete in der Druckerei, führte neuste Technologien ein und entschloss sich, längerfristig zu bleiben und ein Vollzeitstudium in Basel hinter sich zu bringen. «Die anderen Optionen wären in Italien bleiben oder eine Töpfer-Lehre absolvieren gewesen.» Damit wäre er aber auf keinen grünen Zweig gekommen. «Schliesslich wollte ich mit meinem Lohn eine Familie ernähren können», so Niedermann, der nach einem zweijährigen Abstecher in die Zürcher Software-Industrie 1994 schliesslich doch noch in den Familienbetrieb einstieg.

Sohn will auch Drucker werden

Mit seiner Frau und den mittlerweile vier Kindern lebt Niedermann in Mörschwil. Dem Nachwuchs haben er und seine Frau eine offene Freizeit- und Berufswahl ermöglichen wollen und deshalb die Druckerei nie in den Mittelpunkt gerückt. «Der älteste Sohn hat sich aber trotzdem – in vierter Generation – für den Beruf des Drucktechnologen entschieden», sagt er stolz und gerührt zugleich. Anfänglich habe sein Ältester noch Bauer werden wollen, mittlerweile absolviere er die Lehre in Goldach, genau wie er es selbst einst getan habe. Und auch Gallus Niedermanns eigener Vater hilft mit seinen 80 Jahren nach wie vor in der Druckerei mit: «Er beherrscht alles und ist topfit – ein echtes Vorbild.»

Interesse für die Namensvettern

Mit seinem geschichtsträchtigen Namen kommt Gallus Niedermann gut zurecht. «In anderen Städten sorgt dieser für Gesprächsstoff, und in Italien war er ebenfalls von Vorteil.» Seine Namensvetter seien ihm – ohne dass er sie zwingend kennengelernt haben müsse – sympathisch, der Name verbinde. Dass es die Stadt versäumt hat, im Gallus-Jahr einen kleinen Anlass für die Träger des prominenten Namens zu organisieren, findet er denn auch sehr schade. «Es wäre schön gewesen, hätte man sich so finden können», sagt der leidenschaftliche Sänger, der seit 35 Jahren Mitglied der St. Galler Singschule ist. Er interessiere sich sehr dafür, wer sonst noch den Namen trägt. Den Anlässen des Jubiläumsjahrs kann er nur selten beiwohnen. «Denn 2012 könnte das intensivste Jahr meines Lebens werden», sagt er. Vieles komme auf ihn und die Druckerei zu, etwa der Bezug des Neubaus in St. Gallen-Winkeln oder das Vergrössern der Druckerei. Doch das nimmt er gerne auf sich, denn wie auch sein Namensgeber hat er seinen Platz in der Stadt gefunden, engagiert sich für seine Kunden und hält die Werte der Familie und der Firma hoch.

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