Wartelisten für Bootsplätze werden bald kürzer

Freie Bootsliegeplätze sind in den Thurgauer Häfen schwer zu bekommen. Teilweise müssen Interessenten jahrzehntelang warten, bis sie zum Zug kommen. Das wird sich wohl bald ändern – weil das Durchschnittsalter der Bootsbesitzer relativ hoch ist und zudem in den nächsten Jahren die Gebühren steigen.

Inge Staub
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Boote im Arboner Hafen. (Bild: Ralph Ribi)

Boote im Arboner Hafen. (Bild: Ralph Ribi)

KREUZLINGEN. Felix Baumgartner ist eine Ausnahme. Seit nur einem Jahr wohnte der Extremsportler in Arbon, als er auch schon einen Liegeplatz für sein Boot erhielt. Da alle 5500 Liegeplätze am Thurgauer Ufer vergeben sind, müssen sich Freizeitkapitäne auf eine Warteliste setzen lassen. In Bottighofen warten mehr als 300 Interessenten darauf, dass sie an die Reihe kommen. Auch in Kreuzlingen muss man sich in Geduld üben. «Unter zehn Jahren geht nichts», sagt Ernst Zollinger, Hafenmeister in Kreuzlingen. Auswärtige müssen sich gar bis zu 20 Jahre gedulden.

Fünf freie Plätze pro Jahr

Neue Bootsliegeplätze gibt es nicht, denn der Kanton Thurgau verpflichtet sich gemäss einem internationalen Abkommen zum Gewässerschutz, die Zahl der Plätze zu begrenzen. Bootsplätze werden jeweils dann frei, wenn jemand altershalber nicht mehr auf den See hinausfährt oder wegzieht. Im Arboner Hafen, welcher über 600 Liege- und 50 Trockenplätze verfügt, geben circa fünf Personen im Jahr ihren Platz zurück. Derzeit sind auf der Warteliste 62 Interessenten aus Arbon und 179 Auswärtige vermerkt.

Bei der Vergabe werden Einheimische bevorzugt. Allerdings nur, wenn sie ein Boot haben, das von der Grösse her in den frei werdenden Platz passt. Auf diese Weise soll Felix Baumgartner zu seinem Bootsplatz gekommen sein. «Das Boot von Felix Baumgartner hat genau in einen der freien Plätze hineingepasst. Die restlichen Boote auf der Warteliste von Bewerbern aus Arbon waren entweder zu gross oder zu klein», wies die Stadtverwaltung Gerüchte um einen Prominentenbonus zurück.

«Geringe Chancen»

Auch in Romanshorn haben Einheimische Vorrang. «Die Chancen für Auswärtige, einen Liegeplatz zu erhalten, ist deshalb äusserst gering. Einzig im Inselihafen (für Fischerboote) ergeben sich immer wieder Möglichkeiten für eine Zuteilung», sagt Mediensprecherin Marie-Theres Brühwiler.

In Kreuzlingen gehen die ersten fünf freien Plätze an Kreuzlinger, der sechste geht an eine Person mit Wohnsitz im Thurgau und der siebte an eine Person, die ausserhalb des Thurgaus wohnt. Damit sich nur Leute melden, die tatsächlich an einem Liegeplatz interessiert sind, erheben die Gemeinden für die Aufnahme in die Warteliste eine Gebühr. In Bottighofen muss man alle drei Jahre 50 Franken berappen, in Kreuzlingen jährlich 20 Franken. Zu einem Bootsplatz kommt man ferner, wenn man sich in einem Verein engagiert. Doch der Präsident des Yachtclubs Kreuzlingen, Rolf Zwicky, sagt: «Leute, die nur auf einen Liegeplatz aus sind, nehmen wir nicht auf. Wir erwarten von neuen Mitgliedern, dass sie aktiv im Club mitmachen.»

Altershalber geben viele auf

Dennoch hat das Warten wohl bald ein Ende. «Das Durchschnittsalter der Bootsbesitzer ist relativ hoch», sagt Zwicky. In drei bis fünf Jahren würden viele altershalber von Bord gehen. «Längerfristig wird es wieder Liegeplätze geben.» Hinzu kommt, dass in den nächsten Jahren die Gebühren steigen werden. Der Kanton kassiert neu jährlich drei Franken pro Quadratmeter Liegeplatz und 150 Franken für einen Bojenplatz von den Gemeinden. In Ermatingen etwa werden die Gebühren auf die Bootsbesitzer umgewälzt.