Wer darf an die Flade in St.Gallen? 188 Sechstklässler hoffen auf Losglück

Zum zweiten Mal entscheidet an der Flade das Los: Auf der Sekundarstufe muss jedes dritte Kind mit einer Absage rechnen.

Christina Weder
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Dieses Jahr hat es an der Flade Platz für 118 Sechstklässlerinnen und Sechstklässler.

Dieses Jahr hat es an der Flade Platz für 118 Sechstklässlerinnen und Sechstklässler.

Bild: Lisa Jenny (24. September 2019)

Die Anmeldefrist für die Oberstufe ist verstrichen. Nun zeigt sich: Auch dieses Jahr landen die Anmeldungen an der Flade im Lostopf. Das bestätigt Schulpräsidentin Margrit Stadler. Wiederum haben sich knapp fünfzig Prozent der künftigen Sekundarschülerinnen und -schüler für die Flade entschieden. Gemäss einer Vereinbarung mit der Stadt St.Gallen darf die Flade aber nur 30 Prozent der städtischen Oberstufenschülerinnen und -schüler aufnehmen. In den Sekundarklassen an der Flade hat es folglich nicht für alle Interessierten Platz.

Die Gründe für das Los

Seit dem laufenden Schuljahr steht die Katholische Kantonssekundarschule Flade allen städtischen Schülerinnen und Schülern offen – egal ob katholisch, evangelisch, konfessionslos, ob Sek oder Real. Die Stadt übernimmt das Schulgeld. Sie hat mit der Flade eine Vereinbarung abgeschlossen, in der eine Obergrenze für die Schülerzahl festgelegt ist.

Demnach darf die Flade maximal 30 Prozent der städtischen Schüler übernehmen. Dieses Verhältnis gilt sowohl für die Sekundar- wie auch für die Realstufe. Schuldirektor Markus Buschor begründet die Obergrenze mit den bestehenden Raumreserven und der Planungssicherheit für beide Schulträger. Wird die Obergrenze überschritten, entscheidet an der Flade gemäss Vereinbarung das Los. Aufgrund der Erfahrungen mit dem Losentscheid von 2019 wurden gemäss Buschor in Absprache zwischen Flade und Stadt Optimierungen vorgenommen. Sie betreffen vor allem den Bereich der Kommunikation.

Anders präsentiert sich die Situation auf der Realstufe der Flade, wo die 30-Prozent­-Obergrenze nicht erreicht wurde. Hier können gemäss Margrit Stadler sämtliche Anmeldungen berücksichtigt werden – wie schon im Vorjahr. Die Schulpräsidentin erklärt sich die tiefere Zahl der Anmeldungen auf der Realstufe damit, dass erst im vergangenen Sommer mit ersten Realklassen gestartet wurde, und das Angebot noch nicht so bekannt sei. Die Realstufe müsse sich an der Flade zuerst noch etablieren.

Gleich viele Anmeldungen wie vor einem Jahr

Vor einem Jahr wurde das Losverfahren an der Flade zum ersten Mal durchgeführt. Damals hatten 80 Sechstklässlerinnen und Sechstklässler kein Losglück, zehn von ihnen konnten später von der Warteliste nachrücken. In den Tagen nach der Losziehung war die Enttäuschung in manch einer Familie gross. Gerade für städtische Katholiken, die bis anhin Vorrang hatten, war eine Absage besonders bitter.

Schulpräsidentin Margrit Stadler hofft, dass die Wogen bei der diesjährigen Losziehung nicht mehr so hoch gehen. Eltern und ihre Kinder wüssten nun, worauf sie sich mit einer Anmeldung an der Flade einliessen. Die Kommunikation sei gegenüber dem Vorjahr verbessert worden – eine der Lehren aus der letztjährigen Losziehung. Dennoch:

«Für jene, die kein Glück haben, wird es wieder emotional.»

Immerhin habe das Losverfahren Kinder und Eltern offensichtlich nicht davon abgehalten, sich für die Flade zu entscheiden, sagt Stadler.

Flade-Schulpräsidentin Margrit Stadler.

Flade-Schulpräsidentin Margrit Stadler.

Bild: Urs Bucher

So haben sich fast gleich viele Schülerinnen und Schüler für die Katholische Kantonssekundarschule Flade angemeldet wie vor einem Jahr: 2019 waren es 242, nun sind es 240. 52 davon wollen in eine Realklasse (2019: 55), 188 in eine Sekundarklasse (2019: 187). Gemäss der vereinbarten 30-Prozent-Obergrenze gibt es auf der Sekundarstufe der Flade aber nur 118 Plätze.

Vor einem Jahr waren es 107. Damit werden immerhin gut zehn Jugendliche mehr als im Vorjahr aufgenommen, da die Zahl aller städtischen Schülerinnen und Schüler in diesem Jahrgang etwas höher liegt. Die Chancen, einen Platz an der Flade zu erhalten, stehen damit ein bisschen besser als 2019. Dennoch muss rund jeder dritte Jugendliche, der sich angemeldet hat, mit einem negativen Losentscheid rechnen.

Eltern und Kinder werden umgehend informiert

Der Entscheid ist in diesen Tagen zu erwarten. Die Rede ist von Mitte März. Eltern und ihre Kinder werden gemäss Margrit Stadler umgehend informiert. Das Losverfahren läuft dabei gleich ab wie vor einem Jahr.

Ein Notar steckt die 188 Namen in einzelne Kugeln und wirft diese in einen Topf. Die Schulpräsidentin zählt eigenhändig die Kugeln jener Sechstklässler aus, die nach den Sommerferien einen Platz an der Flade erhalten. Sie tut dies nicht allein, sondern unter Aufsicht des Notars und je zweier Mitglieder der städtischen Oberstufe und der Flade. Auch eine Warteliste wird ausgelost. Denn es ist wieder damit zu rechnen, dass noch einige Plätze frei werden – wenn etwa zugeloste Schüler die Prüfung ans Untergymnasium bestehen. Diese findet erst Ende März statt.

Schuldirektor Markus Buschor nimmt wie folgt Stellung zu den Anmeldezahlen für die Oberstufe und zum erneuten Losentscheid:

«Jugendliche und Eltern schätzen die beiden öffentlichen Schulträger der Oberstufe in der Stadt als gleichwertig ein.»
Schuldirektor Markus Buschor.

Schuldirektor Markus Buschor.

Bild: Urs Bucher

Die Hälfte der Kinder habe eine Sekundarschule der städtischen Oberstufe gewählt, die andere Hälfte habe sich für die Flade entschieden. Betrachte man aber nicht nur die künftigen Sekundarschüler, sondern die Gesamtzahl der 592 Sechstklässlerinnen und Sechstklässler, die im Sommer in die Oberstufe übertreten, hätten 60 Prozent der städtischen Oberstufe den Vorzug gegeben.