«Was habe ich bisher nur verpasst»

Das quiekende Ferkel, vom Bundesrat ins mediale Rampenlicht gehoben, gehört zu jedem Eröffnungstag. Diesmal wird es von Pascal Couchepin auf den Arm genommen.

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Neuer Olma-Fan André Bugnon.

Neuer Olma-Fan André Bugnon.

Das quiekende Ferkel, vom Bundesrat ins mediale Rampenlicht gehoben, gehört zu jedem Eröffnungstag. Diesmal wird es von Pascal Couchepin auf den Arm genommen. Was geht dem Bundespräsidenten durch den Kopf, als er das rosa Fleischbündel in die Höhe stemmt? «Ich hoffe, dass es noch kräftig zulegt, derzeit ist für einen Schmaus ja fast nichts an ihm dran.»

Der Zug formiert sich. Regierungsrätin Heidi Hanselmann rennt, weil sie an die Seite von Couchepin gebeten wird. Sie ist nicht die einzige, die ihm an diesem Tag hinterher rennt, weil sein Tempo – gelinde gesagt – forsch ist. Auch Bischof Markus Büchel muss sich sputen, um ihm zu folgen. Er ist auf einem Bauernhof im Rheintal gross geworden. «Die Olma war für uns eine Belohnung, wenn wir brav geholfen haben.» Büchel, der von den Pfadern den Übernamen «Ribel» (Rheintaler Maisspeise) erhalten hatte, dient dann als Messlatte, als Couchepin Maiskolben schälen soll: «Das hätte der Bischof schneller gemacht.»

Gehrer als Securitas

Unter den Ehrengästen gibt es viele, die schon früh unter dem «werktätigen Volk» Olma-Erfahrungen gesammelt haben, wie Regierungsrat Martin Gehrer das bezeichnet. «Während der Kantizeit verdiente ich mein Sackgeld als Sekuritässler. Da habe ich eine ruhige Kugel geschoben. Ich musste Billette kontrollieren, bekam genug zu essen und ab und zu sogar ein Trinkgeld.» Am Mittagstisch kommt der passionierte Schnitzelbänkler mit Waadtländer Amtskollegen ins Gespräch, stimmt sogar die Kantonshymne an und variiert sie so virtuos, dass er Standing Ovations erhält.

Auch Regierungspräsidentin Heidi Hanselmann verfügt über einschlägige Olma-Erfahrungen. Sie hat im Jugendalter Birchermüesli verkauft. Ein deutlicher Hinweis dafür, dass sie schon früh etwas mit der Gesundheit am Hut hatte. «Am meisten gefällt mir, dass an diesem Anlass die Forderung <Begegnungen über die Grenzen hinweg> mit Leben erfüllt wird.»

Bauern sind sexy geworden

Die Erinnerungen von Regierungsrat Willy Haag gleichen denen von vielen, die auf einem Bauernhof aufgewachsen sind und heute hohe Ämter bekleiden. «An die Olma zu gehen war eine Belohnung. Sie stand für einmal im Jahr auswärts essen und auswählen, wonach uns das Herz gelüstete.» Wonach ist der Sinn der Bauern und ihres Nachwuchses heute gerichtet? Bauernverbandspräsident Hansjörg Walter: «Früher kamen wir mit unseren Eltern, um die neuen Landwirtschaftsmaschinen zu bestaunen, heute sind die Bauern hier präsent, um ihre neuesten Produkte und ihre Innovationskraft zu beweisen.»

Ein Thema, das Stadtpräsident Thomas Scheitlin ebenfalls in den Mittelpunkt rückt. Er attestiert den Landwirten nicht nur Erfindungsreichtum, sondern sogar die Entdeckung von «sexyness». Wer das nicht glaube, solle sich den Bauernkalender mit erotischen Fotos junger Bäuerinnen zu Gemüte führen.

Zum Schluss gibt es noch Lob von jenseits des Röstigrabens, von André Bugnon, Präsident des Nationalrates, Winzer und Bauer. Er habe sich immer Zeit nehmen wollen, um nach St. Gallen zu kommen und sie endlich gefunden. «Was habe ich nur alles verpasst. Aber ich hätte auf jene hören sollen, die immer gesagt haben, die Olma sei eine Reise wert.» Mélanie Knüsel-Rietmann

«Securitas» Martin Gehrer. (Bilder: Ennio Leanza)

«Securitas» Martin Gehrer. (Bilder: Ennio Leanza)

«Müesliverkäuferin» Hanselmann.

«Müesliverkäuferin» Hanselmann.

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