Wahlkampf bis zum Schluss

Die Synodalen der reformierten St. Galler Kirche haben gestern an der Sommersynode im Rorschacher Tagungszentrum Stadthof Martin Schmidt zu ihrem neuen Kirchenratspräsidenten gewählt. Er tritt sein Amt Anfang März 2014 an.

Lara Wüest
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Der neue Kirchenratspräsident Martin Schmidt will nun Schritt für Schritt die Dossiers von seinem Vorgänger übernehmen. (Bild: Hannes Thalmann)

Der neue Kirchenratspräsident Martin Schmidt will nun Schritt für Schritt die Dossiers von seinem Vorgänger übernehmen. (Bild: Hannes Thalmann)

RORSCHACH. Das Rennen um das höchste Exekutivamt der reformierten St. Galler Kirche ist vorbei, die Synodalen haben gestern den Nachfolger von Dölf Weder gewählt: Der neue Kirchenratspräsident heisst Martin Schmidt. Er ist Dozent an der PHSG und langjähriges Mitglied des St. Galler Kirchenrates. Gewählt wurde er im zweiten Wahlgang mit 99 Stimmen bei einem absoluten Mehr von 82.

Nachdem sich der Straubenzeller Pfarrer Klaus Stahlberger vergangene Woche «sowohl aus persönlichen als auch aus politischen Gründen» zurückgezogen hatte, trat Schmidt noch gegen die zwei Mitbewerber Sigrun Holz, Pfarrerin in Speicher, und Christoph Ramstein, Pfarrer in Lausen BL, an.

Ramsteins Fürsprecher

Die Synodalen entschieden sich am Ende für denjenigen Kandidaten, der von Beginn weg alle Anforderungen erfüllte. Denn sowohl Holz als auch Ramstein waren bis kurz vor der Wahl, streng nach Kirchenverfassung, als Ausserkantonale gar nicht wählbar. Als die beiden jedoch kurzfristig ihre Wohnsitze nach St. Gallen verlegten, waren sie mit ihrem Kontrahenten Schmidt wieder gleichauf, wodurch der Wahlkampf bis zum Schluss spannend blieb.

Bevor die 165 anwesenden Synodalen ihre Stimme abgeben konnten, meldeten sich verschiedene Personen aus dem Lager von Christoph Ramstein zu Wort und versuchten die Anwesenden von dessen Vorzügen zu überzeugen – und überraschten damit einige der übrigen Anwesenden. «Ich wusste nicht, dass wir im voraus reden dürfen», sagte etwa Brunnaderns Pfarrerin Catherine McMillan aus dem Unterstützungskomitee von Sigrun Holz. «Ich bin überrascht, dass wir Statements abgeben können», fügte Margrit Gerig, Präsidentin der Kirchenvorsteherschaft St. Gallen-Tablat, an, welche sich ebenfalls im Komitee von Holz engagierte.

Zweiter Wahlgang entscheidet

Die Fürsprachen verfehlten ihre Wirkung nicht: Bereits im ersten Wahlgang zeichnete sich ab, dass der Entscheid zwischen Schmidt und Ramstein fallen würde. Ersterer erreichte 77, letzterer 60 Stimmen. Sigrun Holz brachte es auf 27. Niemand erreichte somit das absolute Mehr von 83 Stimmen, wodurch ein zweiter Wahlgang notwendig wurde. Holz zog sich daraufhin zurück – was Martin Schmidt zugute kam. Er konnte einen Grossteil von Holz' Stimmen auf sich vereinen und gewann die Wahl mit einem Vorsprung von 35 Stimmen auf Christoph Ramstein, der 64 Stimmen erhielt.

«Nun muss ich erst einmal tief durchatmen», sagte der neue Kirchenratspräsident, nachdem das Resultat bekanntgeworden war. Zuhause habe es in den vergangenen Monaten kaum andere Themen gegeben. Er sei erleichtert, dass der Wahlkampf vorbei sei.

Schrittweise Dossierübernahme

Schmidt ist sich jedoch auch der Verantwortung bewusst, welche nun auf ihn zukommt. «Es liegen schwierige Jahre vor uns», sagte er, «sowohl personell als auch finanziell wird es zu Engpässen kommen.» Um sich möglichst gut auf diese Herausforderungen vorbereiten zu können, will Schmidt nun Schritt für Schritt die Dossiers von Weder übernehmen. Eine gewisse Nervosität ist dem künftigen Kirchenratspräsidenten aber anzumerken: «Ich kann mich zwar vorbereiten, aber üben kann ich nicht. Der Ernstfall wird der erste Tag des Amtsantritts sein.»