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WM-Final: Eine Kroatin und ein Franzose fiebern fern der Heimat mit

Wenn heute um 17 Uhr Kroatien und Frankreich um den Titel kämpfen, fiebern Ana Krnjic und François Ehl mit. Beide ­leben, lieben und arbeiten seit Jahren in der Schweiz. Beim Fussball gehört ihr Herz aber dem Heimatland.

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Wer wird Fussball-Weltmeister?

Ana Krnjic wünscht sich, dass Kroatien 3:0 gewinnt. (Bild: Benjamin Manser (Abtwil, 13. Juli 2018))

François Ehl: «Gewinnen sie nicht, wird es tragisch.»

François Ehl. (Bild: Ralph Ribi)

François Ehl. (Bild: Ralph Ribi)

Stolz und erleichtert: Das war François Ehl, als das Ergebnis feststand. Frankreich gewinnt 1:0 gegen Belgien und steht nach zwölf Jahren erstmals wieder in einem WM-Final. «Bei der Arbeit habe ich immer gesagt, dass es Frankreich in den Final schafft», sagt der Mensaleiter der Kantonsschule Romanshorn. Auch deshalb sei er erleichtert gewesen. Denn in der Mensaküche hängt ein WM-Matchplan. «Ich habe jeweils Frankreich zuoberst platziert. Dann kam die Portugiesin und setzte sich ins Gewinnerfeld. So lange, bis der Schweizer das Magnet wieder­um tauschte.»

Der 53-jährige Doppelbürger ist von klein auf Fussballfan. Seine Mutter hat ihm diese Begeisterung mitgegeben. «Sie hat alle wichtigen Matchs geguckt.» Später wurde Ehls Cousin Profi und spielt nun in der ersten Liga für Strassburg. Obwohl die ganze Familie fussballbegeistert ist:

«Mein Vater hat nie die französische Flagge aufgehängt. Bis jetzt.»

Bei Ehl wehen gleich drei Flaggen im Wind. Zwei davon in den Farben bleu, blanc, rouge. «Die Leute wollen erleben, was sie 1998 erlebt haben.» Vor 20 Jahren, als Frankreich zu Hause 3:0 gegen Brasilien gewann und zum ersten Mal Weltmeister wurde. Damals wohnte Ehl schon in Uttwil. Seit 1993 lebt er in der Gemeinde, seit 1986 in der Schweiz. «Nach dem Militär wollte ich ins Ausland», sagt der Koch. Er hatte zwei Jobangebote: eines in den USA, eines in der Schweiz. «Meine Eltern meinten, die Schweiz sei eine gute Wahl.» So trat Ehl in Biel seine erste Stelle an. Arbeitete später in Davos, Meiringen-Hasliberg, St.Gallen. Er sei bewusst nicht in die Romandie gezogen – wegen der französischen Mentalität. «In meinem Beruf habe ich gerne eine klare Linie. In Frankreich aber heisst es ‹Mach mal, wir gucken dann.›»

Für das Spiel tippt Ehl 3:0. «Gewinnen sie nicht, wird es tragisch.» Er selbst ist bereits auf dem Weg in die Ferien. Im Gepäck eine Flasche Champagner.

Ana Krnjic: «Wirklich begriffen habe ich es erst am nächsten Tag.»

Ana Krnjic. (Bild: Benjamin Manser)

Ana Krnjic. (Bild: Benjamin Manser)

Bis Ana Krnjic, ihre Familie und die besten Freunde realisiert hatten, dass Kroatien im WM-Final steht, war es zum Feiern zu spät. Die Polizei toleriert Hupkonzerte und Autokolonnen bis eine Stunde nach Spielschluss. «Uns wäre noch eine Viertelstunde geblieben», sagt die 32-jährige Kroatin. So feierten sie zu Hause in Abtwil, stiessen an und freuten sich. «Aber wirklich begriffen habe ich es erst am nächsten Tag.» Zum ersten Mal überhaupt steht Kroatien im WM-Final. 1998 verloren die Karierten 1:2 gegen Frankreich und wurden Dritte.

Krnjics Schwester schickt ihr täglich Bilder davon, wie gefeiert wird. «Am Mittwoch waren alle Gassen in Zagreb voller jubelnder, tanzender Leute. Bis zum Morgengrauen», sagt Krnjic, die aus der Hauptstadt stammt. «Normalerweise wird nur auf dem Hauptplatz gefeiert.» Der Finaleinzug sei für alle sehr emotional. «Wir sind ein kleines, junges Land.» Gut vier Millionen Einwohner leben in Kroatien.

«In Deutschland hat es mehr Fussballer als bei uns Menschen», sagt Krnjic und lacht.

Seit neun Jahren lebt sie in der Schweiz. Ihr Ehemann ist gebürtiger St.Galler, stammt aber ursprünglich aus Kroatien. «Aus einem Ferienflirt ist eine Ehe geworden.» Heute arbeitet die Lebensmittelingenieurin in Roggwil für die Naturarzneimittel-Herstellerin Bioforce. Nebenbei betreibt sie einen Modeblog.

Deutsch hat Krnjic schon als Neunjährige in der Schule gelernt. Als klar war, dass sie in die Schweiz zieht, besuchte sie einen Kurs. Angekommen, redete sie wo möglich Deutsch. «Wenn man hier wohnt, muss man die Sprache beherrschen, um nur die einfachsten Dinge zu erledigen.»

Am liebsten wäre es ihr, Kroatien würde 3:0 gewinnen. Aber auch mit einem 1:0 wäre sie zufrieden. Das Spiel wird sie mit Freundinnen bei einem Public Viewing schauen. «In einer grossen Gruppe, damit wir gut feiern können.» Denn gefeiert wird auf jeden Fall.

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