Wandertipp: Auf dem Seedamm zwischen Rapperswil und Pfäffikon – eine Feierabenddosis Jakobsweg, eine grosse Dosis Feriengefühl

Auf dem längsten Steg der Schweiz den Tag ausklingen lassen? Dazu braucht es kein aufwendiges Wanderequipment. Diese Tour ist sowohl für Wandermuffel, Kinderwagen und Herbsttage geeignet. Und auch Geschichtsaffine kommen hierbei auf ihre Kosten.

Viola Priss
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Auf dem Weg der Pilger.
9 Bilder
Schilf umrankt den Steg, danach folgt nur die unendliche Weite mit Blick auf die Berge
Zwei Meter über dem Wasser und ein wenig über Allem schwebend auf dem längsten Steg der Schweiz
Die Kapelle Heilig Hüsli.
Aussicht auf Züri- und Obersee.
Alpenpanorama vor der Halbinsel Hurden.
Hurdens mondäne Villen und Segelboote.
Mit Blick auf die Moorlandschaft Frauenwinkels Richtung Pfäffikon.

Auf dem Weg der Pilger.

Die Wanderung im Überblick

Start: Rapperswil Hauptbahnhof
Ziel: Pfäffikon Hauptbahnhof
Strecke: 4.8 km
Wanderzeit: 45 - 60min.
Aufstieg: 27 m
Abstieg: 21 m
Ausrüstung: kein Wanderschuhwerk erforderlich. An ausreichend Sonnenschutz und Trinken denken.
Gaststätten: Rapperswil: Hotel Speer, Tel. 055 220 89 00, Hurden Seedamm: Gasthof Seefeld, Tel. 055 410 34 20, Pfäffikon: Gasthaus zum Ratshaus, Tel. 055 410 24 50 (Gartenterasse mit Blick auf Zürichsee)
Öffentlicher Verkehr: Sowohl der Hauptbahnhof Rapperswil als auch Pfäffikon sind mit dem ÖV mehrmals in der Stunde befahrbar
Kartenmaterial: Landkarte: 1:25000, Blatt: 1112 Stäfa

1 Haltestelle Rapperswil Hauptbahnhof
Beginn der feierabendlichen Zeitreise ist das Rapperswiler Hochschulareal, zu dem wir bequem mit der Bahn bis Hauptbahnhof Rapperswil gelangen. Von hier aus findet man die geschichtsträchtige Route überall gut ausgeschildert und kann den Einstieg auf den Damm nicht verpassen. Eine letzte Möglichkeit der Stärkung bietet der Gasthof Seefeld vor der Pilgerreise im Feierabendformat. Hier befinden sich ausserdem rollstuhlgerechte sanitäre Anlagen.
Am Seeufer angelangt, lassen wir die Beachvolleyballer, Grillierenden und Stand-Up-Paddler den Feierabend sportlich ausklingen, während unser Ziel aber ist: Meditation und Erholung durch und in Bewegung.

Der Definition nach ist ja ein Steg nicht mehr als eine Verbindung zweier Seeufer. Bei diesen Brettern, die das Ufer von Rapperswil über Hurden mit dem Ufer Pfäffikons verbinden aber ist ein Steg viel mehr. Schon nach gemütlich gewanderten 15 Minuten erreichen wir Heilig Hüsli, die Brückenkapelle am ehemaligen Brückenkopf der historischen Holzbrücke Rapperswil–Hurden in Rapperswil. Das kleine Steingebäude stammt, so bezeugt es die Inschrift, aus dem Jahre 1551 und steht streng genommen auf einer kleinen vorverlagerten Insel. Das Innere der kleinen, 2011 gesegneten Kappelle ist den Pilgern und Wanderern nur von der Ostseite einsehbar. Einer Tradition nach werfen sie durch das Gitterfenster hier Münz in das Kappelleninnere, auf das lange gehegte Wünsche somit in Erfüllung gehen mögen.

2 Auf dem Weg nach Hurden Weiter gehts auf den insgesamt 841 Metern der längsten, 2011 sanierten Holzbrücke der Schweiz. Hier, auf halber Höhe zwischen Rapperswil und der Halbinsel Hurden entfaltet sich endgültig die Schleuse, hinaus aus der Stadt, hinein in die offene Weite des Sees. Die 64 Eichenpfähle, stammen teilweise aus dem 16. Jahrhundert und lassen uns, ca. zwei Meter über dem Wasser schreiten. Ein wenig hat der Weg durchaus etwas von Schweben. Wir passieren etwa alle 50 Meter breite Sitzgelegenheiten, die uns das Panorama auf die Oberseite des Zürisees darbieten. Ob mit Kinderwagen oder Rollstuhl und auch für Anfänger gilt: Hier kann man einfach laufen lassen, denn der Weg ist hindernisfrei und auch «Unbewanderten» gut zuzumuten. Für Hurden verlassen wir dann die Holzleisten um einen kurzen Abstecher in das Dorf zu unternehmen.

Hurden verdankt seinem Namen übrigens den vielen Fischfallen, «Hürden» oder eben «Hurden» die einst von Einheimischen zum Fang aufgestellt wurden. Dementsprechend nobel Fisch dinnieren kann, wer möchte, im Restaurant Rössli. Der direkte Blick auf den See und die Luxusvillen der Halbinsel holt originäres Rivieragefühl auf St.Galler Terrain und rundet unsere Feierabendstimmung ab. Gestärkt geht es weiter, die Flora und Fauna des Naturschutzgebietes, das wir durchschreiten, zeigt uns seltene Vogel- und Schilfarten, die teilweise nirgends sonst in der Schweiz als Brutstätte bedrohter Arten dienen.

3 Blick auf Frauenwinkel Den Feierabendverkehr umgehen wir, den Schildern Richtung Bahnstation Hurden folgend. Wir unterqueren den Bahndamm über einen Kanal, vor uns eröffnet sich ein glitzerndes Züriseepanorama, dessen Ende nicht abzusehen ist. Hier blicken wir auf Moorgebiet, auch die Inseln Ufenau und Lützelau sind erkennbar. Bei untergehender Sonne wirken die vielen weissen Segel der verkehrenden Boote wie ein in Szene gesetztes Hopper-Gemälde. Dieser Abschnitt zählt zu den wertvollsten Seeuferlandschaften der Schweiz, in der uns seltene Falter und nie zuvor gesehene Blumenarten begegnen. Wären da nicht die kreischenden Möwen über uns und das Rauschen der Wellen, hätte die Atmosphäre etwas wahrhaft Surreales.

4 Pfäffikon: Der Weg ist das Ziel

Auf dem Festland geht es dann weiter Richtung Pfäffikon, hier kann direkt nach Zürich weiter oder zurück nach Rapperswil per Tram gelangen, wer möchte. Es lädt uns allerdings noch das Hotel Speer auf einen Apérol ein. Die Sonne geht unter und ein Blick über die Schulter auf den vollbrachten Weg zeigt: Zwei Stunden Zeitreise, Kurzurlaub inklusive.

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