Wandertipp: Im Wind und Regen um den Schauenberg

Die Rundwanderung um den Schauenberg bietet an sich viel: eine Burgruine und viel Fernsicht auf das Tösstal, das Mittelland und den Alpstein. Bei schlechtem Wetter bleiben die nackten Grundmauern der Ruine Schauenberg aber der einzige Höhepunkt.

David Grob
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Einmal um den Schauenberg.
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Einmal um den Schauenberg.

Bilder: David Grob

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Start: Parkplatz Schauenberg
Ziel: Parkplatz Schauenberg
Strecke: 5,8 Kilometer
Wanderzeit: 1 h 40 
Aufstieg: 230 Meter
Abstieg: 230 Meter
Ausrüstung: gutes Schuhwerk. Wanderung nicht für Kinderwagen geeignet.
Gaststätten: Gasthof Girenbad, Öffnungszeiten: Mo., Do. - So 11.30 - 22.30 Uhr, Di und Mi geschlossen.
Kartenmaterial: Landkarte: 1:25'000, Blatt: 1072 Winterthur und Blatt 1073 Wil. (dar)

1 Parkplatz Schauenberg Auf 792 Metern über Meer geht's los. Ein kleiner Parkplatz, grasende Kühe, grauer Himmel. In einer Senke schläft der Weiler Geretswil, am Horizont erstrecken sich die sanften Hügel des Kantons Thurgau. In der anderen Richtung hinter einem Wald verbirgt sich das Tösstal. Der Wanderweg führt auch gleich in dieses Waldstück, erst sanft ansteigend, dann immer steiler. Das Wetter passt so zum Wandern wie ein überzeugter Fleischesser ins Vegirestaurant Tibits. Kaum bin ich aus dem Auto ausgestiegen, beginnt es zu regnen. Erst sanft, dann immer stärker. Der Wind nimmt zu, es ist kühl. Wetter wie aus einer Jack-Wolfskin-Werbung, perfekt, um atmungsaktive und wasserabweisende Outdoor-Trekking-Kleidung zu inszenieren. Ich trage eine H&M-Jacke und bereits feuchte Jeans.

Über Wurzeln geht's hinauf zum ersten Etappenziel: die Burgruine Schauenberg. Die Wanderung: Einmal um den Schauenberg herum, eine Rundwanderung von knapp zwei Stunden.

2 Burgruine Schauenberg Plötzlich zeichnet sich zwischen den Blättern sich eine Kuppe ab, auf der, wie auf so vielen Hügelspitzen in der Schweiz, eine metallene Pyramide thront, ganz als ob sie sagen will: Ich bin eine markante Hügelspitze, höher als die anderen Erhebungen um mich herum, ich bin wichtig. Wichtig war sie, topografisch wichtig. Mittels sogenannter Triangulationspunkte erstellten Kartografen im 19. Jahrhundert topografische Karten der Schweiz. Und dass der Schauenberg bereits im Mittelalter wichtig war, davon zeugen die nackten Grundmauern der Burgruine Schauenberg.

Ein schmaler Weg führt nach oben auf 890 Meter über Meer, auf der einen Seite die Ruine, auf der anderen Seite der Triangulationspunkt und eine Feuerstelle. An Bräteln, Grillieren oder Picknicken ist heute nicht zu denken, der Wind nimmt zu und lässt die Baumwipfel schaudern, die Regentropfen werden zu Bindfäden. Nicht mal Jack Wolfskin würde jetzt noch eine Werbung drehen. Die Aussicht besteht aus 50 Schattierungen in Grau. Nur manchmal reisst der Wind Löcher in die Regenwand und lässt erahnen, was man bei guter Fernsicht sehen könnte: das Tösstal, den Thurgau, Winterthur, das Mittelland, den Alpstein.

Nun, heute eben nicht. Weiter geht's in Richtung Girenbad.

3 Girenbad Der Regen nimmt etwas ab, der Weg führt in den Wald, über Wurzeln steil nach unten, vorbei an einem Bauernhof, Gänse schnattern, Enten watscheln. Der Feldweg mündet in eine Strasse, vereinzelte Autos rauschen vorbei, von Elgg ins Tösstal oder vom Tösstal nach Elgg. In einer Kurve verkauft ein kleiner Hofladen, was ein Hofladen eben so verkauft: Räucherwürste, Quittengonfi, Waldhonig. Danben befindet sich der Gasthof Girenbad, einst Kurort, heute ein Restaurant. Und an diesem regnerischen Tag ein Licht im Dunkel. Ich freue mich auf Kaffee! Gipfeli! Wärme!

Geschlossen.

Der Gasthof öffnet erst in rund einer halben Stunde kurz vor dem Mittag.

4 Weidhof Dann eben weiter. Immerhin nieselt es nur noch sanft. Ein Feldweg führt vorbei an einem Bauernhof, an Landmaschinen und Heuballen, vorbei an einem Holzhaus im Wald – vermutlich Rückzugsort eines Schnitzkünstlers, zahlreiche Figuren, geschnitzt in Baumstämme, zeugen davon: ein Wolf, ein Kopf, eine Kugel. Etwas später ragen einzelne Blumen aus den langen Sumpfgräsern auf einer feuchten Waldlichtung und recken ihre Köpfe nach der Sonne, die heute nicht scheint. An einem Hof und grasenden Kühen vorbei geht's auf einer geteerten Strasse in Richtung Parkplatz. Zurück am Start. Es hat ganz aufgehört zu regnen. Pünktlich zum Ende der Wanderung.

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