Wegen einer Beule im Tunnel: Totalsperrung der Bahnstrecke Herisau – St.Gallen Haggen könnte verlängert werden

Wegen der Sanierung des Sitterviadukts und der Sturzeneggbrücke ist die Bahnstrecke Herisau-St.Gallen Haggen derzeit gesperrt. Nun haben Facharbeiter eine Deformation am Gewölbe des Sturzeneggtunnels festgestellt. Nun bleibt die Bahnstrecke wohl noch länger gesperrt.

Janina Gehrig
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Grossbaustelle: Sicht vom Hügel über dem Sturzeneggtunnel auf das Sitterviadukt. (Bild: Marlen Hämmerli)

Grossbaustelle: Sicht vom Hügel über dem Sturzeneggtunnel auf das Sitterviadukt. (Bild: Marlen Hämmerli)

Der Eingang des Sturzeneggtunnels ist abgesperrt. Ein Kompressor rattert vor sich hin, von weitem ist das Quietschen eines Zugs zu hören, der über die benachbarte SBB-Sitterbrücke fährt. In 15 Tagen, pünktlich zum Ende der Schulferienzeit, sollten auch die Züge der Südostbahn (SOB) wieder durch den Tunnel und über das Sitterviadukt fahren. Nun könnte sich der Zeitpunkt der Wiedereröffnung der Bahnstrecke um mehrere Tage verzögern. Mitte Juli haben Arbeiter eine Deformation am Gewölbe des 224 Meter langen Sturzen­eggtunnels festgestellt. «Beim Ausfräsen des Bodens ist eine Art Beule an der Tunnelwand entstanden», sagte Markus Barth, Leiter Infrastruktur der SOB, am gestrigen Infoanlass auf der Baustelle.

Hunderte Tonnen Kies, um die Tunnelwand zu stabilisieren

Wo der Boden des Tunnels tiefergelegt wurde, ist auf einer Länge von 20 Metern verwitterte Erdschicht abgerutscht. Sofort wurden Sicherungsmassnahmen eingeleitet. «Wenn wir nicht gehandelt hätten, wäre ein Teil des Tunnels eingestürzt», sagt Barth. So habe man Hunderte von Tonnen Kies hergekarrt und das Tunnel an der Stelle damit aufgefüllt, um Gegendruck zu erzeugen. Mit Stahlnägeln wurde die Tunnelwand zudem zurückverankert. Noch immer seien die Arbeiter daran, die Wand mit Spritzbeton und Armierungseisen zu befestigen. Erst dann kommt das Kies wieder raus.

Die entstandenen Mängel seien bautechnisch zwar relativ einfach zu beheben, sie verzögerten die Arbeiten aber wohl um mehrere Tage. Die Chancen, dass die Züge zwischen Herisau und St. Gallen Haggen am Samstag, 10. August, wieder über die neu verlegten Gleise rattern, stehen laut Barth bei 50 Prozent. Möglich ist auch, dass sich die Arbeiten bis auf den Schulstart oder gar über weitere Tage erstrecken. Dann müssten die Pendler noch länger auf die Bahnersatzbusse ausweichen, die seit dem 6. Juli im Einsatz sind und die Fahrtzeiten um 10 bis 15 Minuten verlängern.

Mehrkosten von bis zu drei Millionen Franken

Auch die Kosten steigen durch den Zwischenfall. «Wir rechnen mit Mehrkosten zwischen eins bis drei Millionen Franken», sagt Barth. Mediensprecher Christopher Hug betont, für die Passagiere habe nie eine Gefahr bestanden. Das Problem mit dem deformierten Gewölbe sei erst mit den Bauarbeiten aufgetreten. Dass der Boden überhaupt abgesenkt werden muss, hat mit neuen Vorgaben des Bundesamts für Strassen (Astra) zu tun. Künftig sollen nämlich auch Doppelstockzüge den Tunnel passieren können. Dafür werden ausserdem Felsteile, die in den Tunnel ragen, abgefräst. Ausserdem wird der Tunnel entwässert und ein neuer Kabelkanal eingebaut.

Dass der Bahnbetrieb während fünf Wochen eingestellt worden ist, habe für die Bauarbeiten einerseits viele Vorteile. «Was wir in fünf Wochen in zwei bis drei Schichten schaffen, dauerte bei reiner Nachtarbeit rund ein halbes Jahr», sagt Barth. Zudem erreiche man eine höhere Bauqualität und eine bessere ­Sicherheit für die Arbeiter und spare rund 20 Prozent der Sanierungskosten. Andererseits berge der enge Zeitplan auch Risiken, da für Unvorhergesehenes keine Zeitreserven bestehen.

Sitterviadukt-Sanierung liegt im Zeitplan

Planmässig verläuft derweil die Sanierung des 100 Jahre alten Sitterviadukts östlich des Sturzeneggtunnels. Die 120 Meter lange und knapp 1000 Tonnen schwere Stahlkonstruktion wurde letztmals vor 40 Jahren saniert. Pavillons spenden wenig Schatten. Musik klingt aus einem Radio. Bei sengender Hitze streichen die Arbeiter Rostschutzmittel auf die Metallträger. Zudem muss der Schotter abgetragen, der Boden ausgehoben und schliesslich neu abgedichtet werden.

Die höchste Eisenbahnbrücke der Schweiz wurde in den Jahren 1907 bis 1090 erbaut (siehe Text unten). Die ­Gesamtsanierung der Brücke und des Tunnels kostet 15 Millionen Franken und ist seit Februar dieses Jahres im Gange.