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Wegen rückläufiger Fallzahlen: Innerrhoder Regierung überdenkt den geplanten Spitalneubau

Weil das Spital Appenzell weiterhin rote Zahlen schreibt, prüft die Innerrhoder Regierung derzeit, ob der geplante Neubau mit gutem Gewissen realisiert werden kann. Dies, obwohl die Landsgemeinde 2018 einem Kredit von 41 Millionen zugestimmt hatte.
Claudio Weder
Auch die Konsultationen von Notfall und Rettung haben sich am Spital Appenzell negativ entwickelt. (Bild: Ralph Ribi)

Auch die Konsultationen von Notfall und Rettung haben sich am Spital Appenzell negativ entwickelt. (Bild: Ralph Ribi)

An der Landsgemeinde 2018 hat das Innerrhoder Stimmvolk einen Kredit von 41 Millionen Franken für den Neubau des Spitals Appenzell angenommen. Ob das geplante Ambulante Versorgungszentrum Plus (AVZ+) tatsächlich realisiert wird, ist zurzeit aber noch ungewiss: «Die Standeskommission prüft, ob das Projekt wie geplant weitergeführt werden kann – oder ob wir ein Moratorium oder einen Projektstopp beschliessen müssen», sagt Antonia Fässler, Gesundheitsdirektorin und Verwaltungsratspräsidentin des Spitals Appenzell. Grund dafür ist das wachsende Defizit des Betriebs.

Im April wurde die Standeskommission vom Grossen Rat beauftragt, auf Basis der Halbjahreszahlen 2019 einen Zwischenbericht über die betriebliche Entwicklung des Spitals Appenzell zu verfassen. Dieser liegt nun vor – und spricht eine deutliche Sprache:

«Die Standeskommission, der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung des Gesundheitszentrums sind besorgt über die Betriebsergebnisse. Die Entwicklung zeigt deutlich in die falsche Richtung.»

Stationäre Fälle sind weiterhin rückläufig

Sorge bereiten den Spitalverantwortlichen vor allem die stationären Fallzahlen, die sich – im Gegensatz zu den ambulanten Fällen – seit dem zweiten Quartal 2018 rückläufig entwickeln. 2018 konnten 930 stationäre Fälle verbucht werden, was einem Rückgang von 8,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht (siehe Grafik). Nicht viel rosiger sieht es im Jahr 2019 aus: Im ersten Halbjahr wurden am Spital Appenzell 428 Fälle stationär behandelt. Verglichen mit dem ersten Halbjahr 2018 (514 Fälle) sind dies 17 Prozent weniger.

Für den Rückgang bei den stationären Fallzahlen sind im Bericht mehrere Gründe aufgeführt: Der Rückgang gehe zum einen auf eine bundesrechtliche Neuregelung zurück, die Anfang 2019 in Kraft trat und zur Folge hatte, dass ein Teil der früher stationär behandelten Fälle neu ambulant behandelt werden. Zum anderen seien die erwarteten positiven Auswirkungen nach dem Landsgemeindeentscheid 2018 ausgeblieben. Zusätzliche Belegärzte konnten – entgegen der Hoffnungen – bis anhin nicht gewonnen werden. Auch seien die Zuweisungen ans Spital Appenzell nach dem Landsgemeindeentscheid zurückgegangen.

Neben einem Rückgang der Fallzahlen in der Allgemeinen Inneren Medizin und der Orthopädie sei es insbesondere auch die Allgemeine Chirurgie, die sich – gerade im stationären Bereich – nicht wie erwartet etablieren konnte. Auch die Konsultationen von Notfall und Rettung haben sich rückläufig entwickelt.

Antonia Fässler, Gesundheitsdirektorin AI. (Bild: PD)

Antonia Fässler, Gesundheitsdirektorin AI. (Bild: PD)

Der Rückgang der stationären Fallzahlen schlägt sich letztlich im Finanzergebnis des Spitals nieder: Die Erfolgsrechnung für das erste Halbjahr 2019 weist einen Verlust von 588000 Franken aus und bewegt sich damit auf Vorjahresniveau. Es ist laut Bericht zu erwarten, dass sich für 2019 das Defizit – wie schon im Vorjahr – auf einem Niveau von 1,2 bis 1,4 Millionen Franken bewegen dürfte.

Entscheid fällt Ende Januar 2020

Am 21. Oktober wird der Bericht im Grossen Rat behandelt. Bis Ende Januar 2020 wird die Standeskommission entscheiden, inwieweit sich das Spitaldefizit auf die Umsetzung des AVZ+ auswirken wird. «Der Entscheid wird letztlich davon abhängen, wie sich die bereits eingeleiteten Massnahmen zur Umsatzstärkung und Verbesserung der medizinischen Qualität des Spitals auswirken», sagt Antonia Fässler.

Welche Konsequenzen ein Projektstopp hätte, kann die Gesundheitsdirektorin derzeit nicht sagen. Rein rechtlich gesehen wäre die Regierung befugt, den Landsgemeindeentscheid nicht umzusetzen. Fässler sieht im Ja zum AVZ+ allerdings einen Auftrag der Bevölkerung, das Projekt so zu realisieren, wie es vorgelegt wurde.

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