Weidetiere stürzen ab oder sind verängstigt: Ist ein Wolf im Toggenburg unterwegs?

Im Toggenburg ist ein Wolf in eine Fotofalle getappt. Kaum gesichtet, muss sich die St.Galler Regierung mit dem Raubtier befassen.

Henrike Hoppe
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Merkwürdige Todesfälle von Weidetieren: Ist ein Wolf der Übeltäter?

Merkwürdige Todesfälle von Weidetieren: Ist ein Wolf der Übeltäter?

Symbolbild: Benjamin Manser

Vermehrte Abstürze von Weidetieren wecken aktuell das Interesse von Bauern und Jagdverein im Toggenburg. Vor allem Kühe, so heisst es, seien teils verängstigt und aufgescheucht, im schlimmsten Fall stürzen sie in den Toggenburger Alpen zu Tode. Der Übeltäter? Ein Wolf. Das glaubt zumindest Mirco Gerig, Präsident der SVP Kreispartei Toggenburg. Der Kantonsrat sagt:

«Es ist natürlich nur eine Vermutung, dass hinter all diesen Vorfällen ein Wolf steckt.»

Dennoch hat er eine Einfache Anfrage an die St. Galler Regierung gerichtet, in der er der Sache auf den Grund gehen will: «Hat die Regierung Kenntnisse davon, dass ein Wolf in der Region Toggenburg ist?», will er wissen. Zudem fragt er, wie viele Tiere bereits durch den Wolf zu Tode gekommen seien und wie ihre Besitzer entschädigt werden sollen. Gerig schliesst mit der Frage: «Wie gedenkt die Regierung, die zunehmende Wolfspopulation dereinst zu regulieren?» Die Kantonsregierung ihrerseits hat sich noch nicht zu den Fragen geäussert.

Aus der Luft gegriffen ist Gerigs Vorstoss nicht: Nach den kuriosen Todesfällen hielt eine Fotofalle im Toggenburg das Raubtier fest, die vom Jägerverein installiert worden war.

Berggänger sichteten bereits 2015 einen Wolf

Dominik Thiel, Amtsleiter für Natur, Jagd und Fischerei, will sich nicht zum Wolf äussern, der möglicherweise im Toggenburg unterwegs ist. Zumindest solange, bis die Einfache Anfrage von der Regierung formell beantwortet ist.

Es wäre zumindest nicht die erste Sichtung eines Wolfes in der Region: Erstmals beobachtet wurde ein Artgenosse in den Toggenburger Alpen im Jahr 2015. Damals haben zwei Berggänger den Wolf während einer Wanderung erspäht. Der zuständige Wildhüter und ein Wolfspezialist der Stiftung Kora bestätigten damals, dass es sich tatsächlich um einen Wolf handelte. Pro Jahr erhält der Kanton St. Gallen etwa 10 bis 20 Wolfsmeldungen, so Thiel. Das Amt für Natur, Jagd und Fischerei geht jedoch nicht davon aus, dass es sich dabei immer um Wölfe handelt, da die Tiere gerne mit Hunden oder ähnlichen Tieren verwechselt werden.