Kolumne

«Wenn’s mich erwischt, war es halt Schicksal»: Bauarbeiter Hanspeter Suhner über seine Arbeit in der Corona-Krise

Wir lassen täglich Menschen aus der Ostschweiz zu Wort kommen, die in der Corona-Krise weiterhin arbeiten. Bauarbeiter Hanspeter Suhner sagt, er habe keine Angst. Eine Schliessung der Baustellen würde der 66-Jährige übertrieben finden. 

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Ich bin 66 Jahre alt und eigentlich pensioniert. Aber solange man arbeitet, ist man dabei und fühlt sich weniger auf dem Abstellgleis. Wenn Not am Mann ist, bin ich da, und eigentlich sind wir permanent zu wenig Leute. Seit 30 Jahren arbeite ich im Tiefbau, im Bereich Erdwärme. Ich fände eine Schliessung der Baustellen wie in den «roten» Kantonen Genf und Waadt übertrieben.

Ich verstehe, dass man vorsichtiger sein muss, aber ich denke, die Ansteckungsgefahr ist hier auf der Baustelle gering. Wir sind immer zu dritt an einer Baumaschine. Wir arbeiten das ganze Jahr über zusammen und kennen einander. Wir fahren auch noch zusammen im Lieferwägeli zur Arbeit. Wenn wir Bus fahren würden, kämen wir uns gleich nah. Nein, nein, wir haben keine Angst voreinander. Am Mittag esse ich wenn möglich alleine im Migros Restaurant. Andere sitzen in der Baracke zusammen, mit eineinhalb Meter Distanz zueinander.

Sicher resistenter als ein Bürogummi

Wir haben Desinfektionsmittel bekommen von der Bude. Aber ehrlich gesagt, ich habe keine Angst. Wir arbeiten das ganze Jahr über draussen und sind sicher resistenter gegen das Virus als ein Bürogummi. Ich bin alleinstehend und deshalb gibt es niemanden, der mich von der Arbeit abhalten würde. Wenn’s mich erwischt, war es halt Schicksal.

Aufgezeichnet von Janina Gehrig

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Thomas Griesser Kym