Wahlverlierer Roland Rino Büchel: «Das Pendel wird bald zurückschlagen»

Der unterlegene SVP-Ständeratskandiat Büchel gibt sich im Pfalzkeller gefasst, humorvoll und angriffslustig. Er werde in vier Jahren wieder kommen, wenn die SP ihren «Rechsteiner mit dem Heiligenschein» nicht mehr habe. 

Marcel Elsener
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Hat den Humor nicht verloren: Roland Rino Büchel mit Esther Friedli. (Bild: Urs Bucher)

Hat den Humor nicht verloren: Roland Rino Büchel mit Esther Friedli. (Bild: Urs Bucher)

Sein Velo aus Bern hat er ins Rheintal mitgeschleppt, für den Fall der Fälle. Am Samstag noch ist er zehn Stunden auf dem Sattel unterwegs gewesen, eine weiträumige Ausfahrt von Bern Richtung Neuenburg und Thun. Offenbar glaubte Roland Rino Büchel bis zuletzt an die klitzekleine Chance einer Überraschung. Wäre sie eingetroffen, wäre er nach Bern geradelt, wie damals im Frühling 2010, als er für Jasmin Hutter in den Nationalrat nachrückte.

Nun soll die Velofahrt nach Bern nicht sein, fast 17'000 Stimmen fehlen ihm auf Paul Rechsteiner, das Verdikt an diesem nebligen Sonntag ist glasklar. Das Wetter könne nur besser werden, deutet Büchel schmunzelnd an. Er meint nicht den Wintereinbruch, sondern die politische Grosswetterlage: «Das Pendel wird bald zurückschlagen.» Die linke Politik habe ein «starkes Momentum», aufgrund der grünen Welle und der guten Wirtschaftslage, die das Verteilen von Geldern ermögliche, meint Büchel. Doch der Gipfel sei erreicht, die Hochkonjunktur «am Abbröckeln», und die Bevölkerung werde den «massiven Mitte-Links-Rutsch» bei der Umsetzung des CO2-Gesetzes zu spüren bekommen.

Egger, der Löwe

Wenn der Kanton St.Gallen weiter auf Rechsteiner und ein SP-CVP-Duo im Ständerat setze, sei «der Leidensdruck noch nicht gross genug». Büchel kaschiert seine Enttäuschung über die erwartete Niederlage («alles andere spielte im Land der Träume») im Pfalzkeller gefasst und angriffslustig; er sei «sehr positiv überrascht» vom «hervorragenden Resultat» und habe einige Tausend Stimmen auf Rechsteiner gut gemacht. «Ein eins zu eins gegen ihn wäre spannend gewesen», meint Büchel. «Aber klar, ich ziehe den Hut, ein starker Politiker, eine starke Persönlichkeit.»

Mehr habe er im Wahlkampf nicht machen können, es blieb «wenig Zeit» und sei am Ende eine Geldfrage gewesen, zumal er «über 100000 Franken aus dem eigenen Sack» aufbrachte. «Mein Wunschkandidat hat gekämpft wie ein Löwe», attestiert ihm Parteikollege Mike Egger, der seinerseits in der Ersatzwahl diesen Frühling CVP-Mann Würth unterlegen war.

Büchel meldet Ambitionen für Ständeratswahl 2023 an

Büchels Angriffslust ist geweckt, das belegen seine Absage fürs Nationalratspräsididum (weil er lieber politisieren wolle) und seine erklärten Ambitionen für 2023, wenn die SP ihren Mann «mit dem Heiligenschein» nicht mehr habe. In vier Jahren werde er es wieder versuchen, «da müsste vieles ändern, dass ich nicht mehr komme». Und Büchel lobt FDP-Mitstreiter Marcel Dobler, der im zweiten Wahlgang den Platz frei machte, Werbeflächen im Linthgebiet zur Verfügung stellte und ihn mit Fotogrüssen aus den Ferien ermunterte. Am Wahltag meldet sich Dobler per SMS mit einem Fluchwort, das trösten soll.

Zum Fluchen hat die im Ständerat chancenlose St.Galler SVP allen Grund. Mit Büchel gescheitert, wie zuvor mit Theophil Pfister, Toni Brunner (zweimal), Thomas Müller. Warum tut sie sich das an? «Wenn du etwas bewegen willst, musst du angreifen», sagt Mike Egger. Parteisekretärin Esther Friedli sieht es ähnlich: «Aufgrund unseres Wähleranteils treten wir bei jeder Wahl an. Die Mitte-Links-Vertretung entspricht nicht den Mehrheitsverhältnissen im Kanton, schon gar jenen auf dem Land.» Inwiefern Büchel speziell auch freisinnige Stimmen fehlten, kann nur vermutet werden. «Es ist eine alte Geschichte, dass einige FDPler nach wie vor lieber einen SPler wählen, das zeigte sich schon bei der Kandidatur Toni Brunners», sagt Friedli dazu.

Im Pfalzkeller tauchen am Sonntag nur wenige Freisinnige auf. Regierungskandidat Beat Tinner beschränkt sich auf die Aussage, wonach die Mobilisierung schwierig war und das «Personen-Setting» nicht für überparteiliche Achsen taugte. FDP-Präsident Raphael Frei feiert derweil in Rorschach den Abstimmungserfolg für sein «Herzensprojekt» Autobahnanschluss. Er erwarte, dass Würth/Rechsteiner den Kanton gut vertreten, sagt er am Telefon. «Und ganz sicher werden wir mit der FDP nächstes Mal wieder angreifen.»