Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

«Weder polemisch noch ein Haudegen»: Warum der Innerrhoder Säckelmeister Ruedi Eberle kein typischer SVP-Politiker ist

Ruedi Eberle will für die SVP den einzigen Innerrhoder Nationalratssitz erobern. Seine Parteizugehörigkeit sieht der Säckelmeister aber nicht als Vorteil.
Claudio Weder
Ruedi Eberle ist seit 1996 Geschäftsführer des Golfplatzes Gonten. (Bild: Claudio Weder)

Ruedi Eberle ist seit 1996 Geschäftsführer des Golfplatzes Gonten. (Bild: Claudio Weder)

Die CVP ist ihm zu links, die FDP, vor allem in europapolitischen Fragen, zu progressiv. Und auch mit seiner eigenen Partei, der SVP, ist der amtierende Innerrhoder Säckelmeister nicht immer gleicher Meinung. Ihm wird sogar nachgesagt, er sei kein typischer SVPler. Dennoch sei die SVP, der Ruedi Eberle seit 20 Jahren angehört, diejenige Partei, in der er sich am wohlsten fühlt. Für sie will er am 20. Oktober den einzigen Innerrhoder Sitz im Nationalrat erobern.

Dabei schien mit der letztjährigen Wahl in die Standeskommission für den ehemaligen Gontner Grossrat und Bezirkshauptmann das höchste Ziel erreicht zu sein. «Damals hätte ich mir nicht vorstellen können, einmal für den Nationalrat zu kandidieren», sagt Eberle. Vor allem deshalb nicht, weil ihn die kantonale Politik immer mehr interessiert habe als die Bundespolitik. Das sieht er heute anders:

«Durch meine Arbeit in der Regierung habe ich Lust auf die Bundespolitik bekommen.»

Ihm sei bewusst geworden, welche Vorteile der direkte Draht nach Bern, den die Innerrhoder Regierung traditionsgemäss seit Jahrzehnten pflegt, für den Kanton mit sich bringe. Als die Anfrage seiner Partei kam, zögerte Eberle keine Minute. «Jetzt oder nie, sagte ich mir.»

Einst Landwirt, jetzt Unternehmer

Die Verbindung zwischen Kantonsregierung und Bundesparlament ist für den gebürtigen St. Galler Oberländer, der seit über 25 Jahren in Innerrhoden lebt, aber nicht der einzige Grund für eine Kandidatur. Es fehle im Bundesparlament an Unternehmern, sagt er. Eberle, seit 1996 Geschäftsführer des Golfplatzes Gonten, ist überzeugt, dass unternehmerisches Denken in der Politik von Nutzen sei. Gerade Finanzkompetenz sei wichtig, gehe es doch bei vielen politischen Entscheiden letztlich um Geld.

Unternehmer war Eberle nicht von Anfang an. Nach seiner Ausbildung zum Meisterlandwirt arbeitete er fünf Jahre lang als Besamungstechniker, bevor er vor über 20 Jahren umsattelte. Dennoch: Den Bezug zur Landwirtschaft hat der 52-Jährige nicht verloren. «Gerade wenn es um die Pflege des Golfrasens geht, kommt der Bauer in mir wieder zum Vorschein», sagt Eberle und lacht.

Keine Zeit mehr für Geschäftsführung

Nationalrat zu sein, hätte aber auch einen Nachteil. Weil Eberle, wie er immer wieder betonte, im Falle einer Wahl sein Mandat in der Standeskommission behalten würde, müsste er aus Zeitgründen die Geschäftsführung des Golfplatzes abgeben. An wen, das verrät er erst, wenn es tatsächlich so weit kommen sollte. «Ich habe diesbezüglich schon einiges vorbereitet, sodass wir in der Lage wären, schnell zu handeln.»

Die Geschäftsleitung abgeben – das bereitet Ruedi Eberle zurzeit noch Magenschmerzen. Er habe diese Arbeit immer sehr geschätzt, sagt er. Um den Bezug zum Unternehmen nicht zu verlieren, will er der Golf Gonten AG jedoch als Verwaltungsrat erhalten bleiben. Ebenso wichtig sei es ihm, weiterhin den Kontakt zur Bevölkerung zu pflegen und sich auch hie und da an einen Stammtisch zu setzen.

