Wegen Corona: Nicht alle St.Galler Kinder verbringen die Ferien daheim – Gemeinden müssen innert kurzer Zeit Betreuungsangebot aufgleisen

Die St.Galler Gemeinden müssen auch in den Ferien die Notbetreuung für Schulkinder sicherstellen. Sie setzen auf das bestehende Angebot.

Noemi Heule
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Einige wenige Schülerinnen und Schüler werden auch während der Ferien in der Schule betreut.

Einige wenige Schülerinnen und Schüler werden auch während der Ferien in der Schule betreut.

Bild: Getty

Der Auftrag kam kurzfristig: Am Samstag teilte der Kanton St.Gallen mit, dass die Kinderbetreuung wegen der Coronakrise ausnahmsweise auch während der Frühlingsferien sichergestellt werden müsse. Und delegierte diese Aufgabe weiter an die Gemeinden. Sie tragen die Verantwortung, dass kein Kind während der Ferien unbeaufsichtigt bleibt. Ihnen bleibt somit eine Woche, um Betreuungsangebote aufzugleisen.

Christian Sepin, Gemeindepräsident Au.

Christian Sepin, Gemeindepräsident Au.

Bild: Monika Von Der Linden (2. März 2020)

Dieser kurzen Zeitspanne zum Trotz bleiben die Gemeindeoberhäupter kantonsweit gelassen. Sie befinden sich ohnehin im Krisenmodus; das Improvisieren gehört zum Alltag im Ausnahmezustand dazu. Kritik am kurzfristigen Vorgehen des Kantons ist denn auch kaum zu hören. «Im Moment tun alle, was sie können», sagt etwa der Gemeindepräsident von Au, Christian Sepin. Und fügt an:

«Ein langes und grosses Debattieren über Beschlüsse der Regierung ist in solchen Situationen absolut nicht förderlich.»

Ähnlich tönt es aus Walenstadt: In Zeiten einer nationalen Krise müssten alle am gleichen Strick ziehen und sich gegenseitig unterstützen.

Kein grosser Ansturm erwartet

Auch die Lösungen sind allerorts ähnlich: Bereits jetzt müssen die Schulen eine Notbetreuung für Kinder anbieten, deren Eltern die Betreuung zu Hause nicht stemmen können. Die Gemeinden suchen deshalb erneut die Zusammenarbeit mit den Schulträgern und führen diese Notlösung fort. Dies wird etwa in der Stadt St.Gallen so gehandhabt. Während der Schulferien werde der Notbetrieb weitergeführt, heisst es dort.

Urs Blaser, Schulpräsident Gossau.

Urs Blaser, Schulpräsident Gossau.

Bild: Ralph Ribi (29. August 2019)

Auch die Tagesstrukturen – Mittagstische oder Nachmittagsbetreuung – werden nun während der Schulferien aufrechterhalten. In einigen Gemeinden stellt dies ohnehin den Regelfall dar. Etwa in Wil, wo eine Ferienbetreuung sowieso dazugehört. Dennoch werden solche Angebote wohl nur spärlich genutzt. Der Gossauer Schulpräsident Urs Blaser sagt:

«Die Notbetreuung wird nur von wenigen Kindern und Eltern beansprucht, sodass ich auch für die Frühlingsferien nicht von einem grossen Ansturm ausgehe.»

Boris Tschirky, Präsident der Vereinigung der St.Galler Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten, betont ebenfalls, dass es sich nur um eine Notbetreuung handle und kein Angebot, um die Kinder abzugeben, sollte es ihnen zu Hause langweilig werden.

Boris Tschirky, Präsident der Vereinigung der St.Galler Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten.

Boris Tschirky, Präsident der Vereinigung der St.Galler Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten.

Bild: Benjamin Manser (8. März 2018)

«Die meisten Gemeinden müssen nun kein neues Angebot aus dem Boden stampfen, sondern können auf Bestehendem aufbauen», fasst Tschirky zusammen. Nebst Notbetreuung und Tagesstrukturen sei es etwa denkbar, dass Kitas einbezogen würden. Wie die Lösung in seinem Hoheitsgebiet, der Gemeinde Gaiserwald, aussehen wird, weiss er noch nicht im Detail. Dennoch bleibt auch Tschirky gelassen, zumal das Angebot wegen der Osterfeiertage in den beiden Ferienwochen nur an jeweils vier Tagen greifen müsse. Wie viele andere seiner Kollegen in den Gemeinden und Schulgemeinden ist er sich sicher: Die Zeit bis zu den Frühlingsferien reicht aus.

Die Lehrer müssen sich vorbereiten

Der Kanton hat die Kinderbetreuung an die Gemeinden delegiert, um die Lehrer zu entlasten. Er bereitet sich mit seiner Mitteilung vom Samstag für den Fall vor, dass der Bundesrat das Verbot des Präsenzunterrichts über den 19. April hinaus verlängert. Während der Fernunterricht bisher vor allem der Repetition diente, sollen nach den Ferien neue Inhalte gelehrt werden. Der Kanton schreibt:

«Nach den Frühlingsferien werden die Schulen den Fernunterricht intensivieren.»

Die Lehrerinnen und Lehrer sollen die Frühlingsferien nutzen, um sich auf die neue Aufgabe vorzubereiten, schreibt der Kanton weiter. Nur um sich zum Schluss zu widersprechen, wenn es heisst: «Wo Bedarf besteht und die vorrangige Unterrichtsvorbereitung es zulässt, können sich unter dem Lead der politischen Gemeinden auch Lehrpersonen für die Betreuung einsetzen lassen.» Die meisten Gemeinden kommen dennoch ohne Lehrerinnen und Lehrer aus und setzen stattdessen Klassenassistenzen, Hausaufgabenhilfen oder Praktikanten für die Notbetreuung ein.