Walter–Zoo schläfert Tigerin Nikkie ein

Tigerin Nikkie ist tot. Das Tier war nach einer Zahnoperation auf beiden Augen erblindet und hätte das Augenlicht nicht wiedererlangt. Ein artgerechtes Leben sei in diesem Zustand nicht mehr möglich gewesen, schreibt der Walter-Zoo in einer Mitteilung.

Janique Weder
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Tigerin Nikkie im Walter-Zoo. (Bild: Evelyne Eichenberger)

Tigerin Nikkie im Walter-Zoo. (Bild: Evelyne Eichenberger)

GOSSAU. Was lange befürchtet wurde, ist nun Gewissheit: Tigerin Nikkie aus dem Walter-Zoo in Gossau musste am Dienstag eingeschläfert werden. Die Raubkatze wurde fünf Jahre alt. Eigentlich das beste Alter für eine Tigerin, wie Zootierärztin Karin Federer auf Anfrage sagt. Denn Raubkatzen können bis zu 20 Jahre alt werden.

Auf Genesung gehofft

Ursache von Nikkies Leiden war ein eiternder Eckzahn gewesen. Das Tier nahm tagelang keine Nahrung mehr zu sich, weshalb man sich für einen operativen Eingriff entschied. Bei der dreistündigen Operation Anfang September kam es zu Komplikationen: Nikkie erlitt einen Herzstillstand und wurde mit einem Defibrillator wiederbelebt. Seither war sie auf beiden Augen blind.

Zunächst glaubte man an eine Genesung. «Berichte über ähnliche Komplikationen bei Hauskatzen liessen mich hoffen», sagt Tierärztin Federer. In der Literatur gebe es Hinweise auf Raubkatzen, die nach einigen Tagen oder Wochen ihr Augenlicht wieder erlangt hätten. Nicht so Nikkie. Sie habe sich zwar von der Operation erholt und sich in der Innenanlage des Geheges zurechtgefunden, nach draussen habe sie sich aber nicht mehr getraut. Ein Zusammenführen mit ihrem zukünftigen Partner Victor sei undenkbar gewesen, heisst es in der Mitteilung des Walter-Zoos von gestern.

Experten hinzugezogen

Um Nikkie weiteren Stress zu ersparen, wurde sie direkt in ihrem Gehege eingeschläfert. Nachdem sie zunächst mit Tabletten schläfrig gemacht worden war, spritzten die Tierärzte ihr das einschläfernde Mittel. Danach wurde Nikkie für die Sektion nach Zürich gebracht.

Experten des Tierspitals Zürich und aus ganz Europa hätten sich in den vergangenen Wochen für die Raubkatze eingesetzt, heisst es in der Mitteilung des Walter-Zoos. Gemeinsam sei der Entschluss gefasst worden, dass der Zustand von Nikkie in Anbetracht der ausbleibenden Genesung längerfristig nicht vertretbar sei.

Victor braucht neue Partnerin

Nun stellt sich die Frage, was mit Tiger Victor passiert. Das Tier traf in diesem Frühling im Walter-Zoo ein und war als Partner für Nikkie vorgesehen. Nun gelte es, über das Europäische Erhaltungszuchtprogramm eine neue Partnerin für Victor zu finden, schreibt der Zoo.