Wegweisender Chefarzt und universeller Denker

Zum Tod von Gerhard Dammann, Spitaldirektor und Ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Dienste Thurgau.

Marc Kohler, CEO Spital Thurgau AG
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Gerhard Dammann, 11. Dezember 1963 bis 20. Juni 2020.

Gerhard Dammann, 11. Dezember 1963 bis 20. Juni 2020.

PD

Am 20. Juni 2020 verstarb PD Dr. med. Gerhard Dammann mit nur 56 Jahren im Kantonsspital Münsterlingen nach kurzer, intensiver Krankheit. Er hinterlässt seine Frau Karin mit den vier Töchtern und zahlreiche Freunde auf der ganzen Welt. Die Spital Thurgau AG verliert mit ihm einen ausserordentlich anerkannten Spitaldirektor und Ärztlichen Direktor, der die Psychiatrischen Dienste Thurgau (PDT) über fast 15 Jahre national und international neu orientierte und prägte.

In Algerien geboren

Geboren in Oran / Algerien studierte er Medizin, Psychologie, Soziologie, Philosophie und Neuere deutsche Literaturwissenschaft in Tübingen, Hagen, Paris und Basel. Es folgten die Weiterbildungen in Psychotherapie in München und in Betriebswirtschaft in Lüneburg, sowie vier Jahre als Oberarzt in der Psychiatrischen Universitätsklinik in Basel. 2006 übernahm Gerhard Dammann als 41-Jähriger die Gesamtverantwortung für die PDT. In seiner sehr intensiven Zeit in Münsterlingen habilitierte er sich, lehrte als Privatdozent in Salzburg, Zürich und St. Gallen sowie als Honorarprofessor in Kiew und Tscherniwzi (Ukraine). 2018 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Medizinischen Universität Charkiw (Ukraine).

Breite und komplette fachliche Qualitäten

Schon bei den Vorstellungsgesprächen für die Klinik Münsterlingen vor rund 15 Jahren wurden die hohen persönlichen Qualitäten, Werte und Ambitionen von Gerhard Dammann rasch offensichtlich. Das Ziel, eine «Ära Dammann» in den Psychiatrischen Diensten Thurgau zu gestalten, kristallisierte sich schon damals heraus. Seine breiten und kompletten fachlichen Qualitäten und Erfahrungen als Psychiater und Psychotherapeut mit dem Spezialgebiet der Borderline-Störungen, seine immer wieder verblüffende Schaffenskraft und auch sein Ehrgeiz – oder vielleicht besser seine Ansprüche an sich selbst – wurden dann in den weiteren Jahren stetig gefestigt und noch akzentuiert.

Heute blicken wir auf die 14 Jahre von Gerhard Dammann in den PDT als fachlich sehr hochwertig und patientengerecht für alle zurück. Bis zum Schluss betreute er einige langjährige Patienten immer selber und mit grosser Empathie. Gut integrierte medizinische / psychiatrische Angebote und viele strategisch wichtige Neuerungen haben Modellprojekt-Charakter für die Schweiz und positionieren die PDT als sehr zukunftsorientiert. Das ist viel mehr, als man üblicherweise von einem Ärztlichen Direktor erwarten darf.

Als Lehrer und Mentor engagiert

Wichtig war ihm auch immer die breite Aus- und Weiterbildung von jungen Ärzten und Psychiatern. Dafür hat er sich immer stark auch persönlich als Lehrer und Mentor engagiert. So lässt er heute eine grosse Gruppe von Fachleuten zurück, welche durch seine Schule gegangen sind.

In der Geschäftsleitung der Spital Thurgau AG übernahm Gerhard Dammann oft auch die Rolle eines Senior Advisors: Als Psychiater in einer mehrheitlich eher akutmedizinisch geprägten Gruppe durfte und sollte er immer auch etwas unbequeme Fragen stellen und Entscheidungen quasi als Advocatus Diaboli auf die Probe stellen. Seine menschliche Tiefe und Sensibilität kamen dann für uns besonders zugute. Für die Spital Thurgau war das ausserordentlich wertvoll, und es zeigt auch die steigende Vernetzung innerhalb der Gruppe in den letzten Jahren.

International bedeutende Kunstsammlung aufgebaut

Wie schon in seiner Ausbildung blieben die Interessen von Gerhard Dammann sehr vielfältig – nicht nur im Beruf. Mit seiner Frau Karin baute er über die Jahre als leidenschaftlicher Kenner und Sammler für Art Brut eine heute international bedeutende Kollektion auf. So viele Facetten einer Persönlichkeit findet man selten, und für so viele Erfolge brauchen die meisten Menschen mehr als ein Leben. Zusammenfassend hat Gerhard Dammann in den Psychiatrischen Diensten Thurgau effektiv eine eigene Ära mit hoher interner und externer Ausstrahlung und Image in der Schweiz und im Ausland nachhaltig geprägt. Damit reiht er sich gut ein in die Galerie der international anerkannten Münsterlinger Psychiatrie-Chefärzte.

Umgekehrt sind es ergo auch sehr grosse Fussstapfen, die Gerhard bei uns hinterlässt und eine entsprechend grosse Lücke – als Psychiater, als Stratege, als komplexer Denker – ganz persönlich aber auch als Mensch und wertvoller Freund. Wir werden ihn immer in sehr ehrenvollem und dankbarem Andenken behalten.

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