Weiteres Kapitel in kurioser Geschichte um Signalisation im Tobler Weiler: Einwohner der Kalishub fordern ein Fahrverbot

Einige Einwohner der Karlishub stören sich an Autofahrern, die zu spät abbremsen und zu früh beschleunigen. Ihr Antrag auf ein Fahrverbot durch den Weiler hängt auch mit dem Tafeltausch von 2019 zusammen, als Unbekannte die 50er- durch 40er-Tafeln ersetzten.

Roman Scherrer
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Unbekannte hatten im Februar 2019 beim Karlishub die 50er- durch 40er-Tafeln ersetzt. Mittlerweile ist hier wieder Tempo 50 signalisiert.

Unbekannte hatten im Februar 2019 beim Karlishub die 50er- durch 40er-Tafeln ersetzt. Mittlerweile ist hier wieder Tempo 50 signalisiert.

Bild: Roman Scherrer (26. Februar 2019)

Der Weiler fristet eigentlich ein ruhiges Dasein. Im Februar 2019 sorgte die Karlishub allerdings für Schlagzeilen: Unbekannte haben ein neues Tempolimit aufgestellt. Sie ersetzten an den Ortseingängen die 50er- durch 40er-Tafeln, weshalb der Gemeinderat von Tobel-Tägerschen Anzeige erstattete.

Nun muss sich die Behörde erneut mit der Signalisation des Weilers beschäftigen – aufgrund eines Antrags von mehreren Einwohnern. «Es wurden zwei Varianten von Signalisationen beantragt», erklärt Gemeindepräsident Rolf Bosshard. Die erste sieht ein Fahrverbot vor, das nur einen Zubringerdienst gestattet, die zweite verbietet eine Durchfahrt des Weilers.

Der Gemeinderat hat sich mit dem Antrag auseinandergesetzt und will mögliche Verkehrsberuhigungen in der Karlishub testen. Zu diesem Zweck lässt er derzeit Tempomessungen durchführen. Bosshard sagt:

«Der Gemeinderat ist sich der Problematik bewusst.»

Er erklärt weier: «Im Kern des Weilers wird nicht zu schnell gefahren.» Dafür sorgten drei Rechtsvortritte und eine schmale S-Kurve. «Das Problem liegt in der Peripherie der Karlishub.» Denn auf den geraden Strecken würden Autofahrer beim Einfahren in den Weiler oft zu spät bremsen und beim Verlassen zu früh beschleunigen.

Konzept für Tempo 30 abgelehnt

Dass der aktuelle Antrag mit den ausgetauschten Tafeln zusammenhängt, verneint Rolf Bosshard nicht grundsätzlich, blickt aber für die Erklärung weiter in die Vergangenheit zurück: 2017 haben 77 Einwohner aus dem Tägerscher Oberdorf eine Petition für eine Tempo-30-Zone in ihrem Quartier eingereicht. Der Gemeinderat hat daraufhin ein Konzept erarbeitet, das Tempo 30 in allen Quartieren vorsah. «Das wäre viel günstiger gewesen, als wenn wir jedes Quartier einzeln hätten behandeln müssen», sagt Bosshard.

Die Gemeindeversammlung lehnte das Konzept aber ab. Und hier kommt die Karlishub wieder ins Spiel. Vor dem Weiler prangten bis im Sommer 2018 jahrelang 30er-Tafeln. «Sie waren aber nicht rechtsgültig», erklärt Bosshard.

Weil das kantonale Tiefbauamt die Signalisation bemängelte, sah sich der Gemeinderat gezwungen, stattdessen 50er-Tafeln anzubringen. Bosshard räumt ein:

«Damit haben wir die Verkehrssituation für die Einwohner verschlechtert.»
Rolf BosshardGemeindepräsident Tobel-Tägerschen

Rolf Bosshard
Gemeindepräsident Tobel-Tägerschen

Bild: PD

Der Gemeindepräsident relativiert sogleich: «Das geschah aber eigentlich nur mit der Absicht, anschliessend eine Tempo-30-Zone im Weiler zu erstellen.» Denn ohne vorherige Tempo-50-Signalisation ist eine 30er-Zone nicht möglich.

Weil die Gemeindeversammlung aber das Konzept abgelehnt hatte, fehlte dem Gemeinderat die Grundlage, um Messungen und ein Gutachten für Tempo 30 zu erstellen. «Die Stimmbürger wollten das nicht, also können wir jetzt nicht einfach von uns aus trotzdem in dieser Sache aktiv werden», sagt Bosshard.

Zusammenhang mit Tafeltausch von 2019

Diese Geschichte habe wohl einen Zusammenhang mit dem illegalen Tafeltausch von Anfang 2019, vermutet der Tobler Gemeindepräsident. Dass die nicht rechtsgültigen 30er- durch 50er-Tafeln ersetzt werden mussten, dürfte jemanden derart gestört haben, dass er oder sie sich eigenhändig der Sache angenommen hatte.

Wer das war, bleibt vorerst ein Rätsel. Denn die Staatsanwaltschaft hat das Strafverfahren nach einer Befragung vorläufig eingestellt, «mangels weiterer Hinweise zu einer möglichen Täterschaft», wie Mediensprecher Marco Breu auf Anfrage schreibt. Sollten konkrete Hinweise eingehen, würde das Verfahren aber wieder aufgenommen werden.