Was dem pädophilen Betreuer der St.Galler Kindertagesstätte nun droht

Ein Kita-Betreuer soll Zehntausende Bilder mit Kinderpornografie gehortet und sich an kleinen Buben vergangen haben. Der 34-jährige Mann wird wohl Ende Jahr angeklagt. Ihm könnte eine mehrjährige Gefängnisstrafe drohen.

Janina Gehrig
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Bis der mutmassliche Täter angeklagt werden kann, stehen noch weitere Ermittlungen und Einvernahmen an. (Bild: Samuel Golay/Keystone)

Bis der mutmassliche Täter angeklagt werden kann, stehen noch weitere Ermittlungen und Einvernahmen an. (Bild: Samuel Golay/Keystone)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Wie konnte das passieren? Warum habe ich nichts gemerkt? Wie oft war der Mann mit meinem Kind allein? Viele der Fragen, die sich Kita-Mitarbeiter und besorgte Eltern seit dieser Woche stellen, bleiben noch unbeantwortet. Im vergangenen Sommer war ein Betreuer einer St.Galler Kindertagesstätte der Fiorino AG wegen des Verdachts der Verbreitung von Kinderpornografie verhaftet worden.

Seit letztem Donnerstag ist klar: Der Mann wird auch verdächtigt, zwei Buben missbraucht und Videos von ihnen im Darknet verbreitet zu haben. Einer der Buben soll in der Kita missbraucht worden sein, der andere im privaten Rahmen. Eine der Fragen, mit der sich die Justiz nun befassen muss, ist jene nach dem Strafmass, das sie für den mutmasslichen Täter fordert.

Ermittelt wird wegen dreier Straftatbestände

Die Anklage werde voraussichtlich bis Ende Jahr vorliegen, sagt Beatrice Giger, Juristin und Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft St.Gallen. Noch seien etwa Einvernahmen des Beschuldigten und von betroffenen Eltern ausstehend.

Ermittelt werde gegen den 34-Jährigen wegen dreier Straftatbestände. Einerseits wegen Pornografie. Auf seinen Datenträgern haben die Ermittler mehrere Zehntausend Bilddateien mit mutmasslich kinderpornografischem Inhalt sichergestellt. Der Mann wird verdächtigt, die Bilder und Videos nicht nur besessen und konsumiert, sondern teilweise auch selber hergestellt und in Verkehr gebracht zu haben. Dafür sieht das Strafgesetzbuch eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren vor.

Andererseits soll sich der Mann auch des Kindesmissbrauchs schuldig gemacht haben, konkret wegen sexueller Handlungen mit Kindern sowie Schändung. Wie die Staatsanwaltschaft bekannt gab, wird der Kita-Betreuer dringend verdächtigt, sexuelle Übergriffe an zwei Buben vorgenommen zu haben. Dabei soll er den Kindern zwar keine körperlichen Schmerzen zugefügt haben. Das mache die Übergriffe aber nicht harmlos, hiess es.

Besonders schwer bestraft werden kann der Tatbestand der Schändung. Dieser kommt nur zur Anwendung, wenn die Opfer urteilsunfähig oder zum Widerstand unfähig sind – wie im vorliegenden Fall, wo es sich um unter zweijährige Buben handelt. Schändung kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe geahndet werden.

Eine Übersicht der relevanten Strafartikel

Artikel aus dem Schweizerischen Strafgesetzbuch, die zur Anwendung kommen
Artikel 197, 4 und 5 Artikel 187, 1 Artikel 191, 2
Pornografie Sexuelle Handlungen mit Kindern Angriffe auf sexuelle Ehre, Schändung
Wer Gegenstände oder Vorführungen, die sexuelle Handlungen mit Minderjährigen zum Inhalt haben, herstellt, lagert, in Verkehr bringt, erwirbt, beschafft oder besitzt, wird bestraft.Wer diese konsumiert oder zum eigenen Konsum herstellt, wird ebenfalls bestraft. Wer mit einem Kind unter 16 Jahren eine sexuelle Handlung vornimmt, es zu einer solchen Handlung verleitet oder es in eine sexuelle Handlung einbezieht, wird bestraft. Die Handlung ist nicht strafbar, wenn der Altersunterschied zwischen den Beteiligten nicht mehr als drei Jahre beträgt. Wer eine urteilsunfähige oder eine zum Widerstand unfähige Person in Kenntnis ihres Zustandes zum Beischlaf, zu einer beischlafsähnlichen oder einer anderen sexuellen Handlung missbraucht, wird bestraft.
Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahre oder Geldstrafe Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahre oder Geldstrafe Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahre oder Geldstrafe

Anzahl der Bilder und Alter der Opfer spielen eine Rolle

Zum erwarteten Strafmass kann Giger nichts sagen, zumal die Untersuchung noch läuft. Vorerst werde der Mann forensisch-psychiatrisch begutachtet. So könne bei der Bemessung des Strafmasses etwa eine verminderte Schuldfähigkeit eine Rolle spielen.

«Zudem können die Anzahl und das Alter der Opfer, die Art und Weise der sexuellen Handlungen, die Anzahl der sichergestellten Bilder und deren Inhalt eine Rolle dabei spielen, welche Strafe das Gericht aussprechen wird.»

Zum Vergleich: Der frühere CVP-Kantonsrat Michael Hugentobler war im Dezember wegen mehrfacher versuchter sexueller Handlungen mit Minderjährigen und mehrfacher Pornografie zu einer bedingten Geldstrafe von 18'000 Franken und einer Busse von 3600 Franken verurteilt worden. Hugentobler hatte in Chatrooms Kontakt zu Minderjährigen gesucht, unter anderem intime Bilder verschickt und vor einer Webcam sexuelle Handlungen an sich vorgenommen.

Eine unbedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten erhielt 2017 der frühere Gemeindepräsident von Berneck. Er hatte Pornobilder von Kleinkindern und Minderjährigen konsumiert sowie in einem Chat seinen Gewaltfantasien Ausdruck verliehen. Die Gefängnisstrafe wurde zu Gunsten einer Therapie aufgeschoben.

Bernecker Gemeindepräsident vor Gericht: Blick in Abgründe

Es war harte Kost, die Richter, Staatsanwältin, Verteidiger und Prozessbesucher am Mittwoch am Kreisgericht Rheintal zu verdauen hatten. Der frühere Gemeindepräsident von Berneck musste sich für seine Internet-Verfehlungen verantworten - und leistete Abbitte.
Daniel Walt