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Weniger Betriebe, mehr Beschäftigte:
So geht es der Ostschweizer Landwirtschaft

Die Zahl der Bauernbetriebe nimmt weiter ab. In der Ostschweiz ist der Rückgang aber etwas weniger ausgeprägt als im nationalen Vergleich. Bei den Beschäftigen zeigt die Kurve sogar wieder leicht nach oben.
Adrian Vögele, Silvan Meile
67 Bauernbetriebe mussten im vergangenen Jahr in der Ostschweiz aufgeben. Hingegen steigt die Zahl der Beschäftigten in der hiesigen Landwirtschaft wieder leicht an. (Bild: Donato Caspari)

67 Bauernbetriebe mussten im vergangenen Jahr in der Ostschweiz aufgeben. Hingegen steigt die Zahl der Beschäftigten in der hiesigen Landwirtschaft wieder leicht an. (Bild: Donato Caspari)

Es könnte schlimmer sein. Zwar schrumpft die Zahl der Bauernhöfe auch in der Ostschweiz weiterhin – 67 Landwirtschaftsbetriebe mussten im vergangenen Jahr aufgeben. Mit 0,9 Prozent ist die Abnahme aber geringer als der schweizweite Wert (-1,5 Prozent). Das zeigt die Landwirtschaftliche Strukturerhebung 2018 des Bundes. Auch langfristig hält sich die Branche in der Ostschweiz überdurchschnittlich gut: In den vergangenen zehn Jahren sank die Zahl der Betriebe in der Region um 15,4 Prozent, in der gesamten Schweiz um 16,5 Prozent. Hinzu kommt: Die Anzahl der Beschäftigten in der Branche ist einigermassen stabil. Die Ostschweiz verzeichnete im vergangenen Jahr sogar ein leichtes Plus von 55 Personen, entgegen dem nationalen Trend. Zugelegt haben die Kantone St.Gallen und Thurgau, während die beiden Appenzell an Beschäftigten verloren haben.

Andreas Widmer, Geschäftsführer des St.Galler Bauernverbands. (Bild: Regina Kühne)

Andreas Widmer, Geschäftsführer des St.Galler Bauernverbands. (Bild: Regina Kühne)

Andreas Widmer, Geschäftsführer des St.Galler Bauernverbandes, sieht denn auch keinen Anlass zum Jammern. Die Zahl der Betriebe werde zwar weiterhin abnehmen, allerdings habe sich die Entwicklung in den vergangenen Jahren eher verlangsamt. 2018 sei lediglich ein Prozent der St.Galler Betriebe aufgegeben worden – «das ist sehr wenig». Aber warum geht es der Branche in der Region besser als im nationalen Vergleich? Das sei eine Frage der Mentalität, sagt Widmer. «Wir haben nach wie vor viele Leute, die bauern wollen – der Beruf stirbt keineswegs aus.» Das zeige sich etwa an den konstanten Ausbildungszahlen. Die St.Galler Landwirtinnen und Landwirte seien auch immer mehr bereit, zu diversifizieren und innovative Lösungen zu suchen. «So setzen manche zum Beispiel anstatt auf die Milchproduktion auf Spezialkulturen wie Beeren oder Gemüse.»

Nach wie vor gibt es aber sehr viele Nutztiere im Kanton (siehe Grafik). Das hängt gemäss Widmer vor allem damit zusammen, dass St.Gallen für den Ackerbau wenig geeignet ist. Der Milchkuhbestand im Kanton ist stabil. Beim finanziellen Verdienst liege die St.Galler Landwirtschaft in der vorderen Hälfte aller Kantone, stellt Widmer fest. Ein Problem sieht er für den Nachwuchs: Für Personen, die nicht aus einer Bauernfamilie stammten, sei es sehr schwierig, einen Hof übernehmen zu können. «Nur sehr wenige Betriebe werden ausserfamiliär verkauft.» Derzeit kommen jährlich etwa 10 bis 20 St.Galler Betriebe auf den Markt. «Besser wären 50 bis 100», sagt Widmer.