«Wer in einem nationalen Gremium sitzt, läuft schnell Gefahr, abzuheben.»

Und abheben ist etwas, das Ruedi Eberle, der bekannt ist für seine bodenständige Art, nicht behagt.

«Die SVP hat in Innerrhoden nicht den besten Ruf»

Mit Eberles Kandidatur kommt Spannung in den Wahlkampf. Um den Innerrhoder Nationalratssitz kämpfen SP-Parteipräsident Martin Pfister sowie Frau Statthalter Antonia Fässler und alt Säckelmeister Thomas Rechsteiner, beide CVP. Welchen Vertreter die Christlichdemokraten letztlich ins Rennen schicken, entscheidet die Parteibasis an der Nominationsversammlung am 21. August.

«Für die CVP bin ich ein Spielverderber», sagt Eberle. «Diejenigen Stimmen, die Martin Pfister nicht erhalten wird, werden sich auf mehrere Personen verteilen.» Dadurch habe die CVP kein so leichtes Spiel mehr wie noch in den Jahren 2011 und 2015, als sich Daniel Fässler beide Male klar gegen Martin Pfister durchsetzte.

Ein «Handicap» könnte Eberles Parteizugehörigkeit sein. «Die SVP geniesst in Innerrhoden nicht den besten Ruf», sagt der Säckelmeister. Dies habe er bereits bei den vergangenen Standeskommissionswahlen zu spüren bekommen. Bevor er 2018 als erster Vertreter der SVP in die Innerrhoder Regierung gewählt wurde, kandidierte Eberle bereits 2008 als Landammann sowie 2015 als Landeshauptmann. Beide Male ohne Erfolg.

Dass die SVP in Innerrhoden Mühe hat, Fuss zu fassen, sei erstaunlich, sagt Eberle. Denn die Partei verkörpere eigentlich genau jene Werte, die auch die Mehrheit der Innerrhoder Bevölkerung prägen: etwa Unabhängigkeit, Selbstbestimmung oder Konservativismus. Den Grund für den schlechten Ruf der SVP sieht Eberle in bestimmten Haltungen begründet, welche einzelne Exponenten innerhalb der Schweizerischen Partei vertreten würden. «Gerade die extremen Positionen kommen in Innerrhoden nicht gut an.»

Den Klimawandel ernst nehmen

Eberle dagegen vertritt eine moderate Haltung. «Ich bin weder polemisch noch bin ich ein Haudegen.» Einige Zeit politisierte er für die CVP, damals noch in seinem Heimatort Mels. Und auch sein politisches Vorbild, alt Landammann Carlo Schmid, gehört jener Partei an, aus der Eberle später austrat, weil er sie als zu links empfand.

Als zu links könnte auch Eberle selbst wahrgenommen werden – vor allem im Auge des einen oder anderen SVP-Wählers. Schliesslich politisiert Eberle, wie er selbst sagt, hie und da entgegen der Linie seiner Partei. So gehört er etwa nicht zu jenen SVP-Exponenten, welche den Klimawandel als Modeerscheinung abtun.

«Gerade in Innerrhoden müssen wir die Veränderungen des Klimas ernst nehmen. Ein grosser Teil der Bevölkerung arbeitet im Landwirtschaftssektor. Und die Landwirtschaft ist derjenige Bereich, der die Auswirkungen des Klimawandels am stärksten zu spüren bekommt.»

Dass Eberle «nicht so entscheidet, wie die Partei das will, sondern so, wie ich es persönlich für richtig halte», ist letztlich aber nicht Ausdruck von Revoluzzertum, sondern vielmehr Zeichen dafür, dass in Innerrhoden die Parteizugehörigkeit eine untergeordnete Rolle spielt. Genauso tut es die Herkunft. Dass Eberle einen anderen Dialekt spricht, sei kein Nachteil. «Das Volk wählt letztlich nicht diejenige Person ins Amt, welche die Innerrhoder Bevölkerung am besten repräsentiert, sondern diejenige, von der es glaubt, dass sie sich am besten im Parlament für den Kanton einsetzt.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.