Wattwil will Zentrum verschönern, um Ladensterben vorzubeugen

Die Wattwiler Stimmbürger befinden in einer Woche über einen Kredit von knapp acht Millionen Franken. Der Gemeinderat möchte zwei Strassen im Dorfzentrum einladender gestalten. Ein Auslöser für die Abstimmung ist die Angst vor dem Ladensterben.

Martin Knoepfel
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Egal ob Autofahrer, Lastwagenfahrer oder Töfffahrer: Wer heute von Wil oder St.Gallen her kommend ins Obertoggenburg will, fährt durch Wattwil. Dasselbe gilt für die Gegenrichtung. Besonders belastet sind die Wiler- und die Ebnaterstrasse. Doch das Ende ist absehbar: 2022 wird aller Voraussicht nach die zweite Etappe der Umfahrung Wattwil eröffnet und Wattwil damit vom Durchgangsverkehr ins Obertoggenburg entlastet.

Das hat allerdings einen Haken. Weniger Verkehr bedeutet auch weniger Umsatz in den Verkaufsgeschäften im Zentrum des Dorfes. An anderen Orten im Toggenburg war dieser Effekt nach der Inbetriebnahme von Ortsumfahrungen jedenfalls zu beobachten.

Kredit habe keinen Einfluss auf den Steuerfuss

Der Gemeinderat von Wattwil will deshalb die Gelegenheit ­nutzen, um die Strassen zwischen dem Bahnhof und der Wilerstrasse zu erneuern. Dabei handelt es sich um den nördlichen Teil der Bahnhofstrasse zwischen Bahnhof und Thurbrücke sowie um die Poststrasse zwischen der Thurbrücke und der Wilerstrasse. Dazu beantragt der Gemeinderat den Stimmbürgern einen Kredit von 7,85 Millionen Franken.

Knapp zwei Millionen Franken davon sind als Rückstellungen schon vorhanden oder werden durch Dritte bezahlt. Der Gemeinderat beteuert, dass das Projekt Umgestaltung der Bahnhof- und der Poststrasse den Steuerfuss nicht in die Höhe treiben wird. Zudem weist er darauf hin, dass der Belag in der Bahnhof- und der Poststrasse ohnehin ersetzt werden muss.

Umgestaltung soll vor der Umfahrung fertig sein

Am 25. November findet die kommunale Volksabstimmung statt. Ab wann – ein Ja des Sou­veräns einmal vorausgesetzt – ­gebaut werden kann, steht ­ noch nicht fest. Das hängt unter anderem davon ab, ob Ein­sprachen gegen das Projekt ­eingehen und ob diese durch mehrere Instanzen weitergezogen werden.

Die Wattwiler sind in dieser Hinsicht gebrannte Kinder: Einige Einsprachen gegen die Umfahrung landeten in vor dem Bundesgericht, wo die Einsprecher abblitzten. Deshalb wird es nicht möglich sein, die zweite Etappe der Umfahrung Wattwil gleichzeitig mit der Umfahrung Bütschwil 2020 zu eröffnen.

Der Gemeinderat von Wattwil und das Pro-Komitee hoffen jedoch, dass die Strassenumgestaltung vor der Inbetriebnahme der Umfahrung beendet sein wird. Die Spekulation dahinter: Die Autofahrer sehen, dass das Zentrum von Wattwil attraktiv ist und erinnern sich daran, wenn sie etwas einkaufen wollen. Das Pro-Komitee spricht in einem Flyer davon, dass man über einen kundenfreundlichen Einkaufsort abstimme. Im Pro-Komitee sitzen mehrere Dutzend Firmenvertreter oder Geschäftsinhaber aus dem Zentrum von Wattwil.

Parkplätze fallen weg, Strasse wird schmäler

Die Strassen sowie die Brücke über die Thur werden von 13 Meter auf 5,9 Meter verengt und die Trottoirs verbreitert, wobei die Parkplätze auf der Höhe der Trottoirs angeordnet werden. Alles in allem verringert sich allerdings die Zahl der Parkplätze, und die verbleibenden werden gebührenpflichtig. Die erste halbe Stunde ist dabei gratis.

Die Poststrasse soll einheitlich wie die Bahnhofstrasse gestaltet werden. Visualisierung: PD

Die Poststrasse soll einheitlich wie die Bahnhofstrasse gestaltet werden. Visualisierung: PD

Die Allee in der Bahnhofstrasse wird erneuert und in die Poststrasse verlängert. Die Fussgänger werden die erneuerten Strassen überall überqueren ­können. Die Fussgängerstreifen entfallen.

Auf der Brücke über die Thur und auf den Plätzen auf beiden Seiten der Brücke soll ein hellerer Strassenbelag eingebaut werden, um die Verbindung über den Fluss zu betonen. Der Platz auf dem rechten Ufer der Thur wird mit einem Wasserspiel und mit Sitzbänken zu einem Aufenthaltsbereich umgestaltet. Der linksufrige Bräkerplatz erhält ebenfalls ein Wasserspiel.

Tempo 50 bleibt weiterhin erlaubt

Trotz der Umgestaltung wird auf der Bahnhof- und der Poststrasse weiterhin Tempo 50 erlaubt sein. Der Gemeinderat rechnet aber damit, dass die Fahrer vom Gas gehen, weil die Strassen schmäler sind und die Optik diesen ­Effekt noch verstärken sollte.

Die Parkplätze sollen künftig auf Höhe des Trottoirs der Bahnhofstrasse eingezeichnet werden. (Visualisierungen: PD)

Die Parkplätze sollen künftig auf Höhe des Trottoirs der Bahnhofstrasse eingezeichnet werden. (Visualisierungen: PD)

Eine Tempo-30-Zone auf der Bahnhof- und der Poststrasse könne man später einführen und auch wieder Verkehrsampeln aufstellen. Das versichern der Gemeinderat und der von der ­Gemeinde beauftragte Verkehrsingenieur. Der Verkehr soll auch langsamer werden, weil die Bushaltestellen in der Poststrasse ­ auf der Fahrbahn eingezeichnet werden.

Die Bahnhof- und die Poststrasse sollen einheitlich gestaltet und möbliert werden sowie die Beleuchtung eine angenehme ­Atmosphäre schaffen.