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Wenn die Bürger den Lohn der Dorfkönige bestimmen: «Es würde schwieriger, neue Behördenmitglieder zu finden.»

Zwei St.Galler Gemeindepräsidenten diskutieren im TVO-Talk über die Behördenlohninitiative.

Michael Genova
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Im TVO-Talk: Kilian Looser (FDP), Moderator Stefan Schmid und Toni Thoma (SVP).

Im TVO-Talk: Kilian Looser (FDP), Moderator Stefan Schmid und Toni Thoma (SVP).

Bild: Ralph Ribi

Auf die Frage nach ihrem Jahreslohn gaben sich die zwei Politiker betont transparent und unverkrampft: 129'500 Franken für ein 80-Prozent-Pensum verdient Toni Thoma, SVP-Gemeindepräsident von Andwil. 179'000 Franken für ein 100-Prozent-Pensum sind es bei Kilian Looser, FDP-Gemeindepräsident von Nesslau.

In der gestrigen TVO-Sendung «Zur Sache» äusserten sie sich zur Initiative «Behördenlöhne vors Volk», über welche die St.Galler Bevölkerung am 9. Februar abstimmt. Die Initianten wollen Behördenlöhne in den Budgets künftig einzeln auflisten und anfechtbar machen. So auch Toni Thoma: «Ich will, dass Gehälter direktdemokratisch legitimiert werden». Thoma sprach von einem überfälligen Schritt und einer «modernen Haltung». In grossen Unternehmen sei es schon länger üblich, dass Aktionäre über die Gehälter der Führungsspitze mitbestimmen könnten.

Kamerascheue Gemeindepräsidenten

Kilian Looser hingegen vertrat die Meinung der Mehrheit seiner Amtskollegen: «Ich finde das heutige System ausreichend», sagte er. Die Vereinigung der St.Galler Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten (VSGP) lehnt die Initiative ab. Doch die meisten wollten ihre Haltung vor der Kamera nicht vertreten und sagten einen Auftritt aus «Termingründen» ab. Looser verwies darauf, dass die Stimmberechtigten bereits heute indirekt mitreden könnten. Wer unzufrieden sei, könne einen Politiker abwählen. «Die alle vier Jahre stattfindenden Wahlen sind ein Korrektiv.» Bei einer Annahme der Initiative befürchtet er hingegen eine abschreckende Wirkung.

«Es würde sicherlich schwieriger, neue Behördenmitglieder zu finden.»

Die Gegner der Initiative warnen zudem vor einer «Verpolitisierung der Behördenlöhne.» Doch SVP-Politiker Toni Thoma widersprach: «Es gibt keine Neidkultur.» Die Bürgerinnen und Bürger seien mündig und zudem gewohnt, über weit komplexere Vorlagen abzustimmen. Dem Kompromissvorschlag der Regierung, die Löhne in «geeigneter Form» zu veröffentlichen kann er nichts abgewinnen. «Reine Transparenz ist schädlich.» Der Souverän müsse die Löhne auch direkt mitbestimmen können. Sonst gingen die Diskussionen nach einer Bürgerversammlung einfach weiter.

Gegen Ende der Sendung wollte Moderator Stefan Schmid von Kilian Looser wissen, ob er auch mit einem Lohn von 150000 Franken zufrieden wäre. «Solange er mir Freude bereitet, mache ich diesen Job», sagte Looser. Und die Vorstellung, weniger zu verdienen als der höchste Kaderangestellte, ist für Toni Thoma keine beunruhigende Vorstellung: «Ich verdiene schon heute in meiner Gemeinde nicht am meisten.» Es war ein harmonischer Ausklang für eine heikle Lohndebatte.