«Wenn er den Löffel abgibt, bauen wir ein Haus am Meer und sind glücklich»: Frau muss wegen Mordversuch zwölf Jahre in Haft

Um rascher an das Erbe zu gelangen, schmuggelte eine Frau in Vorarlberg ihrem 82-jährigen Bekannten immer wieder Schlaf- und Schmerzmittel ins Essen. Auch nach tödlichen Medikamenten hat sie gegoogelt. Jetzt wurde sie wegen Mordversuchs zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Christiane Eckert
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Es war ein vielschichtiger Prozess. Vor Gericht stand eine als eiskalt beschriebene, berechnende Niederländerin, die ihren 82-jährigen langjährigen Bekannten im September vergangenen Jahres vergiftet haben soll. Die Rede war von einem Beinahe-Todesengel, der dem Opfer immer wieder Schlaf- und Schmerzmittel ins Essen schmuggelte, um rascher an das Erbe zu gelangen. Das Motiv: umgehend ein sorgenfreies Leben mit dem südafrikanischen Freund.

Den «Schatz» hatte die Beschuldigte zwar noch nie persönlich gesehen, doch täglich kommunizierte sie mit ihm. Über 200 Seiten Chatprotokoll zeugen davon: «Bald werden wir zusammen sein mein Liebling. Wenn der G. den Löffel abgibt, werde ich alles verkaufen, wir bauen ein Haus am Meer und sind glücklich», schrieb die Angeklagte. «Bald sind wir so weit mein schöner Prinz, er frisst mir aus der Hand, wir werden alles bekommen», heisst es.

Beschuldigte hat Opfer gefilmt

Der Verteidiger sah nichts Verwerfliches darin, sich auf eine Erbschaft zu freuen und dies mit dem Freund zu besprechen. Der Anwalt betonte immer wieder, dass seine Mandantin nach tödlichen Medikamenten gegoogelt habe, weil sie nach einem schweren Arbeitsunfall in Depressionen fast erstickt sei und nicht mehr leben wollte. Der Verteidiger sagt:

«16 Operationen, spielsüchtig, grosse Summen dadurch verloren, dass man sich da nach einer Erbschaft sehnt, ist vielleicht moralisch verwerflich, doch mit versuchtem Mord hat das nichts zu tun.»

Es könnten auch andere Personen dem betagten Mann die hochtoxische Mischung verabreicht haben.

Die 51-Jährige hatte ihr Opfer gefilmt. Etwa, wie sie den Mann, der im Liegen kaum schlucken kann, festgebunden an einen Stuhl, füttert. Mitleiderregende Aufnahmen eines Menschen, der kurz vor dem Erstickungstod stand. In den Augen der Beschuldigten sollte dies dokumentieren, wie schlecht es dem Pensionierten ging und wie rührend sie sich um ihn kümmerte.

Der Schuss ging nach hinten los, statt einer schnellen Erbschaft warten nun zwölf Jahre Gefängnis auf die Frau. «Ich bin überzeugt, dass nur eine Person als Täter in Betracht kommt und das ist die Angeklagte», appellierte die Staatsanwältin die Angeklagte für «schuldig». Der Opferanwalt konnte für den Rentner erreichen, dass diesem 2 000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen werden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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