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WANDERUNG: Wanderverhalten: Amphibien auf heikler Mission

Das feucht-warme Märzklima lockt Amphibien aus ihren Winterquartieren. Massenweise wandern sie zu ihren Laichgewässern. Ein Unterfangen, das oft tödlich endet.
Claudio Weder
Die Erdkröte gehört zu den häufigsten Amphibienarten in Europa. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Erdkröte gehört zu den häufigsten Amphibienarten in Europa. (Bild: Hanspeter Schiess)

Claudio Weder

claudio.weder@tagblatt.ch

Im Frühling beginnt für Grasfrösche, Erdkröten und Bergmolche der alljährliche Kampf ums Überleben. Zu Tausenden kriechen sie aus ihren Winterverstecken und machen sich auf den Weg zu den meist mehrere Kilometer entfernten Laichplätzen. Ein gefährliches Unterfangen: Denn die Strassen und Wege, die sie dabei überqueren müssen, stellen für viele ein tödliches Hindernis dar. Jonas Barandun, kantonaler Beauftragter für Amphibienschutz ­und Amphibienexperte am Naturmuseum St. Gallen, erklärt: «Wanderzeit heisst für Amphibien auch Paarungszeit. Es kommt vor, dass Männchen mitten auf der Strasse nach Weibchen Ausschau halten – und dabei von Autos überfahren werden». Gerade nachts ist im Strassenverkehr derzeit besondere Vorsicht geboten. Autofahrern wird empfohlen, in Nähe von Laichgebieten die Geschwindigkeit zu drosseln oder bekannte Amphibienwanderrouten ganz zu meiden.

Weil die Tiere zum Überleben auf ausreichend Luft- und Bodenfeuchtigkeit angewiesen sind, beginnen sie ihre Wanderung in aller Regel Anfang März, wenn die Temperaturen nachts bei etwa fünf Grad Celsius liegen und der Boden aufgrund der Regengüsse genügend feucht ist. Je nach Witterungsverlauf kann die Laichwanderung bis in die erste Aprilhälfte andauern.

Schutz dank Tunnels und freiwilligen Helfern

Damit bei Strassenquerungen weniger Amphibien ums Leben kommen, werden nebst Strassensperren auch alljährliche Rettungsaktionen lanciert. Allein in der Stadt St. Gallen, namentlich am Bildweiher oder beim Ostfriedhof, sind zur Zeit der Amphibienwanderung rund 50 bis 70 Freiwillige mit Fangkübeln im Einsatz. Solche Aktionen lohnen sich: Mit einem einzigen Einsatz können im Idealfall bis zu 300 Tiere gerettet werden, wie ein freiwilliger Helfer sagt.

Auch andere für Amphibien gefährliche Orte in der Region wurden durch entsprechende Schutzmassnahmen entschärft – etwa der Strassenabschnitt zwischen Untereggen und Goldach, die Umgebung Hasenlooweiher bei Wil sowie zahlreiche Stellen im Kanton Thurgau, etwa die Steckbornerstrasse oberhalb von Müllheim oder die Kantonsstrasse zwischen Kreuzlingen und Schwaderloh. An besonders heiklen Strassenabschnitten führen sogenannte Amphibientunnel unter der Strasse hindurch. Der Vorteil dieser Durchlässe besteht laut Jonas Barandun darin, dass damit auch diejenigen Tiere geschützt sind, die sich auf dem Rückweg befinden. In den Kantonen St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden gibt es derzeit 20 solcher Tunnel. Die Kosten bewegen sich je nach Grösse zwischen 80000 und 500000 Franken.

Lebensräume sind unzureichend geschützt

Obwohl schon vielerorts grosszügig in den Amphibienschutz investiert wurde, ist bei vielen Amphibienpopulationen und -arten ein Rückgang festzustellen, sagt Barandun. Laut der «Biodiversitätsstrategie St. Gallen 2018-2025» sind bei einzelnen Arten über die Hälfte der Vorkommen erloschen, ohne dass nennenswerte neue Vorkommen entstanden sind. Dieser Rückgang ist aber nicht primär auf die Amphibienwanderungen im Frühjahr zurückzuführen: «Sofern die Leitwerke systemkonform erstellt sind, bleiben die Populationen stabil», meint Barandun. Zu diesem Schluss kommt auch eine Studie der ZHAW aus dem Jahr 2017. Ursache für den Amphibienschwund ist vielmehr der mangelnde oder gänzlich fehlende Schutz der Laichgewässer. Von den Amphibienlaichgebieten von regionaler Bedeutung stehen aktuell nur 22 Prozent unter behördlichem Schutz. Auf nationaler Ebene fehlt gemäss Biodiversitätsstrategie bei rund 50 Prozent der Laichgebiete der Schutz sogar komplett. «Viele Gewässer sind zugewachsen oder ausgetrocknet», sagt Dominik Thiel, Leiter des kantonalen Amtes für Natur, Jagd und Fischerei. Es sei also notwendig, den Lebensraum der Amphibien zu schützen und zu pflegen.

Auch die intensive Landwirtschaft schadet den Tieren. «Damit die Biodiversität der Amphibien erhalten werden kann, muss die Landwirtschaft auf den Einsatz von Pestiziden verzichten», sagt Christian Meienberger, Geschäftsführer Pro Natura St. Gallen-Appenzell. Zudem sei es wichtig, dass Bäche und Flüsse wieder dynamischer werden, damit neue Laichgewässer entstehen können.

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