Wegen Tollwutverdachts eingeschläfert

Kürzlich wurde in einem Waldstück bei Algetshausen ein junger Hund gefunden. Ein Chip verriet die Herkunft des Tiers: Es stammte aus Tunesien. Wegen Verdachts auf Tollwut musste der Yorkshire-Terrier-Mischling eingeschläfert werden.

Christa Kamm-Sager
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Ein Yorkshire Terrier, wie er in Uzwil gefunden wurde. (Bild: ky/Reed Saxon)

Ein Yorkshire Terrier, wie er in Uzwil gefunden wurde. (Bild: ky/Reed Saxon)

UZWIL. Wie der drei bis vier Monate alte kranke Hund, der ursprünglich aus Tunesien stammte, in den Wald bei Algetshausen gelangte, ist für das St. Galler Veterinäramt ein Rätsel.

Einschläfern bei der Diagnose

Tollwut ist in der Schweiz und den Nachbarländern seit den 90er-Jahren ausgerottet. Umso hellhöriger wurde das St. Galler Veterinäramt, als der kleine Mischlingshund vom Typ Yorkshire Terrier in schlechtem Zustand bei der Waldhütte Gartenmoos in der Gemeinde Uzwil aufgefunden wurde. Sein Chip verriet: Der Hund stammte aus Tunesien. Da ein Hund erst mit drei Monaten gegen Tollwut geimpft wird und die Impfung erst nach vier Monaten greift, darf kein Hund legal aus Tollwut-Risikoländern wie Tunesien importiert werden, wenn er nicht sieben Monate alt ist. «Die Anzeichen für eine Tollwut-Erkrankung sind zu Beginn sehr unspezifisch», sagt Kantonstierarzt Albert Fritsche. «Erst am Schluss der Viruserkrankung wird ein Tier aggressiv und hat Schaum vor dem Mund.» Der kleine Hund aus Tunesien musste eingeschläfert werden, weil am lebenden Tier die Diagnose nicht gestellt werden kann.

Im Wäschekorb über die Grenze

Albert Fritsche ist als Kantonstierarzt immer wieder mit Tieren aus zweifelhafter Herkunft konfrontiert. «Etwa ein bis zwei Mal in der Woche erhalten wir eine Meldung vom Grenzwachtkorps, weil ein Tier beim Grenzübertritt nicht über korrekte Papiere verfügt, nicht gechipt, oder die Herkunft des Tieres unklar ist.» Er erinnert sich an einen Fall, bei dem ein Welpe in einem Wäschekorb, versteckt im Gepäckabteil eines Busses, über die Grenze hätte gebracht werden sollen. Manchmal ist es Unwissenheit, nicht selten würden Tiere aber auch bewusst illegal über die Grenze gebracht und in der Schweiz verkauft.

«Für mich gilt: Hände weg vom Welpenkauf im Internet», sagt der Kantonstierarzt. Sobald der Züchter nicht besucht werden könne oder eine Übergabe des Tieres an einer Autobahnraststätte oder dergleichen vereinbart werde, sei der Sache nicht zu trauen. «Ein lebendiges Tier ist kein Kleidungsstück oder ein Auto, das man kaufen und dann wieder weglegen kann.»