Warum die Engländer die Ostschweiz mieden

Lange wird das Gebiet der heutigen Schweiz von Reisenden eher gemieden. Die Berge schrecken ab, bis im Zeitalter der Aufklärung gebildete Kreise ein Loblied auf die Schönheit der Bergwelt anstimmen.

Rolf App
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Tourismuswerbung anno dazumal: Das Koloristenatelier Bartholome Fehr, St.Gallen.

Tourismuswerbung anno dazumal: Das Koloristenatelier Bartholome Fehr, St.Gallen.

(Bild: NZZ Libro)

Diese Schönheit wird von jenen Bildern propagiert, die Koloristen in Ateliers in grosser Zahl herstellen. Bis sie dann von der Fotografie abgelöst werden.

Doch nicht überallhin zieht es den wachsenden Strom der Reisenden. Der Genfersee wird ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine rege besuchte Destination, grosser Wertschätzung erfreuen sich auch das Berner Oberland, das Wallis und die Innerschweiz. Nicht aber die Ostschweiz.

Warum? Darauf gibt der Historiker Joseph Jung zwei Antworten: Die von den Engländern angeführten Touristenströme suchen das Hochgebirge. Die Ostschweiz ist von den stattlichen Drei- und Viertausendern aber viel zu weit entfernt, der Säntis taugt nicht als Ersatz für Matterhorn & Co. Und im Unterschied zum Pilatus ist er verkehrsmässig nicht erschlossen.

Jung erklärt:

«Erst 1935 nimmt die Luftseilbahn auf den Säntis ihren Betrieb auf, erst rund ein halbes Jahrhundert nach der Bahn auf den Pilatus.»

Und auch das Schweizer Bodenseeufer ist wenig attraktiv. Einzig Heiden kann sich ab 1848 dank Bahnanschluss zum europaweit bekannten Molkenkurort mausern – ein Höhenflug, der bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 anhält.

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