Trotz vereinzelt hoher Pestizidrückstände: «Das Trinkwasser kann im Kanton St. Gallen ohne Bedenken getrunken werden»

Abbauprodukte des mittlerweile verbotenen Fungizids Chlorothalonil finden sich auch im Grundwasser des Kantons St. Gallen. Allerdings nur an wenigen Stellen und in geringer Konzentration.

Adrian Lemmenmeier-Batinić
Drucken
Teilen
Die Qualität des Trinkwassers ist gemäss Kanton wegen der erhöhten Chlorothalonil-Rückstände im Grundwasser nicht gefährdet.

Die Qualität des Trinkwassers ist gemäss Kanton wegen der erhöhten Chlorothalonil-Rückstände im Grundwasser nicht gefährdet.

Bild: Gaetan Bally (Keystone)

Chlorothalonil. Das schwer auszusprechende Pflanzenschutzmittel belastet mancherorts im Mittelland das Grundwasser. Nun wurden auch im Kanton St. Gallen überhöhte Werte gemessen, wenn auch nur an wenigen Stellen. Während der letzten drei Jahre hat der Kanton an 62 Messstationen das Grundwasser auf Abbauprodukte von Chlorothalonil untersucht. Das Resultat: An 46 Messstellen wurden keine solchen Stoffe nachgewiesen. Bei fünf Messstationen lag die Konzentration über dem gesetzlich festgelegten Höchstwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter. Diese Stationen befinden sich im Fürstenland, im Sarganserland und im Werdenberg (siehe Karte).

Der höchste Wert beträgt 0,225 Mikrogramm pro Liter – und liegt somit doppelt so hoch wie der Grenzwert. Dieser wiederum gilt als tief angelegt, um die langfristige Qualität des Grundwassers zu sichern. Vier von fünf Messstationen, an denen überhöhte Werte festgestellt wurden, liegen in der südlichen Rheinebene. Dass gerade dort viele Spuren von Chlorothalonil gemessen wurden, habe wohl mit dem intensiven Gemüsebau in der Region zu tun, sagt Paul Pfenninger, Fachspezialist Grundwasser beim Amt für Wasser und Energie. «Verglichen mit dem Mittelland sind die Messwerte im Kanton St. Gallen nicht hoch», sagt Pfenninger. In den Kantonen Zürich und Luzern wurden etwa Werte gemessen, die den Höchstwert ums Zehnfache übersteigen. Schweizweit ist das Grundwasser in den meisten Kantonen des Mittellandes durch Abbauprodukte von Chlorothalonil belastet.

Das Trinkwasser ist in gutem Zustand

Bezüglich der Qualität des Trinkwassers gibt der Kanton St. Gallen Entwarnung. In der Medienmitteilung heisst es:

«Die regelmässigen Messungen zeigen, dass das Trinkwasser im ganzen Kanton ohne Bedenken getrunken werden kann.»

Allerdings rechne man damit, dass die Abbauprodukte von Chlorothalonil noch Jahre im Grundwasser feststellbar sein werden – auch wenn die Konzentration mit der Zeit abnehme.

Was aber müssen Wasserversorger unternehmen, wenn Grundwasser in ihrem Einzugsgebiet übermässig mit Chlorothalonil versetzt ist? «In einer ersten Phase sollten sie Wasser, das sie aus einer problematischen Fassung beziehen, mit anderem verdünnen, bis der Höchstwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter nicht mehr erreicht wird», sagt Klaus Luczynski, stellvertretender Kantonschemiker. «Sollte der Versorger nur aus einer Fassung Wasser beziehen, müsste er diese vom Netz nehmen, von einem benachbarten Versorger Wasser beziehen oder eine neue Fassung erschliessen.» Solche Fälle seien ihm im Kanton allerdings keine bekannt, sagt Luczynski.

Mittlerweile verbotenes Mittel gegen Pilzbefall

Der Bund hat das Pflanzenschutzmittel Chlorothalonil im Dezember verboten. Seither unterliegen auch sämtliche Metaboliten – also Abbauprodukte des Fungizids – dem Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter. Sowohl die EU als auch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) schliessen die gesundheitsgefährdende Wirkung für gewisse Abbaustoffe des Pestizids nicht aus. Allerdings darf der Bund Chlorothalonil nach einer Beschwerde des Agrarkonzerns Syngenta nicht mehr als «wahrscheinlich krebserregend» bezeichnen.

Chlorothalonil ist ein Mittel gegen Pilzerkrankungen. Es wurde in den 1970er-Jahren erstmals in der Schweiz zugelassen und bis Anfang dieses Jahres im Acker-, Gemüse, Obst- und Weinbau, aber auch auf Golfplätzen versprüht. Zwischen 2008 und 2018 wurden schweizweit zwischen 32 und 66 Tonnen verkauft. Somit war Chlorothalonil eines der am häufigsten angewandten Pestizide in der Schweiz.