Wegen Misshandlung und Vernachlässigung: Tierschutzaktivisten zeigen zwei St.Galler Schweinezüchter an

Die Liste der Vorwürfe ist lang: Hinkende Tiere, unbehandelte Nabelbrüche, abgebissene Schwänze und starke Verschmutzungen durch Exkremente. Die Stiftung für das Tier im Recht reicht gegen zwei St.Galler Schweinezüchter Strafanzeige ein.

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Missstände im Schweinestall: Die Stiftung für das Tier im Recht reicht gegen zwei St.Galler Züchter Strafanzeige ein.

Missstände im Schweinestall: Die Stiftung für das Tier im Recht reicht gegen zwei St.Galler Züchter Strafanzeige ein.

Symbolbild: Keystone

(nh) Zu elf Schweineställe in der Deutschschweiz haben sich Tierschutzaktivisten im vergangenen Jahr Zutritt verschafft. Von den Missständen, die sie vorfanden haben sie heimlich Bild- und Videoaufnahmen erstellt. Die Bilder zeigen von Insekten geplagte, stark verdreckte, gestresste und verletzte Tiere, wie der «TagesAnzeiger» schreibt, dem die Bilddokumente nebst der Sendung «Kassensturz» zur Verfügung gestellt worden waren.

Die Stiftung für das Tier im Recht hat aufgrund der Aufnahmen Strafanzeigen gegen neun Schweinehalter in fünf Kantonen. Darunter nebst Zürich, Bern, Luzern und Solothurn auch St.Gallen. Zwei Betriebe wurden angezeigt, wie die Stiftung auf Anfrage mitteilt.

Kannibalismus in einem Rheintaler Betrieb

In einem Betrieb im Rheintal seien die Aktivisten auf teilweise starke Verschmutzungen gestossen. Zudem fanden sie ein Tier mit angebissenem Schwanz vor. Vanessa Gerritsen, Geschäftsleiterin der Stiftung für das Tier im Recht, sagt:

«Kannibalismus ist ein starkes Indiz für fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten.»

Und weiter: Die offene Wunde am verletzten Schwanz ziehe die Frage nach sich, ob dem Tier eine adäquate Pflege zuteil werde.

Abgebissener Schwanz und unbehandelter Nabelbruch

Gegen einen Betrieb im Wahlkreis See-Gaster wurde ebenfalls Strafanzeige eingereicht. Auch dort stiessen die Aktivisten gemäss eigenen Angaben auf starke Verschmutzungen durch Exkremente. «Auch hier findet sich ein Tier mit sogar gänzlich abgebissenem Schwanz, der Stummel wird von den Artgenossen wiederholt angeknabbert», sagt Gerritsen. Das Tier müsse dringend separiert und gepflegt werden. Zudem sei auf den Videoaufnahmen ein hinkendes Schwein und ein Tier mit Nabelbruch zu sehen.

Die Stiftung spricht von Vernachlässigung, Misshandlung und Verstössen gegen die Tierhalterpflichten. Die angeprangerten Schweinehalter dagegen machen gegenüber dem «TagesAnzeiger» eine Diffamierungskampagne geltend. «In jedem Saustall gibt es Momente, in denen etwas nicht rundläuft», lässt sich ein Schweinemäster zitieren.

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