Weinfelden
Wenn Worte im Mittelpunkt stehen: Das läuft an den Weinfelder Buchtagen

Anfang September finden zum sechsten Mal die Weinfelder Buchtage statt. Nebst Lesungen und Buchpreis gibt es dieses Jahr auch den Leseevent «Weinfelden liest» mit dem Buch «Ewig Sommer» von Franziska Gänsler.

Sabrina Bächi
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Katharina Alder hält die Pflichtlektüre in der Hand. Die anderen fünf Bücher sind nominiert für den Weinfelder Buchpreis.

Katharina Alder hält die Pflichtlektüre in der Hand. Die anderen fünf Bücher sind nominiert für den Weinfelder Buchpreis.

Bild: Sabrina Bächi

Mit dem Finger streicht sie quer über die Seite. «Ich bin eine Schnellleserin», sagt Katharina Alder. Eine Fähigkeit, die ihr den beruflichen Alltag erleichtert. Denn die Inhaberin der Buchhandlung Klappentext liest täglich Manuskripte und Vorabdrucke von Büchern. So erfährt sie jeweils auch, welche jungen Schweizer Autorinnen und Autoren ein spannendes Buch auf den Markt bringen. Das wiederum kommt ihr für den Weinfelder Buchpreis zugute. «Meine Auswahl für den Buchpreis berücksichtigt hauptsächlich junge, eher noch unbekannte Autoren aus der Schweiz», sagt sie.

Die Bücher sind, so erklärt sie weiter, nicht eben nur leichte Lektüre. Aber die Sprache, das Atmosphärische, die Figurenzeichnung, das Verwobene oder die Nachrichten zwischen den Zeilen, das ist es, was sie an diesen Büchern fasziniert. «Teils sind es einfach sprachliche Finessen, bei denen ich finde, dass die Jury sich darüber mal unterhalten, sich den Kopf zerbrechen sollte», sagt Alder lachend.

Bereits zum zweiten Mal verleiht Alder den Buchpreis. Er ist mit 4000 Franken dotiert. Geld, das sie aus der eigenen Tasche bezahlt. Die Preisverleihung findet im Rahmen der sechsten Weinfelder Buchtage statt, die zwischen dem 1. und 4. September über die Bühne gehen (siehe Kasten).

Weinfelder Buchpreis

Für den Weinfelder Buchpreis sind fünf Schweizer Autorinnen und Autoren nominiert. Es sind dies Andri Bänziger, Rebecca Gisler, Sarah Elena Müller, Rebekka Salm und Noemi Somalvico. Am Sonntag ab 16.15 Uhr lesen alle Nominierten aus ihren Büchern, die Jury gibt um 18 Uhr ihre Entscheidung bekannt. Die Verleihung findet im Theaterhaus Thurgau statt. (sba)

«Die Buchtage werden immer bekannter. Aber natürlich dauert es in einer kleinen Stadt wie Weinfelden länger, bis man ein grosses Publikum beisammen hat.» Zürich, Solothurn oder Bern. Dort sei es kein Problem, grosse Säle zu füllen. Alder spricht mit Begeisterung. Ihre Leidenschaft ist es, zwischen Texten und Menschen zu vermitteln. Wer mit ihr über Bücher spricht, spürt diese Leidenschaft, merkt aber auch, wie anders, verwinkelt und spezifisch ihr Zugang zu Büchern zuweilen ist. Und wenn ein Buch Alder nicht innerhalb von 20 Seiten fesselt, dann legt sie es beiseite.

Die Pflichtlektüre für die Weinfelder

Ein Buch aber, das Alder von Anfang an gepackt hat, ist «Ewig Sommer» von Franziska Gänsler. Sie hat es deshalb zur Pflichtlektüre für die Buchtage erklärt, sagt sie lächelnd. Ihr Ziel: Wie in anderen Städten will auch Alder ein «Weinfelden liest» durchführen. Ein Buch, eine Stadt, mehrere Leserinnen und Leser, die alle dieselbe Lektüre auf dem Nachtischli haben. Gänslers Buch ist erst Mitte Juli erschienen. Es habe super Kritiken erhalten und behandle sehr aktuelle Themen, schaffe Atmosphäre und spiele mit den Widersprüchen von Gefühlen.

Am Samstag, 3. September, findet im «Klappentext» ab 11 Uhr die Buchbesprechung statt. «Sie ist öffentlich und kostenlos», sagt Alder. Alles, was dort besprochen wird, findet später am Nachmittag Eingang in das Gespräch zwischen Alder und der Autorin, die ab 16 Uhr ihre Lesung hält.

Acht Autoren stellen ihr Buch vor

Insgesamt acht Autorinnen und Autoren stellen an den Buchtagen ihr Werk vor. Ein bekannter Name darunter ist Usama Al Shahmani, der mit seinem neuen Buch «Der Vogel zweifelt nicht am Ort, zu dem er fliegt» am Freitag im Rathaussaal auftritt. «Ich finde, in diesem Buch hat sich seine Sprache gewandelt. Sie ist nicht mehr so verspielt, sondern viel direkter – mir persönlich gefällt das Buch wahnsinnig», sagt Alder.

Weiter freut sich die 37-Jährige auf Martin Kordic. «Ich hatte das Glück, ihn auf einer Veranstaltung zu treffen.» Sein Buch sei noch nicht erschienen, «aber es wird durch die Decke gehen», sagt Alder mit Bestimmtheit. Interessant dürfte auch die Lesung von Julia von Lucadou sein, meint sie. Denn die Autorin behandelt in ihrem Buch «Tick Tack» die Jugend und deren Umgang mit sozialen Medien. Als wahnsinnig lustig bezeichnet Alder das Buch von Verena Rossbacher, Anaïs Meier war vergangenes Jahr für den Buchpreis nominiert, heuert hält sie mit ihrem neuen Buch eine Lesung. Den Auftakt zu den Buchtagen macht Judith W. Taschler, Monika Helfer und Joachim B. Schmidt sind weitere Autoren, die aus ihren Büchern vorlesen.

Das ganze Programm ist auf der Website der Buchtage einzusehen. Ebenfalls können dort Tickets für die Lesungen gekauft werden.