Weniger Schweizer Vieh in Liechtenstein

VADUZ. Das Fürstentum Liechtenstein sorgt sich um die Zukunft seiner Alpen. Derzeit werden Szenarien durchgespielt, die bis zur Aufgabe der Alpwirtschaft reichen. Ein gewichtiger Part kommt dabei dem Schweizer Vieh zu. Jede vierte Kuh auf einer Liechtensteiner Alp stammt aus der Schweiz.

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VADUZ. Das Fürstentum Liechtenstein sorgt sich um die Zukunft seiner Alpen. Derzeit werden Szenarien durchgespielt, die bis zur Aufgabe der Alpwirtschaft reichen. Ein gewichtiger Part kommt dabei dem Schweizer Vieh zu. Jede vierte Kuh auf einer Liechtensteiner Alp stammt aus der Schweiz. Und dieses Vieh aus dem Nachbarland fehlt in jüngster Zeit häufiger auf Liechtensteiner Alpen, wie die Regierung in Vaduz gestern im Zusammenhang mit einer Interpellation im Parlament mitteilte. Der Grund liegt in der Agrarpolitik 2014–2017 des Bundes. Kernelement dieser Politik ist das Direktzahlungssystem, das im Grundsatz Flächenbeiträge vor Tierbeiträge stellt.

Schweizer Alpen bevorzugt

Eine Ausnahme bildet der im vergangenen Jahr eingeführte Alpungsbeitrag von 370 Franken für jede Kuh, die während 100 Tagen gesömmert wird. Das Geld erhalten nicht die Sömmerungsbetriebe, sondern Schweizer Bauernbetriebe, welche ihre Tiere in der Schweiz auf eine Alp bringen. Schweizer Bauern, die ihre Tiere im angrenzenden Ausland sömmern, bekommen keine Beiträge. Die Folge davon: Weil ein Anreiz geschaffen wurde, Schweizer Vieh auf Schweizer Alpen zu sömmern, fehlt das Schweizer Vieh auf den Liechtensteiner Alpen.

Ende der Alpwirtschaft?

Die Liechtensteiner suchten eine Lösung, indem sie ein System der gegenseitigen Anerkennung und Entschädigung von Tieren anstrebten, die auf die Alpen getrieben werden. Es ist auch Tradition, dass Liechtensteiner Tiere den Sommer in der Schweiz verbringen, vor allem Schafe. Eine Vereinbarung kam jedoch nicht zustande. Die Regierung in Vaduz macht sich nun grundsätzlich Gedanken über die Sömmerung und spricht Klartext: Die Bewirtschaftung der Alpen sei kurz- und mittelfristig nicht mehr gesichert. Geplant ist eine Grundsatzdebatte über die Alpen, wobei die völlige Aufgabe der Alpwirtschaft nicht tabu sein soll. (sda)

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