Vom Eschenholz aus schweift der Blick zwischen säulenartigen Stämmen in den Thurgau.

Vom Eschenholz aus schweift der Blick zwischen säulenartigen Stämmen in den Thurgau.

Bild: Pablo Rohner

Wandertipp
Durch das Reich der heiligen Idda: In der grünen Kathedrale der Welt entfliehen

Die Wälder westlich von Gähwil laden zum einsamen Wandern ein. Im Reich der heiligen Idda kommt der Einsiedlerin aber am nächsten, wer die Wallfahrtskirche und das Kloster Fischingen links liegen lässt.

Pablo Rohner
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Kurz nach Gähwil erfreut ein ungemähtes Bord das Auge.
26 Bilder
Nach der Scheune beim Hof Auen ist es nicht mehr weit bis zum Wald.
In Auen geht biegt man hier links ab.
Im Wald Rabst umfängt einen...
...schichtenweise Grün.
Am Wegrand trifft man immer wieder auf wunderliche Holzstrukturen.
Erdrutsch oder ausgetrocknetes Bachbett?
Im dichten Wald unter der Iddaburg kann der Blick kaum in die Ferne schweifen.
Hüttenstetten Süd. Auf dem Kreuzweg käme man in wenigen Minuten zur Iddaburg samt Gasthof,...
...wir bleiben aber standhaft und gehen hier rechts.
Ob diese Naturskulptur zu Ehren der heiligen Idda errichtet wurde?
Hüttenstetten.
In der Ferne lockt Fischingen mit Barock und Klosterbier,...
wir lassen das Kloster aber links liegen und gehen weiter talwärts.
Ein uralt erscheinendes Bauernhaus mit Aborterker in Hüttenstetten.
Zwischen Hüttenstetten und Gadenwies sticht eine Frau Pflanzen am Hang.
Diese Alpakas künden Gadenwies an.
Nach Gadenwies folgt der steilste Aufstieg der Wanderung.
Blick aufwärts von Gadenwies auf dem Weg ins Eschenholz.
Bald treten wir wieder in die grüne Kathedrale.
Im Eschenholz kommt man immer wieder an abgeschiedenen Waldlichtungen vorbei.
Nach dem kleinen Pass Stäägen geht es auf dem Weg links an der Eiche vorbei.
Noch ein Stück Naturkunst am Wegrand.
Beim Hof Taa führt der Weg auf dem Hügelkamm über eine Wiese.
Vor Lütenriet sehen wir die Churfirsten,...
...und dann kommt auch schon wieder Gähwil in Sicht.

Kurz nach Gähwil erfreut ein ungemähtes Bord das Auge.

Bild: Pablo Rohner

Die Wanderung im Überblick

Start: Gähwil
Ziel: Lütenriet (Gähwil)
Strecke: 7,95 Kilometer
Wanderzeit: 2 Stunden 15 Minuten
Aufstieg: 264 Meter
Abstieg: 271 Meter
Ausrüstung: Normale Schuhe reichen, man geht entweder auf Kies oder Asphalt. Die Wanderung ist auch mit kiestauglichem Kinderwagen möglich.
Gaststätten: Keine. Letzte Gelegenheit, um Proviant zu kaufen, ist der Dorfladen in Gähwil. Die Route führt an diversen Brunnen vorbei. Der Wallfahrtsort St.Iddaburg mit Gasthaus oder das Kloster Fischingen sind vom Weg aus in einer halben Stunde zu erreichen.
Öffentlicher Verkehr: Auf der Buslinie 732 von Wil nach Gähwil.
Karten: 1:25'000, 1093 Hörnli

1 Gähwil «Sportstrasse» heisst die Endstation der Buslinie 732 von Wil nach Gähwil. Hier startet unsere Wanderung. Wer mit dem Auto anreist, parkiert auf dem nahen Skiliftparkplatz, der von Frühling bis Herbst auch offiziell als Wohnmobilstellplatz dient.

Nach diesem Schopf geht es rechts weg in Richtung Auen.

Nach diesem Schopf geht es rechts weg in Richtung Auen.

Bild: Pablo Rohner

Wer wandert, flieht auch vor den Menschen, behaupte ich mal ins Grüne. Wir suchen die Gipfel, die Seen, den spektakulären Blick. Und dabei auch immer ein Stück weit die kulturelle Leere. Wunderbar gelingt solche Weltflucht auf der Rundwanderung von Gähwil über Hüttenstetten, Gadenwies, Eschenholz, Stäägen zurück nach Gähwil. Dazu müssen wir aber den kirchlichen Verlockungen am Weg widerstehen. Der Wald soll unser Tempel sein. Wir wandern also los. Zuerst auf der Hauptstrasse in Richtung Hulftegg aus Gähwil heraus.

Nach dem Hof Auen geht es in den Wald.

Nach dem Hof Auen geht es in den Wald.

