Weltkirche kommt in die Gallusstadt

Für Bischof Markus Büchel wird in der Bischofskonferenz die Internationalität der Kirche sichtbar. «Die Kirche in den Wohlstandsländern Europas ist müde geworden», sagt er selbstkritisch. Öffentlicher Höhepunkt des Anlasses ist der Gottesdienst am Sonntagmorgen.

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Der «Hausherr» der Kathedrale St. Gallen öffnet das Chorgitter: Markus Büchel, Bischof des Bistums St. Gallen, empfängt als Gastgeber morgen rund 50 Bischöfe aus ganz Europa. (Bild: Hanspeter Schiess)

Der «Hausherr» der Kathedrale St. Gallen öffnet das Chorgitter: Markus Büchel, Bischof des Bistums St. Gallen, empfängt als Gastgeber morgen rund 50 Bischöfe aus ganz Europa. (Bild: Hanspeter Schiess)

«Die Vollversammlung ist ein Zeichen der Verbundenheit mit der Weltkirche» sagt Bischof Markus Büchel. Das Treffen der internationalen Kirchenleute zeige, dass die Kirche über St. Gallen und die Schweiz hinausreiche. Der 63jährige Bischof des Bistums St. Gallen ist «Gastgeber» für die Bischöfe, die aus allen europäischen Ländern von Skandinavien bis Griechenland und Weissrussland bis Portugal kommen.

Bischöfe auf dem Hohen Kasten

Ab Donnerstagmittag werden sie am Flughafen Kloten erwartet, mit den SBB und teils per Auto geht es anschliessend in die Ostschweiz. Teilnehmer der Vollversammlung des Rates der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), die von morgen Donnerstag bis Sonntag dauert, sind die Präsidenten der Bischofskonferenzen der jeweiligen Länder. Da die Bischöfe sehr verschiedene Sprachen sprechen, wird es im Kongresszentrum Einstein, wo sie logieren und die Sitzungen sind, Simultanübersetzungen geben. Für die Schweiz nimmt der Sittener Bischof Norbert Brunner teil. Markus Büchel wurde zwar eben zum Präsidenten der Schweizer Bischofskonferenz gewählt, Amtsantritt ist aber erst im Januar.

Organisiert wird der Anlass durch das CCEE-Sekretariat mit Sitz in der Gallusstadt sowie das Bistum St. Gallen. Die Agenda besteht vorwiegend aus Arbeitssitzungen und Gottesdiensten. Aber auch Ausflüge haben ihren Platz – so steht am Freitag der Hohe Kasten auf dem Programm. Öffentlich sind nur die täglich stattfindenden Gottesdienste.

Ornate aus Einsiedeln

Eröffnet wird die Tagung im Kantonsratssaal in der Pfalz in St. Gallen im Beisein von Regierungsratspräsident Martin Gehrer. Abschluss der Tagung bildet die «Messe der Nationen» am Sonntagmorgen in der Kathedrale. Dabei ist die Situation der Kirche in Europa ein Thema. «Die Kirche in den Wohlstandsländern Europas ist müde geworden», sagt Markus Büchel. Es ist eine selbstkritische Botschaft, die auch im Zusammenhang mit dem Tagungsthema der «spirituellen und sozialen Herausforderungen» für Europa steht. Denn aus Sicht der Kirche hängt ein fortschreitender Werteverlust in den europäischen Ländern mit der Individualisierung zusammen. Rom will dem Gegensteuer geben und redet von einer «Neuevangelisierung Europas».

In diesem Gottesdienst werden die Bischöfe mit Bischofsornat und Mitra – der Kopfbedeckung der Bischöfe – auftreten. Das Bistum St. Gallen hat dafür Ornate vom Bistum Einsiedeln ausgelehnt, weil es selber nicht über fünfzig solcher Gewänder verfügt.

Dass St. Gallen als erste Schweizer Stadt Austragungsort der jährlich stattfindenden Bischofskonferenz ist, hängt mit dem Gallusjubiläum zusammen.

Ivo Fürer holte CCEE-Sekretariat

Die Gallusstadt hatte aber schon immer eine grosse Bedeutung für das CCEE. Denn Bischof Ivo Fürer, Vorgänger von Markus Büchel, holte einst das CCEE-Sekretariat nach St. Gallen. Die St. Galler Katholiken bezahlen zudem jährlich über 150 000 Franken an das Sekretariat. (kl)