Landwirtschaftsfläche im Thurgau nahm zu

Daniel Vetterli, Vorstandsmitglied des Thurgauer Bauernverbands. (Bild: Reto Martin)

Daniel Vetterli, Vorstandsmitglied des Thurgauer Bauernverbands. (Bild: Reto Martin)

Im Thurgau wird die Hälfte der Kantonsfläche von Bauern bewirtschaftet. Im schweizweiten Vergleich sind die aktuellen Zahlen erstaunlich. Demnach nahm die landwirtschaftliche Nutzfläche im Thurgau im Vergleich zum Vorjahr nach Jahrzehnten des Rückgangs sogar wieder leicht zu. Wie haben die Bauern beim anhaltenden Bauboom Boden gutgemacht? Daniel Vetterli, Vorstandsmitglied des Thurgauer Bauernverbands, hat eine Erklärung. Es liege an einer Systemumstellung bei der Ausmessung. «Die Flächen werden seit vergangenem Jahr im Thurgau mit neuen Mitteln quadratmetergenau erfasst, was zur Zunahme geführt haben muss.» Das neue Raumplanungsgesetz dürfte nun aber den Verschleiss an Landwirtschaftsland der vergangenen Jahre abbremsen.

Auch bei den Betriebsschliessungen fällt der Thurgau aus Bauernsicht positiv auf. Die effektive Anzahl Höfe nahm im vergangenen Jahr nur gerade um 10 auf 2559 Betriebe ab. Doch Vetterli relativiert auch hier. Dass sei nur eine Momentaufnahme. «Wir können dieses einzelne Jahr nicht als Vergleich nehmen, um weitreichende Rückschlüsse zu ziehen», sagt der Landwirt aus Rheinklingen. Ein Blick auf die Statistik zeigt schliesslich ein anderes Bild. In den Jahren zuvor war der Rückgang an Betrieben im Thurgau massiv. Noch vor zehn Jahren gab es im Kanton 437 Landwirtschaftsbetriebe mehr.

Hürden beim Wechsel auf Bio-Produktion

Auf längere Sicht betrachtet sei die Thurgauer Landwirtschaft genauso dem Strukturwandel ausgesetzt wie andere Regionen des Landes, sagt Daniel Vetterli. Auch hier gilt: Während die Zahl der Bauernhöfe kleiner wird, nimmt die durchschnittliche Fläche der einzelnen Betriebe laufend zu. Eine stetige Zunahme verzeichnet auch die biologische Landwirtschaft. Im Thurgau sind es mittlerweile 13,3 Prozent aller Betriebe. Das ist weniger als der schweizweiten Durchschnitt von 15,4 Prozent. Den Grund dafür sieht Vetterli vor allem darin, dass die Obst- und Gemüseproduzenten sowie die Milchbauern im Thurgau stark vertreten seien. Bei ersteren sei die Herausforderung besonders gross, auf Bio umzustellen. Bei den Milchbauern sei es hingegen ein Absatzproblem. Viele Milchproduzenten wollten auf Biomilch wechseln. «Bei den Abnehmern werden aber lange Wartelisten geführt», weiss Vetterli. Deshalb wünscht er sich, «dass auch an der Ladentheke nach einer naturnahen Landwirtschaft verlangt wird».

Landwirtschaft ist weiterhin Familiensache

152'400 Personen waren im vergangenen Jahr in der Schweizer Landwirtschaft tätig – das sind 0,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Für die meisten liegt der Beruf in der Familie: Die Betriebsleiter und ihre Familienmitglieder machen mehr als drei Viertel aller Beschäftigten in der Branche aus, wie es in der Landwirtschaftlichen Strukturerhebung 2018 des Bundes heisst. In 74 Prozent der Betriebe arbeiten sogar ausschliesslich Familienmitglieder. Zwei Drittel der Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter arbeiten Vollzeit. Anders seit es hingegen bei den weiteren Mitarbeitenden aus: Zwei Drittel haben ein Teilzeitpensum.
Die Frauen sind in der Branche in der Minderheit, zumindest gemäss der offiziellen Statistik: Im vergangenen Jahr arbeiteten 55400 Frauen in der Schweizer Landwirtschaft, das sind 36 Prozent aller Beschäftigten. Noch deutlich geringer ist ihr Anteil in der Betriebsleitung: Nur sechs Prozent der Bauernhöfe werden von einer Frau geführt. (av)

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