Strassenmusik
Weniger Strassenmusikanten in St.Gallen seit Corona: Gesuche bei der Stadtpolizei seit 2019 halbiert

Wer in St.Gallen Strassenmusik betreiben will, stellt ein Gesuch bei der Stadtpolizei. Diese Gesuche haben sich seit Corona halbiert. Ausserdem seien es vermehrt wiederkehrende Musizierende. Reklamationen habe es bisher noch keine gegeben.

Alain Rutishauser
Drucken
Strassenmusikanten sind in der Stadt St.Gallen beliebt. Allerdings haben die Gesuche bei der Stadtpolizei seit Corona stark abgenommen.

Strassenmusikanten sind in der Stadt St.Gallen beliebt. Allerdings haben die Gesuche bei der Stadtpolizei seit Corona stark abgenommen.

Symbolbild: Gottfried Czepluch/imago

Trompete, Gitarre, Perkussion oder eine spontane Tanzeinlage – derzeit wird in den Strassen der Stadt St.Gallen fleissig musiziert. In letzter Zeit scheinen mehr Strassenmusikanten unterwegs zu sein als noch vor Corona. Doch ist das wirklich so?

Nein, sagt Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei, auf Anfrage.

«Das Gegenteil ist der Fall. In den letzten beiden Jahren verzeichneten wir infolge Corona einen Rückgang an Strassenmusikanten.»

So wurden im Jahr 2019 insgesamt 365 Bewilligungen für Strassenmusikanten ausgestellt, 2020 waren es noch 252 Bewilligungen. Und auch 2021 gingen die Anzahl ausgestellter Bewilligungen nochmals merklich zurück: 180 Bewilligungen wurden im vergangenen Jahr ausgestellt. Die Anzahl Gesuche haben sich seit 2019 also halbiert.

Auch Verwarnungen und Bussen zurückgegangen

Auch die ohnehin schon selten vorkommenden Verwarnungen und Bussen im Zusammenhang mit unbewilligter Strassenmusik haben seit 2019 abgenommen. Damals wurden neun Verwarnungen ausgesprochen und zehn Bussen ausgestellt, wenn ein Strassenmusikant ohne Bewilligung in der Stadt musizierte. Ein Jahr später waren es vier Bussen und acht Verwarnungen. 2021 wurden schliesslich noch drei Bussen ausgestellt und fünf Verwarnungen ausgesprochen.

Dionys Widmer, stellvertretender Leiter Fachstelle Kommunikation der Stadtpolizei St.Gallen

Dionys Widmer, stellvertretender Leiter Fachstelle Kommunikation der Stadtpolizei St.Gallen

Bild: PD

Patrouillen der Stadtpolizei suchen zuerst meist den Dialog, falls sie Musikanten ohne entsprechende Bewilligung antreffen. «Grundsätzlich wird er oder sie in einem ersten Schritt über die Regelungen in Kenntnis gesetzt und wir sprechen eine Verwarnung aus», sagt Mediensprecher Widmer. Werden die Strassenmusikanten abermals ohne Bewilligung angetroffen oder widersetzen sich, stellt die Stadtpolizei eine Ordnungsbusse in Höhe von 80 Franken aus.

Verstärker oder Dudelsack sind verboten

Grundsätzlich könne jede Person ein Gesuch einreichen, die volljährig ist. Einige Vorschriften gibt es allerdings: So darf eine Gruppe von Musikanten maximal drei Personen umfassen. Die Stadtpolizei stellt derselben Gruppe maximal zwei Bewilligungen im Monat aus. Widmer:

«Die Verwendung von Lautsprecheranlagen und lautstarken Musikinstrumenten wie Dudelsack oder Schlaginstrumenten ist verboten.»

Falls die Patrouillen jemanden antreffen, der einen Verstärker oder ein lautes Instrument verwendet, suchen sie erneut den Dialog. «Wird diese Person immer wieder mit lautstarken Instrumenten oder Verstärkern angetroffen, kann sie gesperrt werden. Sie erhält dann für eine begrenzte Zeitdauer keine Bewilligung mehr», sagt Widmer.

Falls sich Anwohner oder Gewerbe wegen Lärmklagen an die Polizei wenden, sei auch eine Busse wegen mutwilliger Belästigung in Höhe von 60 Franken denkbar. Reklamationen wegen Lärm seien aber eher selten. Häufiger komme es zu Beschwerden, weil sich Strassenmusikanten nicht an ihren Zeitplan halten. «Sie dürfen maximal 20 Minuten an derselben Stelle musizieren. Danach müssen sie den Standort wechseln», sagt Widmer.

Bei Reklamationen werden musikalische Fähigkeiten geprüft

Die Gesuche werden vom Ressort Gast- und Unterhaltungsgewerbe der Stadtpolizei geprüft, jedoch müssen die Strassenmusikanten kein «Ständli» vorspielen, um akzeptiert zu werden. Die Mehrzahl der Gesuche kämen von wiederkehrenden Musikanten, die der Stadtpolizei bereits bekannt sind. «Sollte die Qualität nicht in Ordnung sein, käme es schnell zu Reklamationen bei der Stadtpolizei», sagt Widmer. In einem solchen Fall würden die musikalischen Fähigkeiten der entsprechenden Personen eingehender geprüft, sprich sie müssen vorspielen. Dies sei jedoch bisher noch nicht vorgekommen.

Aktuelle Nachrichten