Wandertipp: Hafentour entlang des Bodensees

Eine gutes Wandererlebnis zeichnet sich nicht durch möglichst viele zurückgelegte Höhenmeter aus. Manchmal – und ganz besonders an heissen Sommertagen – tut's auch ein Spaziergang entlang des Ufers.

Miguel Lo Bartolo
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31 Bilder

Die Wanderung im Überblick

Start: Romanshorn, Hafen
Ziel: Rorschach, Hafen
Strecke: 15,7 Kilometer
Wanderzeit: 3h 20min
Aufstieg: 48 Meter
Abstieg: 53 Meter
Ausrüstung: Gutes Schuhwerk, Wanderung auch mit Kinderwagen machbar
Gaststätten: Restaurant Hafen, Romanshorn: Mo-So 8.30-23 Uhr; Restaurant Seehuus, Egnach: Mo-So 8-21 Uhr; Restaurant Schiff, Horn: Mo-So 8-23 Uhr
Öffentlicher Verkehr: Nach Romanshorn kommt man mit dem Zug; für den Rückweg fährt von Rorschach, Hafen halbstündlich ein Zug Richtung Romanshorn, alle paar Minuten ein Zug zum Rorschacher Hauptbahnhof 
Kartenmaterial: 1:25'000 Blatt 1055 Romanshorn, 1075 Rorschach

Bei besonders sommerlichen Temperaturen sind Wanderungen frühmorgens angesagt. Steht die Sonne am Zenit, ist die Hitze trotz Dächlikappe, ständiger Flüssigkeitszufuhr und einer extra dicken Schicht Sonnencrème unerträglich. Diese Erfahrung dürfte sich einer Vielzahl der Wanderlustigen während der Hitzewelle aufgedrängt haben. Nun könnte man also um 5.30 Uhr aufstehen und die Zeit bis zur sengenden Hitze damit verbringen, gestresst bergauf zu marschieren und seinen Körper an die Leistungsgrenze zu bringen. Zugegeben: Der Ausblick, der einem nach dem Bezwingen eines Dreitausenders vergönnt ist, hat schon etwas Besonderes. Allerdings braucht man sich für ein gelungenes Wandererlebnis nicht immer bergwärts zu quälen.

Ein Spaziergang entlang des Bodensees hat ausserdem mindestens genauso vielfältige Szenerien in petto; man braucht nur an den richtigen Orten vorbeizulaufen.

1. Hafenpark Romanshorn

Am Ufer im Hafenpark Romanshorn.

Am Ufer im Hafenpark Romanshorn.

Bilder: Miguel Lo Bartolo

Nur wenige Gehminuten vom Bahnhof Romanshorn entfernt beginnt die Wanderung. Der Hafenpark ist weitläufig. Wo keine Wiese ist, füllen diverse Lounges und Grillstellen die Zwischenräume. Spaziert man dem Kiesweg am Ufer entlang, hat man an manchen Stellen das Gefühl, an einem Steinstrand zu sein. Das Wasser ist klar, der Himmel noch klarer.

Auf der Hafenpromenade steht noch bis Sonntag, 9. August, die Chilbi «Lunapark». Wir gehen dran vorbei und peilen über ein diffuses Seewegnetz den Arboner Hafen an. Wer in Romanshorn noch einen Blick ins Museum am Hafen werfen möchte, muss die Uferwanderung sonntags auf sich nehmen.

Genaue Wegbeschreibungen sind bei einem Spaziergang entlang des Ufer offenkundig überflüssig. Allerdings: Es gibt hie und da ein paar verborgene Routen. So führt die Hafenstrasse die Ortsunkundigen zwar zuverlässig zum Bahnhof. Wir wollen aber weiterhin auf dessen der Seeseite bleiben und sparen uns den Umweg. Also biegen wir nach der Hafenlounge links ein und folgen dem schmalen Weg bis zum Restaurant Hafen; auf der anderen Seite der Friedrichshafnerstrasse steht das mindestens ebenso berüchtigte Kornhaus, das sich gerade in der finalen Umbauphase befindet.

Wir laufen die Friedrichshafnerstrasse ab und sehen nach dem Zoll zu unserer Linken noch die Werft. Beim Naturschutzgebiet Aachmündung biegen wir links in die Seewiesenstrasse ein und folgen dann dem Seeweg. Auf diesem bleiben wir, bis wir in Egnach ankommen. Interessierte sollten vor dem Bahnhofsplatz links in die Luxburgstrasse einbiegen und einen Blick auf das Schloss Luxburg und den sich dahinter befindlichen Campingplatz werfen. Letzterer ist auch deshalb ein empfehlenswertes Ziel, weil der beharrliche Wanderer nach einer guten halben Stunde das erste Mal wieder einen Blick auf den See werfen kann.

