Wer erwischt wird, fliegt aus dem Verband

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Metzgereien «Jeder Franken, für den Fleisch in die Schweiz geschmuggelt wird, tut weh», sagt Lothar Ziegler, Präsident des Fleischverbandes St. Gallen-Liechtenstein. Er kennt Metzgereien und Verbandskollegen, deren Lage aufgrund des zunehmenden Einkaufstourismus ohnehin schon dramatisch ist – die illegale Einfuhr von Fleisch aus dem Ausland verschärft die Situation laut Ziegler zusätzlich.

Dass auch hiesige Metzger unter den Schmugglern sind, glaubt Ziegler kaum. Jedoch sei auch ein gewisser Reiz vorhanden, mehr Gewinn zu erzielen. «Eine Garantie, dass sich dazu niemand verleiten lässt, gibt es nicht. Jeder, der Fleisch illegal einführt, muss sich aber bewusst sein, welche geschäftlichen und privaten Konsequenzen dies zur Folge hätte.» Ziegler sieht es nicht als Aufgabe seines Verbandes, Prävention zu betreiben: «Jeder muss selbst wissen, dass er Illegales tut, wenn er Fleisch schmuggelt.»

Werner Herrmann, Präsident des ­Regionalen Metzgermeisterverbandes Thurgau, spricht von Betrieben, die wegen des Einkaufstourismus beziehungsweise Schmuggels von Fleisch bis zu 20 Prozent weniger Umsatz machen. Wenn Schmuggelfälle auffliegen, sind laut Herrmann zumeist Nichtverbandsmitglieder betroffen – «ansonsten käme es zu einem Ausschluss». Jeder sei gebeten, sich an den ethischen Grundsatz zu halten, beim Fleischschmuggel nicht mitzumachen. «Insbesondere Dorfmetzgereien, bei denen der Name des Inhabers oben an der Eingangstür steht, können sich so etwas nicht erlauben.» Fleischkauf sei für Konsumenten Vertrauens­sache, sagt er – umso schlimmer sei es, wenn Kunden und Mitarbeiter getäuscht würden. (dwa)