Weinfelden
Die Armee wirbt an der Wega mit einer Sonderschau – und Kinder können Granaten-Attrappen werfen

Die Organisatoren der Weinfelder Herbstmesse haben dieses Jahr die Schweizer Armee eingeladen. Diese hat eine grosse Sonderschau auf dem Schulhofplatz aufgestellt. Das führt nun zu Kritik.

Sabrina Bächi
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Dieses Bild führte zu Leserbriefen: Weil Kinder mit Wurfattrappen werfen können.

Dieses Bild führte zu Leserbriefen: Weil Kinder mit Wurfattrappen werfen können.

Bild: Arthur Gamsa

Die Schweizer Armee hat an der Weinfelder Herbstmesse Wega eine grosse Sonderschau auf die Beine gestellt. Dies auf dem gesamten Schulgelände des Oberstufenschulhauses Thomas-Bornhauser (TBS). Was für die Besucherinnen und Besucher einen Einblick in das Schaffen des Militärs ermöglicht, bedeutet für die Schülerinnen und Schüler des TBS vor allem den Verlust ihres Pausenplatzes.

Wie eine Mutter erzählt, sei seit über einer Woche das gesamte Gelände eingezäunt und die Schüler müssten teils von den Soldaten durch die Einzäunung gelassen werden. «Mein Sohn erzählte, er fühlte sich wie bei einem Checkpoint», sagt die Weinfelderin. Auch die Turnhalle hat das Militär in Beschlag genommen, sodass einige ihre Turnstunde draussen bei strömendem Regen und danach in einem Schulzimmer durchführen mussten.

Kinder und Erwachsene können mit dem Sturmgewehr auf Ziele schiessen. Natürlich nicht mit Munition sondern computersimuliert.

Kinder und Erwachsene können mit dem Sturmgewehr auf Ziele schiessen. Natürlich nicht mit Munition sondern computersimuliert.

Bild: Arthur Gamsa

«Ich störe mich schon daran, dass diese grosse Ausstellung auf dem Schulhofplatz ist», sagt die Mutter. Es gäbe in Weinfelden genügend Platz, man hätte sie auch an einem anderen Ort aufstellen können. «Zudem finde ich es auch schwierig für die ukrainischen Schüler, dass Panzer und Waffen dort ausgestellt sind.»

Thomas Wieland, Präsident der Schule Weinfelden, sagt: «Bis zu mir sind keine Reklamationen wegen der Sonderschau gelangt.» Er macht darauf aufmerksam, dass jede Wega für die Schülerinnen und Schüler Einschränkungen bedeutet. Auch dem Lehrerteam sei dies erklärt worden. Wenn Eltern das Gespräch wünschten, nehme er sich auch die Zeit, die Situation zu erklären.

Häuserkampf auf dem Sportplatz: Die Armee wirbt an der Wega.

Häuserkampf auf dem Sportplatz: Die Armee wirbt an der Wega.

Bild: Arthur Gamsa

Handgranaten-Wurfattrappen geben Anlass zu Diskussionen

Die «Thurgauer Zeitung» erreichten zwei Leserbriefe, deren Verfasser sich darüber enervieren, dass Kinder mit Wurfattrappen bespasst werden. Auch Katharina Alder stört sich an der Sonderschau. «Es ist legitim, wenn das Militär informieren will», sagt sie. Aber Kinder etwa mit interaktivem War-Gaming zu unterhalten, gehe nicht.

Lächeln für das Familienfoto in Armee-Kleidung. Auch das ist möglich auf dem Gelände der Sonderschau.

Lächeln für das Familienfoto in Armee-Kleidung. Auch das ist möglich auf dem Gelände der Sonderschau.

Bild: Arthur Gamsa

«Ich finde es himmeltraurig und habe von vielen gehört, die sich daran stören.» Sie hat sich vor einer Woche schriftlich bei der Messeleitung beschwert. «Jetzt ist es natürlich zu spät und ich weiss auch nicht, was man dagegen tun könnte. Aber die Messeleitung hätte sich die Frage stellen müssen, wie man damit umgeht, Kinder mit Kriegsspielen anzufixen», sagt die Weinfelder Buchhändlerin.

Seitens Messeleitung heisst es, dass nur wenig Reklamationen bezüglich Armee-Sonderschau eingegangen seien.

Der Leopard-Panzer fasziniert viele Kinder.

Der Leopard-Panzer fasziniert viele Kinder.

Bild: Arthur Gamsa