Die Neugierigen erwartet nahe des öffentlichen Badeplatzes ein sumpfartiges Ökosystem:

Beim öffentlichen Badeplatz in Egnach.

Beim öffentlichen Badeplatz in Egnach.

Am Bahnhofsplatz Egnach zurück, folgen wir dem Weg Rudwies. Auf einen direkten Blick zum See verzichten wir wieder für ein Weilchen – und zwar bis wir zum Restaurant Seehuus beim Strandbad Wiedhorn gelangen. Ein Steg führt ein gutes Stück hinaus und eröffnet ein wunderbares Panorama. Um Richtung Arbon zu kommen orientieren wir uns weiter dem Rudwies, der schliesslich in den Seeweg übergeht.

2. Arbon Hafen

Der Seeweg mündet bei der Badi Buchhorn in den Philosophenweg. Wir folgen ihm am Seemosriet Naturschutzgebiet vorbei, bis wir zur Wassergasse beim Seepark Arbon gelangen. Hier steht auch der Seeparksaal, in dem unter anderem die Stadtparlamentssitzungen abgehalten werden. Auch das Schwimmbad ist nur wenige Schritte entfernt. Wir laufen weiter geradeaus und sehen die Wunderbar, die erst kürzlich zum Politikum wurde. Die Arboner feiern das Hotel/Restaurant als eines der Herzstücke der Stadt. Dennoch ist ihr Fortbestehen bedroht.

Mehr dazu hier.

Das Hotel/Restaurant Wunderbar an der Seepromenade Arbon.

Das Hotel/Restaurant Wunderbar an der Seepromenade Arbon.

Der Kiesweg führt links an der Wunderbar vorbei. Vor uns liegt der Hafenpark Arbon. Dort angelangt, befinden wir uns ungefähr in der Hälfte des Weges. Wie in Romanshorn lebt auch dieser Hafenpark vom Grün der weitläufigen Wiese. Vereinzelt ragen riesige Bäume aus ihr und spenden Schatten - ein Almosen, das an besonders warmen Tagen dankbar angenommen wird. Nach einer kurzen Verschnaufpause gehen wir weiter Richtung Horn.

3. Horn

Man kann über Horn sagen was man will. Im Thurgau flucht manch böse Zunge über den niedrigsten Gemeindesteuerfuss des Kantons. Doch das 3000-Seelenkaff hat Charme. Ein kleiner Hafen, daneben das Hotel und Restaurant Schiff oder «Schiffli», wie es von den Einwohnern genannt wird, und ein klassisches Dorflädeli im Dorfkern machen diesen Charme aus.

Beim Bahnübergang am Hafen Goldach.

Beim Bahnübergang am Hafen Goldach.

Wir kommen entlang der Seepromenade am prestigeträchtigen Vier-Sterne-Superior-Hotel Bad Horn vorbei, dessen Ostflügel erst kürzlich saniert wurde. Jetzt führt unser Weg über die Hauptstrasse vorbei an der Badi Goldach und am Goldacher Hafen. Uns trennen nur noch wenige Gehminuten von unserem Ziel.

4. Von Goldach nach Rorschach

Der letzte Abschnitt der Strecke dürfte vielen am besten gefallen, denn er bietet das, was man von einer Uferwanderung erwartet: ständige Seesicht. Die Seepromenade zwischen Goldach und Rorschach ist eine beliebte Strecke, um sich die Beine zu vertreten. Man wird hier weitaus mehr Menschen begegnen, als man auf der vorangegangenen Strecke hinter sich gelassen hat.

Diese Etappe dauert 15 bis 20 Minuten. Spektakulär wird es nicht mehr, dafür aber geschichtsträchtig. Denn auf halber Strecke, gleich nach der Arionwiese, wo das jährliche Sandskulpturen-Festival stattfindet, steht das letzte verbliebene Bauwerk seiner Art am Bodenseeufer: Die 1924 erbaute «Badhütte». Dieses dreiflüglige, auf Betonpfeilern gestützte Monument dürfte auch einem erschöpften Wanderer noch ein kleines Staunen entlocken.

Die «Badhütte» in Rorschach von der Arionwiese aus.

Die «Badhütte» in Rorschach von der Arionwiese aus.

Und auch kurz vor dem Ziel muss noch einmal genau hingeschaut werden. Am Rorschacher Hafen steht das Kornhaus – im Innern ein Museum mit breitem Ausstellungsspektrum. Wer aber nach knapp dreieinhalb Stunden wandern keine Lust mehr auf Geschichte hat, dem sei es nicht verübelt. Der Rorschacher Hafen liegt vor uns.

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