«Was gibt es jetzt zu feiern? Ihr seid das Letzte!» – Shitstorm für einen Lebensmittel-Grossisten, der in der Coronakrise genussvoll die Sommerzeit feiern wollte

Aligro, ein Engros-Markt für Gastronomiebedarf, hat auf Facebook einen Shitstorm geerntet. Der Grund: Das Unternehmen rief in der Coronakrise dazu auf, «die Sommerzeit zu feiern».

Christa Kamm-Sager
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Die Kampagne von Aligro kommt einigen in diesen Zeiten in den falschen Hals.

Die Kampagne von Aligro kommt einigen in diesen Zeiten in den falschen Hals.

Bild: Screenshot Facebook

«Alles, was Sie brauchen für Ihre Feste im Alltag, denn jeder Tag gibt uns Gelegenheit dazu!» So wirbt der Lebensmittel-Grossist Aligro, der auch in Gossau eine Filiale führt, am 20. März auf seiner Facebook-Seite. Ein Datum, an dem bereits den wenigstens zum Feiern zu Mute war – schon gar nicht den Restaurants. Vier Tag zuvor war ihnen nämlich von höchster Ebene die Schliessung befohlen worden. Ein Virus versetzt faktisch das ganze Land in Schockstarre.

«Nicht lustig, mit Angst zur Arbeit zu gehen»

Auf Facebook lassen die scharfen Kommentare denn auch nicht lange auf sich warten. «Was gibt es jetzt zu feiern? Ihr seid das Letzte (noch nett ausgedrückt). Es ist nicht lustig, mit Angst arbeiten zu gehen!», schreibt etwa Danilo Mileti in einem Kommentar unter das Bild, das auf das Grillieren gluschtig machen soll.

«Klingt schon etwas ignorant, diese Werbung», schreibt Jeangi Bühler. Und Alberic Corlay doppelt nach: «Dieser Marketing-Abteilung künden und zwar jetzt.» Ein anderer User meint, selbst wenn er diese Läden gut finde, diese Werbung sei jetzt schon etwas deplatziert. Franca Mazza hält sich kurz: «Es gibt nichts zu feiern.»

Auch Daniel Vazquez kritisiert die Werbekampagne: «Ihr habt diese Kampagne sicher schon länger terminiert. Doch die Situation hat sich etwas verändert. Das heisst, die Inseratekampagnen müssen angepasst werden.»

Kampagne mittlerweile gelöscht

Aligro hat die Kampagne und die zum Teil deutlichen Kommentare auf der Facebook-Seite im Verlauf des Donnerstags gelöscht. Aber zuvor hatte der Engros-Markt noch Stellung bezogen:

«Wir nehmen die Gesundheitskrise sehr ernst und haben zahlreiche Massnahmen für unsere Kunden und Mitarbeiter eingesetzt. Aber das hindert uns nicht daran, trotz allem angenehme Momente zu verbringen und gleichzeitig die Sicherheitsregeln zu respektieren.»

Beispielsweise indem man Apéritifs via Skype mache, Kinder mit ihren Grosseltern auf Distanz zusammen einen Zvieri essen lasse oder etwas knabbere, während man sich gegenseitig am Telefon den Verlauf des Tages erzähle. «Diese kleinen Feste scheinen uns in dieser Periode wichtig zu sein.»

Dieser Meinung sind auch einige der User: «Es gibt jeden Tag etwas zu feiern», schreibt Karin Meier-Blickenstorfer, «zum Beispiel das Leben, die Liebe, die Nachbarschaftshilfe, die im Moment wieder erwacht, und noch vieles mehr.» Auch Marlies Schärer doppelt nach: «Man kann nicht immer nur traurig sein und sich den Kopf zerbrechen.»

«Hauptursache für die gegenwärtige Seuche»

Weil auf dem Bild ein Stück Fleisch gezeigt und zum Grillieren angeregt wird, melden sich auch einige Vegetarier, die zu bedenken geben, dass durch den Wildtierkonsum in China das Virus überhaupt im Menschen entstehen konnte. «Wir könnten jetzt schön feiern, wenn wir wegen des Fleischkonsums nicht alle krank würden», schreibt Sandra Elise Kälin. Auch Anita Keller hält fest: «Fleisch auf dem Teller ist die Hauptursache für die gegenwärtige Seuche.»