Wenn vier Tage Sittertobel nicht genug sind

Seit gestern morgen ist der Warteraum für das St. Galler OpenAir geöffnet. Eingefleischte Festivalfans harren bis zum Einlass heute um 17 Uhr aus. Das Anstehen am Mittwoch ist zum Ritual geworden. Die meisten kommen allerdings nicht nur wegen eines Zeltplatzes an bester Lage so früh.

Christof Krapf
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Erste OpenAir-Fans auf dem Weg zum Festivalgelände. (Bild: Michel Canonica)

Erste OpenAir-Fans auf dem Weg zum Festivalgelände. (Bild: Michel Canonica)

ST. GALLEN. Vier Tage Bier. Vier Tage wenig Schlaf. Vier Tage laute Musik. Vier Tage Regen, Schlamm und brennende Sonne. Das sollte reichen. Könnte man meinen. Trotzdem gibt es OpenAir-Besucher, denen vier Tage Sittertobel nicht genug sind. Sie stehen deshalb bereits am Mittwochvormittag an – über 30 Stunden bevor die erste Band überhaupt die Bühne betritt.

Bereits gestern vormittag haben sich gut hundert Besucher im Warteraum in Abtwil versammelt. Sie haben Zelte und Pavillons aufgestellt. Die Nacht werden sie im Warteraum verbringen – ob es regnet oder nicht. Nahezu jede Gruppe hat eine Musikanlage dabei – Hip-Hop und Rock vermischen sich mit House und Reggae. Irgendwo versucht jemand, mit einem Bob-Dylan-Song etwas Woodstock-Feeling ins Sittertobel zu bringen. Das Bier fliesst in Strömen – trinken, solange es noch kalt ist, heisst die Devise. Die meisten haben es sich in ihren Sesseln gemütlich gemacht. Da und dort macht der erste Joint die Runde.

Das Zelt noch imprägnieren

Schon seit Jahren ist das frühe Anstehen für routinierte OpenAir-Gänger ein fixes Ritual. Je früher man da ist, desto besser der Zeltplatz, desto kleiner das Risiko, am Hang schlafen zu müssen. In diesem Jahr stehen allerdings die wenigsten wegen des Zeltplatzes schon am Tag vor den ersten Konzerten an. «Der Mittwoch ist der beste OpenAir-Tag. Alle sind noch fit und die Stimmung ist super», sagen Mariella und Salome aus Goldach. Sie haben es sich im Warteraum gemütlich gemacht und imprägnieren ihre Zelte; das Festival dürfte auch in diesem Jahr nicht vom berüchtigten St. Galler Regen verschont bleiben.

Selbstgebauter Kühlschrank

Silvan und Patrick befinden sich hingegen immer noch auf dem Weg in den Warteraum. Sie haben schweres Gepäck dabei: Die beiden schleppen einen mit Spanplatten isolierten Plastikcontainer ins Sittertobel. Der mit Eis gefüllte Behälter soll während des Festivals Getränke kühl halten – vorerst müssen sich die beiden 21-Jährigen das kalte Bier mit Schweissperlen verdienen. Die besseren Zeltplätze sind für sie nicht der Grund, weshalb sie schon am Mittwoch kommen. «Das OpenAir dauert nur vier Tage. Wir nehmen einfach noch einen fünften dazu», sagen sie.

«Der Regen kommt sowieso»

Ähnlich klingt es bei Benjamin und seinen Kollegen. Der Clique ist auch der drohende Regen egal. Sie sagen: «Der kommt sowieso. Und das Anstehen ist zum Event geworden. Das wollen wir nicht verpassen.» Sie sind die einzigen, die auch wegen des Zeltplatzes früh anstehen. Denn sie wollen einen zwölf mal zwölf Meter grossen Unterstand aus Militärblachen aufbauen. Dazu werden sie erst heute abend kommen – wenn sie nach über 30 Stunden Anstehen endlich ins Tobel gelassen werden.