Weiche Trends der Drogenszene

Cannabis, Kokain und Heroin gehören zu den beliebtesten Drogen. Die Polizei beobachtet aber, dass viele Kokain- und Heroinhändler auf weichere Drogen umstellen.

Julia Barandun
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Grosse Preisunterschiede: Ein Gramm Kokain kostet zehnmal so viel wie die gleiche Menge Cannabis. (Bild: ky/Martin Rütschi)

Grosse Preisunterschiede: Ein Gramm Kokain kostet zehnmal so viel wie die gleiche Menge Cannabis. (Bild: ky/Martin Rütschi)

Die Kantonspolizei hat am Donnerstag in St. Gallen einen 22-jährigen Serben kontrolliert. Der Mann führte 80 Gramm Heroin mit sich und wurde festgenommen. «Das ist ziemlich viel und geschieht nicht jeden Tag», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen. «Wenn einer Person Drogenhandel nachgewiesen werden kann, muss man mit einer Gefängnisstrafe von einem Tag bis zu drei Jahren rechnen. Eine Geldstrafe ist auch möglich», sagt Andreas Baumann, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft St. Gallen.

Praktisch alles strafbar

«Bei Drogen ist grundsätzlich alles ausser Anschauen strafbar», sagt Baumann. Nicht nur der Besitz, auch der Konsum könne Grund für eine Befragung sein. «Bei einem schweren Fall kann eine Haftstrafe zwischen einem Jahr und zwanzig Jahren verhängt werden», sagt Baumann. Bei Heroin- oder Kokainhandel liege eine schwere Straftat schneller vor als bei Cannabis-Handel: Bei Hanf müsse ein Umsatz von mehr als 100 000 Franken nachgewiesen werden. Bei Kokain genüge der Handel mit 18 Gramm, bei Heroin mit 12 Gramm der reinen Substanz.

«Im Trend sind momentan Cannabis, Kokain und Heroin», sagt Krüsi.

Während Cannabis in der Schweiz hergestellt werde, komme Kokain in erster Linie aus Holland und Spanien. Heroin werde vor allem aus dem Balkan in die Schweiz importiert. Auch preislich gibt es grosse Unterschiede: Für ein Gramm Cannabis werden zehn Franken verlangt, für ein Gramm Kokain das Zehnfache. Fünf Gramm Heroin kosten etwa 200 Franken. «Die Dealer passen sich immer wieder den momentanen Trends an», sagt Krüsi. Er stelle fest, dass Personen, die früher mit Kokain oder Heroin gehandelt hätten, auf weichere Drogen umschwenken würden. «Dabei spielen wahrscheinlich bessere Verdienstmöglichkeiten und geringere Strafen eine Rolle.»

Auch die Kantonspolizei Thurgau stellt fest, dass vor allem Marihuana, Kokain und Heroin beliebt seien. In der Partyszene seien aber auch die synthetischen Drogen regelmässig vertreten, sagt Matthias Graf, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau. Das sieht auch Jürg Niggli, Leiter der Stiftung Suchthilfe St. Gallen, so. «Bei Jugendlichen sind jedoch Alkohol, Nikotin und Cannabis die häufigsten Suchtmittel.»

Von Tabletten bis Kaufsucht

Wenn im höheren Alter Suchtmittel konsumiert würden, seien es vor allem Alkohol und Tabletten. Unter den riskanten Suchtverhalten sei Tabakkonsum schweizweit auf dem ersten Platz, sagt Niggli. Danach folge Fettleibigkeit und Kaufsucht. Medikamente und Alkohol sind laut Niggli stärker verbreitet als Cannabis. Danach komme Spiel- und Internetsucht und Heroin-, Kokain- und Ecstasykonsum.

Zentral sei aber der Umgang mit den Suchtmitteln, sagt Niggli. Gelegentlicher Cannabiskonsum sei weit weniger gefährlich als häufiger Alkoholkonsum. «In Zukunft werden wahrscheinlich künstlich hergestellte Suchtmittel leicht zunehmen», sagt Niggli. «Die Klassiker werden aber nicht vom Markt verschwinden.»

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