WATTWIL: Tod eines Ostschweizer Fundamentalisten

Der fundamentalistische Prediger und Bibelkreis-Gründer Werner Arn ist 74jährig in Wattwil gestorben.

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Arn kam in den 1980er Jahren ins Toggenburg. (Bild: Michel Canonica)

Arn kam in den 1980er Jahren ins Toggenburg. (Bild: Michel Canonica)

Für Sektenexperten war er einer der radikalsten Prediger der Schweiz, für seine Anhänger eine Lichtgestalt ohne Fehl und Tadel. Werner Arn, ehemaliger Volksschullehrer ohne jede theologische Ausbildung, hielt sich auch selber für unfehlbar: Alle Kirchen und Freikirchen seien von der Bibel abgefallen, nur in seiner Gemeinschaft werde die wahre Lehre verkündet, lautete seine Botschaft. Er verordnete den Frauen lange Haare und Röcke, wetterte gegen Homosexuelle und propagierte Körperstrafen für Kinder.

Arn kam in den 1980er Jahren ins Toggenburg. In Wattwil gründete der gebürtige Winterthurer die Pension «Adullam», die ihm als Zentrale für seinen «Christlichen Informationsdienst» und seine Missionarstätigkeit diente. Später kamen weitere Liegenschaften hinzu. Ab 2004 zählte das Hotel Traube in Ebnat-Kappel zu Arns Immobilienportfolio. Die Gaststätte wurde nach konsequent christlichen Grundsätzen geführt, unter anderem galt ein strenges Tanz- und Alkoholverbot. 2013 ging die «Traube» in Konkurs. Die Grösse von Arns Gemeinschaft ist unklar. Schätzungen reichen von 200 bis 1000 Anhänger. Mit seiner Frau Elisabeth, die im Juni dieses Jahres verstarb, hatte er sieben Kinder.

Mit seinem Absolutheitsanspruch zog Arn regelmässig die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich. Mehrmals musste er Auftritte absagen, nachdem lokale Medien über seine fundamentalistische Gesinnung berichtet hatten. In der Folge wurden ihm jeweils die Mietverträge für die Vortragssäle gekündigt. Bis vor wenigen Monaten war Arn als Prediger im ganzen deutschsprachigem Raum unterwegs. Am vergangenen Sonntag starb Werner Arn nach schwerer Krankheit. (ar)