Bild: Pablo Rohner

2 Auen Keine hundert Meter nach dem Dorfausgang, wo der Fussweg in die Strasse mündet, steht ein rostbrauner Schopf. Dort geht es rechts in Richtung Auen. Nach kurzem Anstieg öffnet sich ein kleines, abgeschiedenes Tal mit steilen Hängen und einem einzigen Hof. Wir passieren die malerische Scheune, an der allerlei altes Gerät hängt, und zweigen bei der nächsten Gelegenheit links ab in den Wald.

Es ist flach und der Boden zwischen den hohen Fichten krautig überwachsen. Am Morgen und am Abend, wenn die Sonne tief steht, führen hier Licht und Schatten ein schillerndes Spektakel auf. Es kommt eine Waldlichtung. Darauf befinden sich eine Feuerstelle, ein Gaden und das erste von vielen Jesus-Kreuzen.

Wenn die Sonne tief steht, spielen im Wald bei Auen Licht und Schatten.

Wenn die Sonne tief steht, spielen im Wald bei Auen Licht und Schatten.

Bild: Pablo Rohner

Das Kruzifix erinnert uns daran, dass wir uns im Reich der heiligen Idda von Fischingen befinden, die vom Grafen Heinrich aus dem Fenster gestossen wurde, weil dieser sie der Untreue bezichtigte. So geht die Legende. Idda überlebte den Sturz von der Burg, dem Stammsitz der Grafen von Toggenburg, die heute Iddaburg heisst. Fortan lebte sie als Einsiedlerin im Wald.

Hinter einer Kurve kommt ein Holzunterstand samt Rastplatz in Sicht. Ein Pfad führt in die Büsche und zu einem Hüttchen mit Brunnen und Teich. Durch das Fenster sind ein Tisch und ein Ofen zu sehen. Hier liesse es sich auch gut einsam sein.

3 Hüttenstetten Eine Bachschlucht scheidet die Wälder Rabst und Sennwald, durch die eine Kiesstrasse führt, auf der wir wandern. Durch die Schichten dichten Grüns findet der Blick fast nicht in die Weite, nur ab und zu bleibt er ein an einem fernen Wipfelprofil oder einem Fetzen Himmel hängen. Am Wegrand begegnen uns wunderliche Gebilde aus Totholz, wilde Blumen und ab und zu ein seltsames, von Menschenhand geschaffenes Stück Naturkunst. Bachrauschen und Vogelgezwitscher sind zu hören. Kuhglocken läuten entfernt und dazwischen heult mal eine Motorsäge. Der Geruch von geschnittenem Holz und beigenweise Baumstämme erinnern an Stürme und den grossen Schnee im Januar.

Anstatt in Richtung Kloster Fischingen geht es in Hüttenstetten weiter talwärts.

Anstatt in Richtung Kloster Fischingen geht es in Hüttenstetten weiter talwärts.

Bild: Pablo Rohner

Bei Hüttenstetten Süd folgen wir nicht dem Kreuzweg, der links steil den Berg hinauf zur Wallfahrtskirche St.Iddaburg samt Gasthaus führen würde. Wir verlassen kurz den wunderbaren Wald und treten in die Sonne. An schönen Höfen vorbei geht es nun bergab. Ein grosser Garten bezaubert und ein scheinbar uraltes Schindelhaus mit Aborterker.

Im Norden kommt durch eine Schneise das Kloster Fischingen in Sicht. Der Wegweiser neben einem vergoldeten Jesus am Kreuz sagt uns, dass wir in einer halben Stunde dort wären, bei Barock und Klosterbier. Zurück nach Gähwil dauert es dreimal so lang. Wir widerstehen und wandern talwärts weiter. Die einzige Kathedrale, die wir heute betreten, ist grün.

Vor Gadenwies werden wir von Alpakas begrüsst.

Vor Gadenwies werden wir von Alpakas begrüsst.

Bild: Pablo Rohner

4 Gadenwies Es geht nun durch die Senke im Höhenprofil der Wanderung. Oben am Hang sticht eine Frau Pflanzen aus. Auf asphaltierter Strasse gelangen wir nach Gadenwies. Alpakas liegen im Schatten, ein Bub zieht einen Schlauch den Hang hinauf.

Auf dem Weg nach Stäägen folgt nun das steilste Stück der Wanderung. Wir sind jetzt wieder im Wald, der hier Eschenholz heisst und etwas lichter ist als unter der Iddaburg. Zwischen den säulenartigen Stämmen kann der Blick nun weiter schweifen.

Gähwil kommt wieder in Sicht.

Gähwil kommt wieder in Sicht.

Bild: Pablo Rohner

5 Stäägen/6 Lütenriet Aus dem Eschenholz gelangen wir zum Pass Stäägen, überqueren ihn und nehmen dann den linken Weg. Also den, der an der alten Eiche vorbeiführt. Noch einmal geht es in den Wald, wenn auch nur kurz. Nach der Infotafel zum Orkan Lothar geht es nach rechts und bald in die Sonne. Das letzte schöne Stück führt von Taa über eine Wiese geradewegs auf die Mobilfunkantenne zu. Über eine Lichtung sehen wir die Churfirsten. Dann geht es zurück auf die Strasse und über Lütenriet hinab ins Dorf.