«Neger»-Fasnachtswagen in Wangs: Polizei ermittelt ++ FDP prüft Strafanzeige ++ Betroffener sagt: «Es ist das erste Mal, dass ich selbst rassistisch angegriffen werde»

Am Fasnachtsumzug von Wangs fuhr ein Wagen, auf dem eine rassistische Äusserung prangte, die einen FDP-Kandidaten beleidigt. Die Aktion könnte nun weitreichende Folgen haben. 

Ines Biedenkapp
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Bild: pd

Es steht weiss auf blau. «Wie viele ‹Neger› brauchen wir in St.Gallen?», heisst es auf dem Anhänger des Fasnachtswagens, der beim Fasnachtsumzug in Wangs mitfahren sollte. Dazu die Plakate des FDP-Regierungsratskandidaten Beat Tinner, der Jungfreisinnigen der Region Sarganserland für die aktuellen Kantonalratswahlen und – speziell hervorgehoben – das Plakat von Nirosh Manoranjithan aus den Nationalratswahlen 2019.

Die FDP Sarganserland äussert sich in einer Medienmitteilung zum Sujet. «Die FDP Sarganserland ist grundsätzlich sehr liberal, humorvolle Äusserungen und Darstellungen zu ihren Mandatsträgern sind für die FDP Sarganserland Teil der politischen Auseinandersetzung und manchmal sogar Politwerbung», schreibt die Partei in einer Mitteilung.

Darstellung überschreitet rote Linie

In diesem Fall habe aber der Urheber des Fasnachtswagen «Brandstetter» mit der dummen und blöden Darstellung eine rote Linie überschritten, heisst es weiter. Denn auf dem Fasnachtswagen stand in weissen Buchstaben: «Wie viele Neger brauchen wir in St.Gallen?»

Die FDP Sarganserland verurteile den auf dem Fasnachtswagen veröffentlichten Inhalt in aller Schärfe und prüfe nun rechtliche Schritte und eine Strafanzeige wegen Ehrverletzung gegen den Urheber der diskriminierenden und dummen Formulierung. «Von dieser Darstellung sind alle Mandatsträgerinnen, Mandatsträger und Kandidierende, nicht nur FDP, betroffen», heisst es in der Mitteilung weiter.

Statt «Neger» ein gelbes Rechteck

Dass das Wort «Neger»  auf dem Wagen stand, wurde erst kurz vor Beginn des Umzugs festgestellt. Die Kantonspolizei St. Gallen erhielt einen Tipp und forderte den Betreiber des Wagens auf, das Wort vor dem Umzug abzudecken. Statt des Wortes war dann also ein abgeklebtes, gelbes Rechteck zu sehen. Auch wurde der Wagen nicht explizit an dem Umzug angekündigt oder hervorgehoben.

Dieser Wagen am Umzug in Wangs sorgt für Aufregung.

Dieser Wagen am Umzug in Wangs sorgt für Aufregung.

Bild: pd

Bei dem Betreiber des Wagens soll es sich um Walter Brandstetter handeln. Dieser sei in der Gegend bekannt - nicht nur durch die Fasnachtsumzüge in Wangs, sondern auch, durch seine politische Vergangenheit. Denn Brandstetter war einst Mitglied der SVP. Die Partei bestätigt dies auf Anfrage, distanziere sich jedoch von dem Wagen. Für eine Stellungnahme war Brandstetter bisher allerdings noch nicht zu erreichen.

Erst am Nachmittag vom Wort erfahren

Die rassistische Äusserung zielte vor allem auf FDP-Politiker Nirosh Manoranjithan, der auch im Gemeinderat von Wangs sitzt, ab. «Am Anfang habe ich das gar nicht so mitbekommen», sagt der 27-Jährige. Er habe das Wort aufgrund der Abdeckung am Umzug gar nicht lesen können. Erst am Nachmittag habe er erfahren, was sich wirklich unter dem Kleber befand. Das hat ihn getroffen: «Es ist das erste Mal, dass ich selbst rassistisch angegriffen werde», sagt Manoranjithan. 

«Ich wollte wissen, was die Motivation dahinter ist.»

Er habe den Kontakt zum Betreiber des Wagens gesucht. «Aber ich habe schnell gemerkt, dass ich mit ihm nicht diskutieren kann», sagt er. So habe sich der Betreiber anfangs versucht, aus der Sache herauszureden, doch die Diskussion sei ins Leere verlaufen. 

«Je mehr ich darüber nachdenke, desto eher will ich etwas dagegen tun», sagt Nirosh Manoranjithan. Er überlegt sich, nun selbst juristische Schritte einzuleiten. 

Plakate wurden illegal entwendet

Die FDP-Plakate und -Blachen seien illegal entwendet worden, das Nutzungsrecht liege ausschliesslich bei der FDP, heisst es in der Mitteilung weiter. Auch überlege die Partei nun, eine Strafanzeige zu stellen. Diese könne denn auch Diebstahl beinhalten.

Die Kantonspolizei St.Gallen ermittelt derzeit gegen den Halter des Wagens, da es sich um ein Offizialdelikt handelt. «Allerdings ist es möglich, dass auch die FDP Anzeige erstatten wird», sagt Mediensprecher Pascal Häderli. Die Kantonspolizei wird den Halter zu seinem Fasnachtswagen befragen. «Die Staatsanwaltschaft wird sich anschliessend den Fall genauer anschauen», sagt Häderli. 

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